Man-United-Fans: Ratcliffe „muss gehen“ nach Einwanderungs-Kommentaren

Der Muslim Supporters Club von Manchester United (MUMSC) hat der Klubführung das Vertrauen entzogen und fordert Sir Jim Ratcliffe sowie die Familie Glazer zum Rückzug auf. Zuvor hatte Ratcliffe Einwanderung und Empfänger von Sozialleistungen mit den Problemen Großbritanniens in Verbindung gebracht.

  • Wer: Manchester United Muslim Supporters Club (MUMSC), United-Mitbesitzer Sir Jim Ratcliffe und die Familie Glazer
  • Was: Ein Misstrauensvotum gegen die aktuelle Eigentümerstruktur von United
  • Wann: Veröffentlicht am Samstag; Ratcliffes BBC-Interview fand ebenfalls am Samstag statt
  • Der Auslöser: Ratcliffes jüngste Aussagen zum Einwanderungsniveau und zum angeblichen Niedergang Großbritanniens
  • Die Forderung: „The Glazers and Sir Jim Ratcliffe must go“
  • Der Kontext: United lag nach vier Punkten aus den ersten vier Spielen auf Platz 13 der Premier League und schied am Mittwoch im Carabao Cup gegen Brighton aus

Was gesagt wurde

„Wir haben diese Kommentare damals verurteilt.“

— Manchester United Muslim Supporters Club, in einer Erklärung des Misstrauens gegen die Klubführung

„Er [Ratcliffe] hat sich anschließend für seine Wortwahl entschuldigt. Wir hatten gehofft, dass daraus eine Lehre gezogen wurde. Offensichtlich nicht.“

— MUMSC

„In dieser Woche hat Sir Jim erneut Einwanderung und Menschen, die Sozialleistungen beziehen, in den Mittelpunkt seiner Erklärung für die Probleme Großbritanniens gestellt und behauptet, niemand sei ‚hart genug‘, um beides anzugehen.“

— MUMSC

„Wir finden diese jüngsten Kommentare zutiefst enttäuschend und völlig inakzeptabel.“

— MUMSC

„Manchester United wäre nicht Manchester United ohne sie. Diese Vielfalt ist keine Schwäche von Manchester United. Sie ist Teil von Manchester United.“

— MUMSC, über die Spieler, Mitarbeiter, Ordner, Sicherheitskräfte und Anhänger des Klubs

„Nach Jahren des Niedergangs, gebrochener Versprechen und wiederholten Scheiterns hat der Manchester United Muslim Supporters’ Club das Vertrauen in die aktuelle Eigentümerstruktur von Manchester United Football Club verloren.“

— MUMSC

„Es reicht. Es ist Zeit für einen Wandel. Die Glazers und Sir Jim Ratcliffe müssen gehen.“

— MUMSC

Die Wortwahl ist für eine Fanorganisation ungewöhnlich direkt – und sie wiegt schwer, weil sie sich nicht auf ein einzelnes Thema beschränkt. MUMSC wertet Ratcliffes Äußerungen nicht als einmaligen Ausrutscher, sondern als Vertrauensbruch. Dabei verweist die Gruppe auf seine frühere Entschuldigung für die Aussage, Großbritannien sei „von Einwanderern kolonisiert“ worden, und kommt zu dem Schluss, dass daraus keine Lehre gezogen wurde.

Ebenso bedeutsam: Die Wut der Gruppe reicht inzwischen über den Vorstandsbereich hinaus bis auf den Rasen und in die Bilanz. Höhere Ticketpreise, ein vernachlässigtes Stadion und eine Mannschaft, die weiter zurückfällt, werden als Missstände benannt. Damit wird aus einem moralischen Einwand ein umfassendes Urteil über die Umstrukturierung nach 2024.

Die Zahlen

  • 27,7 % — Ratcliffes Anteil an Manchester United, erworben 2024
  • 450 — Stellenstreichungen unter Ratcliffe seit seiner Ankunft
  • 2 — Trainer, die während seiner Umstrukturierung entlassen wurden
  • 4 — Punkte aus den ersten vier Premier-League-Spielen von United in dieser Saison
  • 13. — Uniteds Tabellenplatz in der Premier League vor dem Wochenende
  • 3:2 — Brightons Ergebnis im Old Trafford am Mittwoch, das United aus dem Carabao Cup warf

Warum die Glazers neben Ratcliffe genannt werden

Der heikelste Punkt: MUMSC behandelt Ratcliffe nicht als Eindringling, den man entfernen müsste, damit die Glazers die Kontrolle zurückgewinnen. Die Gruppe fordert, dass beide gehen. In der Erklärung heißt es, die Mitglieder hätten gehofft, Ratcliffes Ankunft „würde endlich einen echten Wandel einleiten“, nachdem die Familie Glazer „Manchester Uniteds Niedergang verantwortet“ habe – eine Hoffnung, die die Gruppe heute offen als trügerisch bezeichnet.

