Chelseas Hotel-Imperium rettet sie nicht vor PSR
Die Profit-and-Sustainability-Regeln (PSR) der Premier League sind kein Financial-Fairplay-System. Sie sind ein Wettbewerb um die beste Lücke im Regelwerk – und Chelsea hat gerade die Meisterschaft gewonnen. Zwei Hotels für 76,5 Millionen Pfund an eine Schwesterfirma zu verkaufen, ist keine geschäftliche Transaktion. Es ist ein Zaubertrick.
Der Präzedenzfall: Von Derby zu Boehly
Im Jahr 2018 verkaufte Derby County Pride Park für 81,1 Millionen Pfund an Besitzer Mel Morris und verwandelte einen Verlust von 14,6 Millionen Pfund in einen Gewinn von 14,6 Millionen Pfund. Die EFL erhob daraufhin Anklage gegen den Verein, doch der Schaden war angerichtet. Derby stieg ab und wurde fast liquidiert. Die Regeln wurden verschärft, doch Chelsea hat dasselbe Prinzip in größerem Maßstab ausgenutzt.
Manchester City hingegen sieht sich 115 Anklagen wegen angeblicher Verstöße über neun Jahre gegenüber. Ihre Verteidigung stützt sich teilweise auf das Argument, dass die Regeln der Premier League rechtswidrig seien. Sollte City mit diesem Argument durchkommen, bröckelt das gesamte PSR-Gebäude. Chelseas Hotelverkauf ist ein Präventivschlag: Wenn die Regeln nicht durchsetzbar sind, warum nicht von ihnen profitieren?
Das Argument: PSR ist eine Lizenz zum Bilanzfälschen
Unter PSR dürfen Vereine über drei Jahre hinweg 105 Millionen Pfund Verlust machen. Chelsea hat allein in den letzten zwei Jahren 210,9 Millionen Pfund verloren. Um einen Verstoß zu vermeiden, haben sie Hotels, das Frauenteam und Parkplätze an sich selbst verkauft. Die Premier League genehmigte den Hotelverkauf, weil die Regeln den Verkauf von 'Anlagevermögen' an nahestehende Parteien erlauben. Es ist legal, aber es ist kein Sport.
- Chelseas Bilanz 2022/23 wies einen Verlust von 121,4 Millionen Pfund aus, ausgeglichen durch den Hotelverkauf von 76,5 Millionen Pfund.
- Everton wurden für einen Verstoß von 19,5 Millionen Pfund 10 Punkte abgezogen, später auf sechs reduziert.
- Nottingham Forest erhielt einen Abzug von vier Punkten für einen Verstoß von 34,5 Millionen Pfund.
Die Ungereimtheit ist frappierend. Everton und Forest wurden für moderate Überschreitungen bestraft. Chelsea, mit Verlusten von mehr als dem Doppelten des Schwellenwerts, bleibt unangetastet, weil sie Vermögenswerte an sich selbst verkauft haben. Das ist keine Gerechtigkeit; das ist Buchhaltung.
Das Gegenargument: Vereine müssen Einnahmen maximieren
Die Verteidigung lautet, dass Chelsea einfach Einnahmen maximiert. Die Hotels sind reale Vermögenswerte mit realem Wert. Wenn ein Verein sie an einen zahlungswilligen Käufer verkaufen kann, warum nicht? Die Regeln der Premier League erlauben es, weil sie Nachhaltigkeit fördern sollen, nicht Ehrgeiz bestrafen.
Aber der Käufer ist nicht zahlungswillig; er ist eine Tochtergesellschaft derselben Eigentümergruppe. Die Transaktion ist zirkulär. Wenn Chelsea Hotels an sich selbst verkaufen kann, warum nicht auch Stamford Bridge? Warum nicht das Trainingsgelände? Der logische Endpunkt ist ein Verein, der nur auf dem Papier existiert, mit Vermögenswerten, die zwischen Briefkastenfirmen hin- und hergeschoben werden. Das ist kein Fußball; das ist ein Schneeballsystem.
Urteil: Chelsea wird bis 2027 einen Punktabzug erhalten
Die Premier League kann das nicht ewig ignorieren. Die unabhängige Kommission, die Everton und Forest bearbeitet hat, wird sich irgendwann Chelsea zuwenden. Dann wird der Hotelverkauf genau geprüft. Wenn er als fairer Marktwert eingestuft wird, kommt Chelsea davon. Doch die Beweislast verschiebt sich. Die Liga hat die Regeln für Transaktionen mit nahestehenden Parteien bereits verschärft, gültig ab 2024/25. Chelseas Verkauf wurde vor dieser Änderung abgeschlossen, aber das Prinzip bleibt.
Meine Prognose: Chelsea wird bis zum Ende der Saison 2026/27 wegen eines PSR-Verstoßes angeklagt und erhält einen Punktabzug von mindestens acht Punkten. Sollten sie sich in dieser Saison nicht für die Champions League qualifizieren, wird der finanzielle Druck zunehmen. Die Hotels werden sie nicht retten. Nichts wird es.
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