Iraola: Liverpools Pressing-Spiel nach Fulham-Remis durch Spielplan-Flut bedroht

Liverpool-Trainer Andoni Iraola hat zugegeben, dass seine Mannschaft nach dem enttäuschenden 0:0 gegen den FC Fulham an der Anfield Road Mühe hat, ihr intensives Pressing-Spiel im dichten Terminkalender durchzuhalten. Nach der Länderspielpause stehen für die Reds drei Spiele in 72 Stunden an.

  • Spiel: Liverpool vs. Fulham endet torlos an der Anfield Road
  • Als Nächstes: Manchester City (H) nach der Länderspielpause, dann LASK Linz (A) in der Champions League, dann Brentford (A) innerhalb von 72 Stunden
  • Schlüsselstatistik: Liverpools PPDA liegt in dieser Saison bei nur 8,6 – niedriger als in jeder vollen Saison unter Jürgen Klopp
  • Verletzungssorgen: Hugo Ekitike nicht verfügbar, Alexander Isak bleibt als einzige Sturm-Option
  • Rotationsplan: Iraola rotiert auf den Flügeln sowie Ryan Gravenberch und Alexis Mac Allister

Was gesagt wurde

„Es gibt Spieler, die alle drei Tage spielen und keine Probleme haben, sie akzeptieren es, und die Leistungen ändern sich nicht groß. Dann gibt es andere Spieler, bei denen das Risiko größer ist und die Leistungen anders aussehen.“

— Andoni Iraola über das Management der Belastung

„Ich muss lernen, wer bereit ist, alle zwei oder drei Tage zu spielen, und wer bereit ist, sich zu erholen, damit sein Leistungsniveau nicht sinkt. Bei einigen hatte ich eine Idee, bei anderen ist es neu, weil sie nicht so viele Spiele gemacht haben – wir lernen.“

— Iraola über die Anpassung an die Anforderungen bei Liverpool

„Ein Mangel an Frische, definitiv. Das können wir nicht verbergen.“

— Iraola nach dem Remis gegen Fulham

„Das wird öfter passieren, vielleicht mit einem Tag mehr, vielleicht. Aber manchmal wird es in der Saison genauso ablaufen.“

— Iraola über den vollen Spielplan

„Besonders in der ersten Halbzeit kamen wir zu spät in die Pressingsituationen.“

— Iraola bei der Analyse der Fulham-Leistung

„Man kann dieselben Spieler in jedem Spiel bringen. Das Problem ist, dass es einen Moment geben wird, in dem sie sehr müde sind und das Verletzungsrisiko steigt.“

— Iraola über das Risiko, Schlüsselspieler zu überlasten

„Ich verlange von ihnen Dinge, die etwas anders sind, besonders ohne Ball, und ich denke, sie versuchen, es umzusetzen.“

— Iraola in der Vorbereitung

„Wir arbeiten alle hart daran, dass es funktioniert.“

Iraolas Offenheit ist erfrischend, aber auch besorgniserregend. Er weiß, dass sein Kader den unerbittlichen Anforderungen seines Pressing-Systems noch nicht gewachsen ist – und der Spielplan bietet keine Verschnaufpause. Der ehemalige Bournemouth-Trainer lernt im laufenden Betrieb bei einem Klub, bei dem die Erwartungen himmelhoch sind.

Seine Aussagen offenbaren einen Trainer, der um die Balance zwischen der Installation seiner Philosophie und dem Umgang mit Müdigkeit ringt. Das Eingeständnis, dass einige Spieler neu mit solchen Anforderungen sind, ist ein klares Signal, dass Liverpools Kaderbreite bis an die Grenzen getestet wird.

Die Zahlen

  • PPDA (Passes Allowed Per Defensive Action): Liverpools aktueller Wert liegt bei 8,6 – niedriger als in jeder vollen Saison unter Jürgen Klopp.
  • Sprints: Liverpool hat in dieser Saison die meisten Sprints in der Premier League absolviert.
  • Laufleistung: Die Reds liegen bei der insgesamt zurückgelegten Distanz zwölf Plätze höher als in der vergangenen Saison.
  • Wirtz' Hochgeschwindigkeits-Distanz: Florian Wirtz rangiert ligaweit auf Platz zwei bei der Distanz in hohen Geschwindigkeiten.

Diese Zahlen unterstreichen Iraolas Bekenntnis zu einem aggressiven, nach vorn gerichteten Stil. Sie zeigen aber auch den physischen Preis. Der PPDA-Wert von 8,6 ist außergewöhnlich niedrig und belegt, dass Liverpool intensiver presst als je zuvor. Gegen Fulham stieg dieser Wert jedoch an – ein Hinweis auf nachlassende Intensität.

