Das unsichtbare Leck: Warum Forests Mittelfeld ein taktisches schwarzes Loch ist
Nottingham Forests Klassenerhalt in der Premier League kaschiert ein chronisches Defizit, das Nuno Espírito Santos gesamtes taktisches Gerüst untergräbt. Ihr Mittelfeld ist ein Vakuum, in dem Kohärenz stirbt – eine formlose, reaktive Zone, die vielversprechende Umschaltmomente in Ballbesitz ohne Durchschlagskraft verwandelt.
Elliot Andersons Geist und das Scheitern der Nachfolge
Letzte Saison bot Elliot Anderson Forests Mittelfeld etwas, das seit den Championship-Jahren fehlt: kontrollierte Aggression und progressives Dribbling. Seine acht erfolgreichen Dribblings pro 90 Minuten aus dem Mittelfeld schufen Räume für andere. Nun ist er weg – und sein Fehlen offenbart eine tiefere strukturelle Schwäche. Forests zentrales Mittelfeldtrio – meist Ibrahim Sangaré, Ryan Yates und Danilo – kommt auf durchschnittlich nur 3,2 progressive Dribblings pro 90 Minuten, der niedrigste Wert aller Premier-League-Teams außerhalb der unteren drei.
Man betrachte die Daten: Forest liegt auf Platz 17 bei Pässen ins letzte Drittel (38 pro Spiel) und auf Platz 19 bei Steckpässen. Ihre Mittelfeldspieler durchbrechen selten die Linien. Stattdessen spielen sie quer, laden Gegner ein und zwingen die Abwehr zu spekulativen langen Bällen. Nunos System verlangt Gedankenschnelligkeit und Vertikalität; sein Mittelfeld bietet beides nicht.
Die Tonali-Nicht-Antwort und die 30-Millionen-Fehlleitung
Sommergerüchte bringen Forest mit Lucas Bergvall in Verbindung – einem technisch versierten, aber physisch leichten Sechser. Doch das Problem ist nicht nur ein Profil. Forest fehlt ein Spielmacher, der das Tempo vorgibt, und ein Box-to-Box-Träger, der Umschaltmomente antreibt. Yates bietet Fleiß ohne Durchschlagskraft; Danilo taucht auf und ab; Sangaré fehlt trotz Athletik die Passreichweite, um Abwehrblöcke zu verschieben.
- Beim 1:0 in Everton: Forests Mittelfeld brachte im Spielverlauf keinen Pass in den Strafraum. Yates und Sangaré kombinierten in 90 Minuten zu zwei progressiven Pässen.
- Gegen Bournemouth kreierte Forests Mittelfeld genau eine Chance. Danilos Expected Assists (xA) für die Saison liegen bei 0,9 – weniger als die meisten Premier-League-Innenverteidiger.
- Die 3:2-Niederlage gegen Aufsteiger Luton zeigte das Muster: Lutons Mittelfeld hatte im letzten Drittel doppelt so viele Pässe wie Forests, das die Zweikämpfe verlor, die seine Identität ausmachen.
Dies ist kein Personalproblem – es ist ein systemisches Versagen. Forests Transferpolitik priorisierte Balleroberung vor Spielaufbau, aber moderne Mittelfeldspieler müssen beides können. Der Klub gab 70 Millionen für Sangaré, Danilo und Nico Domínguez aus – jeder ein Störer, keiner ein Gestalter. Das Ergebnis ist ein Mittelfeld, das den Ball erobert, nur um ihn wieder herzugeben.
Der Nuno-Widerspruch und die falsche Hoffnung auf Konter
Gegenargumente loben Forests defensive Stabilität. Nunos Team kassiert nur 1,3 Tore pro Spiel – ein respektabler Wert für ein Mittelfeld-Team. Aber das liegt an einer tiefen Staffelung, die Raum preisgibt, nicht an Mittelfeldkontrolle. Forests Mittelfeld erobert den Ball nur 6,8 Mal pro Spiel im defensiven Drittel, Platz 15. Es ist reaktiv, nicht proaktiv.
Manche behaupten, Taiwo Awonyis Rückkehr werde alles lösen, sein Ballhalten gebe dem Mittelfeld Zeit, nachzurücken. Doch selbst mit Awoniyi gelang Forests Mittelfeld keine Chancenkreation – wie das 0:0 gegen Crystal Palace bewies, wo Yates und Danilo auf einen Torschuss und null Torschussvorlagen kamen.
Die tiefere Wahrheit: Nunos eigener Stil verschärft das Problem. Er verlangt direktes, vertikales Spiel, das das Mittelfeld umgeht – doch jeder erfolgreiche Konter braucht irgendwann Mittelfeldunterstützung, um gegen eine stehende Abwehr den Ball zu halten. Forests Mittelfeld kann das nicht. Es fehlt die Ruhe, um Angriffe neu aufzubauen, lässt Flügel isoliert und Stürmer ohne Zulieferung.
Fazit: Bergvall wird es nicht richten – Forest braucht eine Profil-Revolution
Das Transferfenster im Sommer muss zwei spezifische Archetypen bringen: einen Spielmacher mit mindestens 80% Passquote im letzten Drittel und einen balltragenden Achterspieler mit mehr als drei progressiven Dribblings pro 90 Minuten. Wenn Forest nur Bergvall holt – einen 19-Jährigen mit zwölf Profi-Einsätzen – bleiben sie im taktischen Fegefeuer. Weihnachten 2025, wenn Forests Mittelfeld noch in den unteren drei Rängen bei progressiven Pässen und Chancenkreation liegt, kämpfen sie gegen den Abstieg – unabhängig von der Defensivbilanz. Das ist eine Prognose, die durch Ergebnisse bestätigt oder widerlegt wird.
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