Brentfords Pressing ist keine Philosophie, sondern eine Angstreaktion

Brentfords Pressing ist eine verführerische Illusion, ein Wirbelwind organisierter Unordnung, der ihren Ruf als taktische Innovatoren schmeichelt. Doch wenn man die Schichten abträgt, findet man eine tief verwurzelte Angst vor Ballbesitz, eine Weigerung, Kontrolle zu übernehmen, und einen taktischen Fatalismus, der sie für ein Jahrzehnt im Mittelfeld-Sumpf gefangen halten wird.

Der Kult des Pressings: eine kurze Geschichte

Seit Thomas Franks Aufstieg 2021 wird Brentford als progressivste Mannschaft der Premier League gefeiert, ein datengetriebenes Team, das seine reicheren Rivalen austrickst. Ihr Pressing ist unerbittlich, ihre Umschaltbewegungen blitzschnell und ihre Standardsituationen tödlich. Doch diese Bewunderung verbirgt eine grundlegende Wahrheit: Das Pressing ist ein reaktiver Mechanismus, kein proaktiver. Es ist eine Strategie, die aus Notwendigkeit geboren wurde, nicht aus Ehrgeiz.

Vergleichen Sie sie mit den letzten großen Überfliegern, Leicester City unter Claudio Ranieri. Die Foxes, mit einem Bruchteil von Brentfords Analytik, wagten es, Spiele zu kontrollieren, sogar gegen die Top Sechs. Sie setzten nicht auf Pressing, sondern auf Überlegenheit im Kopf. Brentford dagegen überlässt Gegnern Raum und Ball, und setzt auf Chaos, um Chancen zu kreieren. Das ist kein System, sondern ein Glücksspiel.

Das Argument: Brentfords Chaos ist eine Decke

Die Zahlen lügen nicht. Seit ihrem Aufstieg hat Brentford konstant zu den fünf schwächsten Teams bei Ballbesitz gehört, mit einem mageren Anteil von 42 %. Sie haben weniger Pässe pro Spiel versucht als jede andere Mannschaft, und ihre Passquote liegt bei etwa 75 %, die schlechteste der Liga. Doch sie haben die erwarteten Tore (xG) in jeder Saison übertroffen – eine statistische Anomalie, die Experten als klinisch bezeichnen und Statistiker als Glück. Dieser Ansatz hat eine Decke, und die Decke ist das Mittelfeld. Um sie zu durchbrechen, müssten sie Kontrolle übernehmen, aber sie haben eine Identität aufgebaut, die Kontrolle ablehnt.

  • Ivan Toneys Abgang legte den Fehler offen: Als Toney im Sommer 2024 zu Al-Ahli wechselte, verlor Brentfords Pressing seinen Fixpunkt. Ohne einen Stürmer, der Bälle halten und andere einbinden konnte, wurde das Pressing noch hektischer, weniger strukturiert und vorhersehbarer.
  • Bryan Mbeumos Isolation: In der Saison 2024/25 war Mbeumo oft der einzige Anspielpunkt, der den Ball in weiten Bereichen ohne Unterstützung bekam. Seine 12 Tore verschleierten ein Team, das Chancen nur durch individuelle Klasse kreierte, nicht durch System-Kohärenz.
  • Die Abhängigkeit von Standards: Atemberaubende 38 % aller Tore seit dem Aufstieg erzielte Brentford nach Standards. Das ist eine Abhängigkeit, keine Stärke. Wenn die Routinen nicht mehr greifen, wie in den ersten Monaten der Saison 2025/26, bricht das Team zusammen.

Das Gegenargument: Pragmatismus oder Pfadabhängigkeit?

Verteidiger von Frank werden argumentieren, dass "hässliches Gewinnen" eine Tugend ist, dass der Zweck die Mittel heiligt und dass das Pressing Ergebnisse liefert. Aber das ist eine falsche Dichotomie. Sie geht davon aus, dass die einzige Alternative naiver Ballbesitzfußball ist – ein Strohmann, der den Mittelweg übersieht: einen proaktiven, kontrollierten Ansatz, der trotzdem Risiken eingeht. Franks System ist pfadabhängig, ein Produkt ihrer Championship-Jahre, als sie Gegner mit Athletik überwältigen konnten. In der Premier League sind diese Margen geschrumpft, und die Strategie wurde zum Anker.

Zudem ist das Pressing selbst entschlüsselt. Gegnerische Trainer wie Pep Guardiola und Mikel Arteta haben gelernt, es mit schnellen Seitenwechseln und frühen Diagonalbällen zu umgehen. Die Folge: Brentfords Pressing erzwingt Ballgewinne im letzten Drittel, aber diese werden oft in ungefährlichen Zonen recycelt. Das Chaos ist eingedämmt, und die erwarteten Tore aus diesen Situationen sind Jahr für Jahr gesunken. Das ist keine taktische Evolution, sondern taktische Stagnation.

Prognose: Brentford wird 2026/27 auf Platz 12 oder schlechter landen

Hier ist meine Vorhersage, und sie ist überprüfbar: Brentford wird in der Premier-League-Saison 2026/27 auf Platz 12 oder schlechter landen. Ihr Pressing wird weiterhin Highlights produzieren, aber die zugrunde liegenden Zahlen werden sich verschlechtern, je mehr Daten der Gegner sammeln. Die Rekrutierung, stark abhängig von denselben Analysen, die einst Marktineffizienzen fanden, wird den neuen Toney nicht finden, weil solche Spieler in ihrer Preisklasse nicht mehr existieren. Die Ära der wackeren Überflieger ist vorbei, und Brentfords Weigerung, sich weiterzuentwickeln, wird sie in die untere Tabellenhälfte abrutschen lassen, wo sie sich beispielsweise Everton und Leeds im Friedhof der Premier-League-Ambitionen anschließen werden.

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