Diese Deutung ist für die Eigentümer unangenehm. Zuvor hatte BBC Sport eine mit der Familie Glazer vertraute Quelle zitiert, wonach die Mehrheitsgesellschafter von Ratcliffes ersten Äußerungen „entsetzt“ gewesen seien und darin eine „Missachtung ihres Eigentums“ gesehen hätten. Diese Aussagen hatten einen öffentlichen Riss offengelegt. Die neue Erklärung schließt ihn – zumindest aus Sicht einer organisierten Fangruppe –, indem sie die gesamte Struktur für ungeeignet erklärt.

Für Spieler und Mitarbeiter bedeutet das praktisch vor allem eines: zusätzliche Unruhe in einer ohnehin schwierigen Saison. Uniteds Start – vier Punkte aus vier Ligaspielen – ist der Hintergrund, vor dem jeder Eigentümerstreit bewertet wird. Das Aus im Carabao Cup zu Hause gegen Brighton verstärkt den Eindruck der Orientierungslosigkeit. United war auch auf dem Platz nicht „hart genug“ – eine unangenehme Parallele, die der Klub tunlichst vermeiden dürfte.

Diskussionspunkte

  • Sollten Fanorganisationen moralische Einwände von sportlichen Ergebnissen trennen – oder ist das Urteil über die Eigentümer erst gültig, wenn die Tabellensituation schlecht genug ist?
  • Die Glazers waren laut Berichten von Ratcliffes Wortwahl „entsetzt“ – zwingt sie diese Erklärung zum Handeln oder zeigt sie nur, dass sie dazu nicht in der Lage sind?
  • Ist es nach 450 Stellenstreichungen und zwei Trainerwechseln fair, die Eigentümerstruktur statt des sportlichen Bereichs verantwortlich zu machen?
  • Setzt die Forderung, einen Eigentümer wegen persönlicher politischer Aussagen zum Rücktritt aufzufordern, einen Präzedenzfall, den Fans auf andere Klubbesitzer übertragen werden?

Wie es weitergeht

Uniteds nächste Premier-League-Partie ist der unmittelbare Test. Der Klub steht auf Platz 13 und braucht Punkte, um die wachsende Debatte abseits des Platzes zu beruhigen. Die Reaktion der Eigentümer – oder ihr Schweigen – auf ein formelles Misstrauensvotum einer organisierten Fangruppe wird den Ton für die kommenden Wochen setzen. Die Glazers stehen vor der Entscheidung, sich weiter von Ratcliffe zu distanzieren oder sich hinter ihn zu stellen.

Häufige Fragen

Wer fordert Sir Jim Ratcliffe zum Rückzug bei Manchester United auf?

Der Manchester United Muslim Supporters Club, der am Samstag ein Misstrauensvotum gegen die aktuelle Eigentümerstruktur des Klubs veröffentlichte. Auch die Familie Glazer wird zum Rückzug aufgefordert.

Was hat Ratcliffe über Einwanderung gesagt, das die Empörung auslöste?

In einem Interview mit der BBC am Samstag sprach er sich gegen das Einwanderungsniveau aus, sagte, das Land sei „auf dem absteigenden Ast“, und argumentierte, der Niedergang Großbritanniens resultiere aus einer Kombination hoher Steuern und hoher Einwanderung. Niemand sei „hart genug“, um Einwanderung oder Empfänger von Sozialleistungen anzugehen.

Hat sich Ratcliffe für die Kommentare entschuldigt?

Er hatte sich zuvor dafür entschuldigt, mit seiner Wortwahl „manche Menschen verletzt“ zu haben, nachdem er gesagt hatte, Großbritannien sei „von Einwanderern kolonisiert“ worden. MUMSC erklärte, man habe gehofft, dass eine Lehre gezogen worden sei, zog aber das Fazit: offensichtlich nicht.

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