West Hams Mittelfeld: Eine Falle im Gewand des Pragmatismus

David Moyes hat sich einen Ruf für defensive Stabilität erarbeitet, doch sein Mittelfeld lässt in alarmierendem Tempo Gegentore und Ballbesitz zu. Die Zahlen lügen nicht: West Ham belegt Platz 15 in der Liga bei Pässen im Mittelfelddrittel und Platz 17 bei erfolgreichen Tacklings. Das ist kein Ausrutscher, sondern ein strukturelles Defizit.

Wie das Mittelfeld zur Geisterzone wurde

Die Ursache ist taktischer Natur: Ein Doppelsechser aus Declan Rice und Tomas Soucek ist berechenbar geworden. Souceks offensive Läufe hinterlassen Räume, während Rices Absicherung seine Vertikalpässe einschränkt. In der Saison 2022/23 kassierte West Ham zehn Gegentore direkt aus Umschaltmomenten durchs Mittelfeld – drittschlechtester Wert der Liga. Das System verlangt zwei Spielern zu viel ab, ohne Unterstützung von den Flügelstürmern.

Im Vergleich dazu: Brentfords Mittelfeld unter Thomas Frank erzielt pro Spiel 4,2 Interceptions mehr als West Ham. Brentford nutzt ein rotierendes Dreieck – ein Konzept, das Moyes ablehnt. Stattdessen besetzen West Hams Mittelfeldspieler oft dieselben vertikalen Räume, was sie leicht ausspielbar macht.

Die falsche Transferstrategie

West Hams Transferziele offenbaren ein Missverhältnis. Der Club jagt Crysencio Summerville, einen direkten Flügelspieler, ignoriert jedoch die tiefer liegenden Probleme. Summerville ist stark – vier Torbeteiligungen bei der WM –, aber ihm fehlen die Zuspiele, wenn das Mittelfeld den Ball nicht nach vorne bringt. Das ist falsch:

  • Die Außenverteidiger sind isoliert: Vladimir Coufal und Aaron Cresswell kommen zusammen auf nur 0,8 Torschussvorlagen pro Spiel, da ihnen Läufer im Mittelfeld fehlen.
  • Souceks Defensivbeitrag ist eingebrochen: Seine Tacklings pro 90 Minuten fielen von 2,1 (2021) auf 1,3 in dieser Saison – ein Zeichen, dass er zu hoch steht.
  • Rice ist überlastet: Er legt mehr Kilometer zurück als jeder andere Premier-League-Mittelfeldspieler (12,4 km pro Spiel), aber seine Kreativität lässt in den letzten 20 Minuten nach.

Die Lösung ist kein neuer Flügelspieler, sondern eine Umstrukturierung des Mittelfelds. Moyes sollte ein 4-3-3 mit einem defensiven Mittelfeldspieler in Betracht ziehen (oder Conor Coventry aus der Akademie befördern), um Rice zu entlasten und Soucek in eine Box-to-Box-Rolle mit Absicherung zu bringen.

Aber was, wenn Moyes recht hat?

Manche argumentieren, West Hams Stil sei gewollt: tief stehen, Druck absorbieren, kontern. Das funktionierte 2021/22, als man Siebter wurde. Doch die Liga hat sich weiterentwickelt. Teams pressen heute höher und nutzen die Räume, die Soucek hinterlässt. In der Saison 2023/24 steht West Hams Abwehrlinie im Schnitt vier Meter tiefer als noch vor zwei Jahren, während die gegnerischen Pässe in den Strafraum um 18 % zugenommen haben. Die Taktik scheitert.

Zudem ist die Kontergefahr stumpf: West Hams schnelle Gegentore fielen von acht (2021/22) auf drei in der letzten Saison. Ohne effizientes Mittelfeld ist der Umschaltmoment zu langsam.

Prognose: West Ham wird Zwölfter, wenn sie ihre Mittelfeldformation nicht bis Januar ändern

Bleibt Moyes beim aktuellen Doppelsechser, droht eine Saison im Mittelfeld – Platz 12 oder tiefer. Der Europa-Conference-League-Triumph überdeckte letzte Saison strukturelle Schwächen. Dieses Mal wird die Ligaleistung sie offenlegen. Ein Wechsel zu einer Mittelfeld-Dreierkette bis zum Wintertransferfenster könnte Platz 9 ermöglichen. Sonst steht der Vorstand im Frühjahr vor einer schwierigen Entscheidung über Moyes' Zukunft.

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