Analyse: Warum Liverpools Pressing ohne Rotation nicht nachhaltig ist

Iraolas System lebt von kollektiver Energie und koordinierten Pressing-Auslösern. Gegen Fulham wirkte das Pressing unkoordiniert, Josh King und andere fanden Räume dahinter. Das Problem der ersten Halbzeit, „zu spät in die Pressingsituationen“ zu kommen, war offensichtlich, und obwohl taktische Anpassungen zur Pause halfen, war der Schaden angerichtet. Fulhams Torwart Bernd Leno fand immer wieder einfache Anspielstationen und umspielte Liverpools Angriffslinie.

Das Problem ist zweigeteilt: körperliche Müdigkeit und mentale Frische. Dominik Szoboszlai und Florian Wirtz mussten nach dem Champions-League-Sieg über Atlético Madrid unter der Woche erneut ran, und keiner erreichte dasselbe Niveau. Wirtz leistete sich insbesondere im Ballbesitz Nachlässigkeiten – ein Warnsignal bei einem Spieler mit so großem Renommee. Sein Arbeitseinsatz steht außer Frage (Platz zwei ligaweit bei der Hochgeschwindigkeitsdistanz), doch seine Effektivität lässt nach, wenn er müde ist.

Iraola hat versucht, frischen Wind zu bringen, indem er die Flügelspieler sowie Ryan Gravenberch und Alexis Mac Allister rotierte. Doch das Kernproblem bleibt: Liverpool fehlen gleichwertige Alternativen auf Schlüsselpositionen. Mit Hugo Ekitike nicht verfügbar ist Alexander Isak unersetzlich – und der schwedische Stürmer ist kein natürlicher Pressing-Stürmer. Auch im Mittelfeld fehlt die Tiefe, was die Frage aufwirft, ob Trey Nyoni oder Wataru Endo mehr Vertrauen verdienen.

Der kommende Spielplan ist brutal: Nach der Länderspielpause empfängt Liverpool Manchester City, dann reist man in der Champions League nach Österreich zum LASK Linz, ehe das Auswärtsspiel bei Brentford folgt – alles innerhalb von 72 Stunden. Später folgt ein Heimspiel gegen Arsenal, dann unter der Woche die Reise zu Fenerbahce und danach das Auswärtsspiel bei Crystal Palace. Im November liegt ein Besuch beim FC Brügge zwischen den Duellen mit Manchester United und Everton. Diese Spiele werden Liverpools Saison prägen, und Iraola muss einen Weg finden, seine Spieler frisch zu halten.

Diskussionspunkte

  • Sollte Iraola seine Pressing-Philosophie in bestimmten Spielen aufgeben, um Überlastung zu vermeiden – oder ist ein Kompromiss seiner Prinzipien das größere Risiko?
  • Ist Alexander Isak der richtige Stürmer für dieses System? Er presst nicht wie ein natürlicher Stürmer, und mit Ekitike fehlen Liverpool die Alternativen.
  • Bekommt Florian Wirtz zu viel Freiraum? Sein Talent ist unbestreitbar, doch seine Nachlässigkeiten unter Müdigkeit kosten Liverpool.
  • Sind junge Spieler wie Trey Nyoni bereit für den nächsten Schritt? Iraolas Zurückhaltung könnte sich rächen, wenn Schlüsselspieler ausfallen.

Wie es weitergeht

Liverpool kehrt nach der Länderspielpause mit einem Heimspiel gegen Manchester City in die Premier League zurück. Danach folgt die Champions-League-Reise zum LASK Linz und anschließend das Premier-League-Auswärtsspiel bei Brentford. Iraola muss entscheiden, ob er stark rotiert oder auf seine bewährten Stammspieler setzt. Die Ergebnisse dieser drei Spiele könnten Liverpools Titelkampf und Iraolas frühe Amtszeit prägen.

Häufig gestellte Fragen

Warum tat sich Liverpool gegen Fulham so schwer?

Andoni Iraola räumte ein, dass seiner Mannschaft nach dem Champions-League-Spiel unter der Woche gegen Atlético Madrid die Frische fehlte. Liverpool kam besonders in der ersten Halbzeit zu spät in die Pressingsituationen, und Fulham nutzte die Lücken.

Wie hoch ist Liverpools PPDA in dieser Saison?

Liverpools PPDA (Passes Allowed Per Defensive Action) liegt bei 8,6 – niedriger als in jeder vollen Saison unter Jürgen Klopp. Das zeigt, dass sie intensiver pressen als zuvor.

Wird Alexander Isak gegen Manchester City starten?

Da Hugo Ekitike nicht verfügbar ist, ist Alexander Isak Liverpools einzige etatmäßige Sturm-Option. Er wird voraussichtlich starten, es sei denn, Iraola entscheidet sich für eine Notlösung im Angriff – doch seine Eignung für das Pressing-System bleibt fraglich.

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