Willkommen im Bilanztheater der Premier League: Wer einen 100-Millionen-Spieler verkauft, ist am Ende ärmer als zuvor.

Newcastle United hat sich gerade mit Tottenham Hotspur auf den Transfer von Sandro Tonali für die britische Rekordsumme von 100 Millionen Pfund geeinigt. Die Belohnung für die Magpies? Sie können diesen Geldregen nicht ausgeben, ohne Sanktionen nach den Profit & Sustainability Rules (PSR) zu riskieren. Das ist kein Bug, sondern das Feature einer Regulierung, die den Status quo zementiert.

Das PSR-Paradox: Warum Verkäufe zur finanziellen Falle werden

Nach PSR sind die zulässigen Verluste eines Klubs über drei Jahre auf 105 Mio. Pfund gedeckelt. Ein Spielerverkauf bringt sofortigen Buchgewinn – die Ablöse abzüglich des Restbuchwerts. Bei Tonali, der 2023 für 55 Mio. Pfund mit Fünfjahresvertrag kam, liegt der Buchwert nach zwei Jahren bei 33 Mio. Pfund. Der Verkauf verbucht also 67 Mio. Pfund Gewinn.

Das klingt nach Freiheit. Doch der Gewinn wird über den PSR-Dreijahreszyklus verteilt. Newcastles Verluste aus vorherigen Fenstern – 150 Mio. in den ersten beiden Jahren – bedeuten, dass ihnen selbst mit Tonalis 67-Millionen-Plus nur 45 Mio. Pfund Spielraum bleiben. Das reicht nicht für einen Ersatz gleichwertiger Klasse, ohne erneut verkaufen zu müssen. Das System zwingt Klubs zur Selbstschwächung.

Dieselbe Logik, die Chelsea rettete und Everton bestrafte

Im Januar 2023 verkaufte Chelsea die Eigengewächse Mason Mount und Ruben Loftus-Cheek für insgesamt 100 Mio. Pfund. Dieser Reingewinn – Buchwert null bei Eigengewächsen – verschaffte ihnen Spielraum für 400 Mio. Ausgaben in den folgenden Fenstern. Everton hingegen versuchte, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu bewegen, wurde aber von PSR eingeholt, weil die Verluste aus operativen Kosten stammten, nicht aus Spielerabschreibungen.

  • Chelsea erlöste 2023/24 aus Akademieverkäufen 167 Mio. Reingewinn und schuf Platz für 300 Mio. an Neuzugängen.
  • Everton überschritt die Grenze um 19,5 Mio., größtenteils durch Gehälter und Infrastruktur, und kassierte 10 Punkte Abzug.
  • Newcastle wird wohl nächsten Sommer Bruno Guimarães oder Alexander Isak verkaufen müssen, nur um einen Linksverteidiger zu holen.

Die Regel belohnt den Durchlauf von Akademiespielern und bestraft Klubs, die in Kader und Stadion investieren. Sie ist eine Steuer auf organisches Wachstum.

Aber schützt PSR nicht vor Pleiten?

Das ist das Standardargument: Ohne PSR würden Klubs maßlos überschulden. Doch die Daten der Premier League zeigen, dass von 2018 bis 2023 18 von 20 Klubs die Regeln ohne Not einhielten. Die beiden Verstöße – Everton und Nottingham Forest – lagen bei lediglich 4,5 bzw. 14 Mio. Pfund, Summen, die keine Insolvenz auslösen. Leicester City wiederum ging in die Insolvenz, ohne PSR zu brechen, weil die Verluste durch Spielerverkäufe kaschiert wurden. Die Regel ist keine Solvenzsicherung, sondern eine Wettbewerbsfessel.

Fazit: Newcastles Verkauf beweist, dass PSR abgeschafft gehört

Bis Juli 2025 wird Newcastle entweder einen weiteren Star verkauft haben, um den Kader zu erneuern, oder im Mittelfeld versauern, trotz 100 Mio. für den besten Mittelfeldspieler. Dieses Ergebnis ist in den Regeln angelegt. Erwarten Sie, dass die Premier League auf der nächsten Aktionärsversammlung die PSR verschärft, nicht lockert. Und wenn Newcastle nächste Saison Zehnter wird, wird die Liga den Tonali-Verkauf als Beleg anführen, dass das System funktioniert.

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