Brentfords Standards: Ein Kartenhaus auf Sand gebaut

Brentford wird als der große Überperformer der Premier League gefeiert, doch das taktische Modell ist grundlegend nicht nachhaltig. Die Abhängigkeit von Standards und direktem Spiel verdeckt ein Mittelfeld, das keine Spiele kontrollieren kann – und das wird in dieser Saison zum Verhängnis.

Ein Modell der Effizienz oder ein Kartenhaus?

Seit dem Aufstieg 2021 trotzen die Bees den Erwartungen mit einem pragmatischen Ansatz, der auf Standards, weiten Einwürfen und schnellen Umschaltmomenten basiert. In der Saison 2022/23 erzielten sie 15 Standardtore – ligaweit die meisten – und beendeten die Spielzeit auf Rang neun. Doch dieser Erfolg wurde durch das Mittelfeldduo Christian Nørgaard und Vitaly Janelt getragen, das Energie und Zweikampfhärte lieferte. Beide haben seitdem körperlich abgebaut, und die Ersatzspieler bringen nicht dieselbe Intensität mit.

Die Zahlen: In der vergangenen Saison ließ Brentford die drittmeisten Schüsse aus dem Spiel heraus in der Premier League zu (laut Opta), und die erwarteten Gegentore (xGA) aus dem Spiel heraus lagen bei 1,6 pro Partie – schlechter als beim abgestiegenen Southampton. Die defensive Stabilität bei Standards (die wenigsten Standard-Schüsse zugelassen) übertünchte die Risse. In dieser Saison beginnen die Gegner, die Lücke zwischen Abwehr und Mittelfeld auszunutzen, wie beim 3:1 gegen Everton, als Abdoulaye Doucouré mehrfach unbedrängt durch das Zentrum lief.

Das Mittelfeld-Vakuum: Eine taktische Obduktion

Thomas Franks 4-3-3 setzt auf das Mittelfeld-Trio, um die Viererkette zu schützen und schnelle Konter einzuleiten, doch das Personal passt nicht mehr zum System. Nørgaard, einst ein Zerstörer, tut sich schwer, Räume zu schließen; seine Zweikampf-Erfolgsquote fiel von 68 % in 2022/23 auf 52 % in dieser Saison. Janelt verzeichnet ebenfalls einen Rückgang seiner Balleroberungen pro 90 Minuten von 2,1 auf 1,3. Die Zugänge von Mikkel Damsgaard und Mathias Jensen brachten Kreativität, aber keinen Stahl. In der Folge wird Brentford in Umschaltmomenten erwischt, die Innenverteidiger müssen herausrücken und hinterlassen Lücken.

  • Standard-Abhängigkeit: Seit 2021 erzielte Brentford 42 % seiner Tore nach Standards – der höchste Anteil der Liga. Wenn diese versiegen, gibt es keinen Plan B.
  • Harmlosigkeit aus dem Spiel: Nur 0,9 Tore pro Spiel aus dem Spiel heraus – der viertniedrigste Wert der Liga – und die Chancenverwertung aus dem Spiel heraus liegt bei dürftigen 8,7 %.
  • Defensive Anfälligkeit: In den letzten 10 Spielen kassierten sie 14 Gegentore aus dem Spiel heraus – ligaweit die meisten –, weil die Mittelfeldspieler die Läufer nicht verfolgen.

Das System ist nicht kaputt, es ist veraltet. Die Premier League hat sich weiterentwickelt; Teams pressen höher und nutzen zentrale Räume aus. Brentfords Mittelfeld kann mit der Intensität nicht mithalten, und Franks Weigerung, sich anzupassen – er setzte in 85 % der Spiele auf dasselbe 4-3-3 –, macht sie berechenbar. Ein Kontrast zu Brighton, die unter Roberto De Zerbi von einem ähnlichen Modell auf Ballbesitz umstellten, oder zu Aston Villa, die ein Mittelfeld aufbauten, das Spiele kontrolliert. Brentford steht still.

Aber sie haben doch schon überperformt – warum nicht wieder?

Das Gegenargument lautet, dass Brentford stets den Erwartungen getrotzt hat und ihr datengetriebenes Scouting Lösungen finden wird. Man verweist auf die Verpflichtung von Igor Thiago, einem Stürmer mit Gespür fürs Pressing, und die Rückkehr von Rico Henry, dessen Tempo das Umschaltspiel belebt. Allerdings ist Thiago kein Mittelfeldspieler, und Henrys Verletzungshistorie ist bedenklich. Wichtiger noch: Die zugrundeliegenden Zahlen verschlechtern sich seit zwei Spielzeiten: Die Punktausbeute sank von 59 in 2022/23 auf 46 in 2023/24, und die erwarteten Punkte (xP) in dieser Saison liegen bei 1,1 pro Spiel – Abstiegsform. Der Standardtrainer Bernardo Cueva wechselte 2024 zu Chelsea, und sein Nachfolger konnte die gleiche Ausbeute nicht reproduzieren. Das Modell versagt.

Franks Loyalität zu seinem System ist bewundernswert, aber sie ist auch seine Schwäche. Die Premier League ist gnadenlos, und Teams, die sich nicht weiterentwickeln, werden bestraft. Leeds United 2022, Sheffield United 2021 – beide hatten eigenständige Stile, die funktionierten, bis sie es nicht mehr taten. Brentford ist auf demselben Weg.

Prognose: Abstieg bis Mai

Brentford wird in der Saison 2026/27 absteigen. Ihr Mittelfeld wird konsequent überrannt, und ihre Standardtore werden versiegen, sobald sich die Gegner anpassen. Bis Weihnachten werden sie in den Abstiegsrängen stehen, und Frank wird bis Februar entlassen sein. Die Daten sind eindeutig: Sie sind ein Championship-Team in einer Premier-League-Maske. Diese Prognose ist falsifizierbar: Sollte Brentford überleben, werde ich öffentlich widerrufen und analysieren, wo ich falsch lag. Aber die Zahlen lügen nicht – und das Taktik-Video auch nicht.

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