Financial Fair Play in der Premier League ist ein Kartellabkommen
Die Finanzregeln der Premier League dienen nicht der Fairness. Sie sind ein Kartellabkommen, das die etablierte Elite an der Macht halten und ehrgeizige Neueinsteiger aussperren soll. Die jüngsten Punktabzüge und das PSR-Chaos beweisen es. Das ist kein Sicherheitsnetz; das ist ein Käfig.
Wie es dazu kam: Die Illusion des Wettbewerbsgleichgewichts
Seit 2013 wird FFP (heute PSR) als Mittel verkauft, um zu verhindern, dass Klubs über ihre Verhältnisse leben. In Wirklichkeit begrenzt es Investitionen auf etwa die Höhe der eigenen Einnahmen. Das klingt vernünftig, bis man begreift, dass diese Einnahmen größtenteils durch historischen Erfolg bestimmt sind. Ein Klub wie Manchester United mit seiner globalen Marke und einem 74.000-Plätze-Stadion kann 200 Millionen Pfund pro Jahr ausgeben, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein Klub wie Newcastle mit ehrgeizigen Besitzern, aber geringerer kommerzieller Strahlkraft, kann das nicht.
Das ist kein fairer Wettbewerb. Das ist eine Erbaristokratie. Als Chelsea und Manchester City in den 2000er Jahren von Oligarchen und Scheichs gekauft wurden, konnten sie sich an die Spitze kaufen. Jetzt ist diese Tür zugeschlagen. Die Regeln wurden genau deshalb geändert, weil die alte Garde keinen weiteren Neureichen auf ihrer Party duldete.
Die Punktabzug-Farce: Die Armen bestrafen, die Reichen schützen
Everton und Nottingham Forest wurden wegen Verstößen gegen PSR mit Punktabzügen belegt. Beide sind Traditionsklubs mit bescheidenen Einnahmen. Manchester City hingegen sieht sich 115 Anklagen wegen mutmaßlicher Verstöße gegenüber, und das Verfahren zieht sich hin. Chelsea hat unter neuer Eigentümerschaft in zwei Jahren über eine Milliarde Pfund ausgegeben, indem es Schlupflöcher wie Achtjahresverträge nutzt. Die Durchsetzung der Premier League ist selektiv und langsam.
Die Botschaft ist klar: Wenn du ein kleiner Klub bist, der nach oben will, wirst du zum Exempel statuiert. Wenn du ein großer Klub mit teuren Anwälten bist, kannst du verzögern und verschleiern. Die Regeln bevorzugen nicht nur die Reichen; sie bestrafen aktiv diejenigen, die versuchen, zu ihnen aufzuschließen.
- Everton wurden 10 Punkte abgezogen (nach Berufung auf 6 reduziert) für einen Verstoß von 19,5 Millionen Pfund, während Manchester City seit Jahren ohne Sanktionen untersucht wird.
- Nottingham Forest wurden 4 Punkte abgezogen, weil sie PSR um 34,5 Millionen Pfund überschritten, obwohl ihr Besitzer Evangelos Marinakis stark in Infrastruktur und Kader investiert hat – nur um für seinen Ehrgeiz bestraft zu werden.
- Chelsea vermied einen PSR-Verstoß, indem es Hotels an sich selbst verkaufte und Transfers über acht Jahre abschrieb – ein Trick, der kleineren Klubs nicht zur Verfügung steht.
Aber ist FFP nicht notwendig, um ein zweites Portsmouth zu verhindern?
Das Gegenargument lautet, dass ohne Finanzregeln Klubs übermäßig ausgeben, pleitegehen und Gemeinden verwüstet zurücklassen. Portsmouth, Bury und Derby werden als warnende Beispiele genannt. Doch diese Klubs kollabierten wegen Missmanagements, nicht weil sie viel für Transfers ausgaben. Zudem verhindert PSR keine Insolvenz – es verhindert nur Investitionen. Ein besseres System würde Schuldenobergrenzen und Gehaltsdeckel durchsetzen, nicht willkürlich die Finanzierung durch Eigentümer begrenzen.
Was PSR tatsächlich tut, ist, die Vermögenswerte der etablierten Klubs zu schützen. Wenn Newcastle nicht ausgeben kann, wird sein Wachstum gebremst, und der Champions-League-Einnahmenstrom der Top Sechs bleibt gesichert. Es geht nicht um Nachhaltigkeit; es geht um die Aufrechterhaltung des Status quo.
Das Urteil: Eine Super League unter anderem Namen
In fünf Jahren wird die Premier League PSR entweder abschaffen oder sich einer rechtlichen Anfechtung durch einen ehrgeizigen Besitzer gegenübersehen, die sie auseinanderreißt. Die Europäische Super League wurde durch Fanproteste besiegt, aber derselbe elitärere Impuls wirkt jetzt durch Finanzregeln. Wenn Newcastle, Aston Villa oder ein anderer Anwärter gegen PSR verstößt und Europa verpasst, wird der Aufschrei gewaltig sein.
Merkt euch meine Worte: Bis 2030 wird mindestens ein Klub einen Rechtsstreit gegen die Finanzregeln der Premier League gewinnen und eine Lockerung erzwingen, die neue Investitionen ermöglicht. Die Alternative ist eine Liga, in der dieselben sechs Klubs jedes Jahr die Top Sechs bilden – ein faktisch geschlossener Laden. Die Premier League kann sich selbst reformieren oder die Reform wird ihr aufgezwungen. Die Uhr tickt.
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