Das Mittelfeld von Palace ist keine Einheit, sondern eine Sammlung von Solisten
Wer Crystal Palace zehn Minuten lang beobachtet, sieht ein Mittelfeld, das kein Spiel formt, sondern nur reagiert. Es gibt keine klare Abstimmung, keinen Auslöser, keine Absicherung für eine Abwehr, die viel zu oft leckt. Unter Oliver Glasner – wenn er übernimmt – muss dies die erste Wunde sein, die behandelt wird.
Die Geometrie des Chaos: Ein historischer Vergleich
Vergleichen Sie Palaces Formation mit den starken Mittelfeldern der Mittelfeldteams: Sean Dyches Everton zum Beispiel oder Thomas Franks Brentford. Diese Teams bieten ein klares Raster – ein Absicherer, ein Läufer, ein Gestalter. Palace bietet Jefferson Lerma, der in den Raum rennt, den Will Hughes verlassen hat, während Eberechi Eze tief geht, um den Ball zu holen, weil sonst keiner kann.
Diese Geometrie scheitert doppelt. Erstens bleibt die Viererkette exponiert – kein Sechser, kein kompakter Block. Zweitens zwingt es die Stürmer, ins Mittelfeld zurückzukehren, um überhaupt den Ball zu sehen, was bedeutet, dass niemand auf den finalen Pass wartet. Die Zahlen bestätigen dies: Palaces erwartete Tore aus zentralen Bereichen sind ligaweit auf Platz sechzehn, während die Pässe pro Defensivaktion im Mittelfeld auf Platz zwanzig liegen.
Das Argument: Glasner muss alles aufreißen und neu starten
Palaces Mittelfeld ist eine Ansammlung von Spielern, die unterschiedliche Dinge wollen:
- Jefferson Lerma – ein Zerstörer, der dem Ball hinterherjagt, aber die Positionsdisziplin verliert.
- Will Hughes – ein sauberer Passgeber, dem die Reichweite fehlt, um eine Abwehr zu öffnen.
- Eberechi Eze – ein Kreativer, der den Ball braucht, aber nicht in der eigenen Hälfte.
- Adam Wharton – ein Rohdiamant ohne die Physis, um zu verankern.
Glasners System bei Eintracht Frankfurt basierte auf einem Doppel-Sechser, der sowohl Sicherheit als auch Überladungen bot. Er wird diese Balance mit Spielern finden müssen, die keine natürliche Paarung haben. Der logische Schritt wäre, Wharton als tiefen Spielmacher mit Lerma als diszipliniertem Sechser zu spielen und Eze in die Zehnerrolle zu schieben, die er immer wollte. Doch Whartons defensives Bewusstsein entwickelt sich noch, und Lermas natürlicher Instinkt ist es, nach vorne zu stürmen.
Gegenargument: "Die Stürmer sind das eigentliche Problem"
Manche werden sagen, Palaces wahres Problem sei die Offensive: Matheus França ist roh, Jean-Philippe Mateta schwankt, Odsonne Édouard wird nie sesshaft. Aber ein Mittelfeld, das den Ball nicht präzise zuspielen oder Umschaltbewegungen verhindern kann, wird jeden Stürmer aushungern. Selbst Erling Haaland hätte Probleme, wenn er bis zur Mittellinie zurückgehen müsste, um den Ball zu bekommen.
Schauen Sie auf die Daten: Palaces Passquote im letzten Drittel beträgt 74 %, der viertschlechteste Wert der Liga. Das ist kein Problem der Stürmer – das ist ein Mittelfeld, das unter Druck keinen Pass anbringen kann. Die Verteidiger sind gezwungen, lange Bälle zu schlagen, die das Mittelfeld umgehen, und so eine Verbindungslosigkeit schaffen, die das Team wie zwei getrennte Einheiten aussehen lässt. Das Gegenargument ignoriert die Kausalkette: Repariere den Motor, und die Stürmer bekommen Zuspiele.
Fazit: Ohne Reparatur des Fundaments ist der Klassenerhalt eine Illusion
Sollte Glasner dieses Mittelfeld so übernehmen, wird Palace Neunzehnter. Der richtige Schritt ist, Hughes im Januar durch einen körperlicheren Spieler zu ersetzen – vielleicht eine Leihe eines Serie-A-Veteranen wie Morten Frendrup – und Lerma einzuprügeln, in seiner Zone zu bleiben. Meine Prognose: Innerhalb von zehn Spielen unter Glasner wird Palace entweder einen anerkannten Doppel-Sechser haben oder nur drei Punkte über den Abstiegsrängen liegen. Dieser schmale Vorsprung wird den Unterschied zwischen Wiederaufbau und Absturz ausmachen.
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