Manchester Citys unerträgliche Leichtigkeit des Ballbesitzes
Manchester City ist das sterilste Ballbesitzteam der Premier League. Das ist kein Paradoxon – es ist eine statistische Tatsache. In der Saison 2024/25 hat City durchschnittlich 65 % Ballbesitz, liegt aber bei den Schüssen pro Spiel nur auf Platz sieben. Ihr Angriff ist zu einer Pass-Show geworden, nicht zu einer Tor-Maschine.
Von Tiki-Taka zur Tiki-Falle
Guardiolas System verband einst Kontrolle mit Chaos. 2017/18 kam City bei 63 % Ballbesitz auf 18 Schüsse pro Spiel. Dieses Verhältnis hat sich umgekehrt: Jetzt bringen 68 % Ballbesitz nur noch 12 Schüsse. Der Übeltäter ist das horizontale Kreisen. Gegner haben gelernt, Räume zu verdichten und City zum Querpass zu zwingen. Laut Opta-Daten ist der Anteil von Citys Pässen im letzten Drittel seit 2022 um 12 % gesunken.
Die These: Langsamer Aufbau tötet die Vertikalität
Citys Muster 2024/25 ist vorhersehbar: Rodri bekommt den Ball von den Innenverteidigern, verteilt ihn zu den Außenverteidigern, die zurück ins Mittelfeld passen. Der Kreislauf wiederholt sich. Weniger Linien durchbrechende Pässe bedeuten, dass sich die Abwehr neu formieren kann. Drei spezifische Probleme treten auf:
- De Bruyne eingeschränkter Einfluss: Seine durchschnittliche Passdistanz ist um 2,3 Meter geschrumpft. Er wird als Verteiler, nicht als Durchbrecher eingesetzt.
- Haalands Isolation: Der Norweger berührt den Ball 18 Mal pro Spiel – am wenigsten unter den Stürmern in der Startelf der Liga. Er ist Zuschauer.
- Zurückhaltung der Außenverteidiger: Walker und Gvardiol versuchen selten Steilpässe. Ihre Vorlagen haben sich seit Januar halbiert.
Das ist kein Ausrutscher. Seit der WM 2022 ist Citys xG pro Schuss von 0,14 auf 0,11 gefallen – der drittgrößte Rückgang der Liga.
Das Gegenargument: Kontrolle verhindert Konter
Einige Analysten behaupten, Citys Vorsicht sei beabsichtigt: Ballbesitz halten, Umschaltmomente vermeiden. Stimmt, City lässt wenig Chancen zu – aber zu welchem Preis? 2024 verlor City Punkte gegen Wolverhampton, Bournemouth und Everton – alles Teams, die tief standen und City aufforderten, aus der Distanz zu schießen. Kontrolle ohne Durchschlagskraft ist kontraproduktiv. Das Champions-League-Finale 2023 sah Inter Mailand – sorry, Inter – bei 30 % Ballbesitz klarere Chancen. Als City im November gegen Liverpool in der Nachspielzeit ein Tor brauchte, spielten sie 42 Pässe in Folge, bevor sie den Ball ohne Schuss verloren.
Fazit: Guardiola muss das Risiko neu lernen
Bis Ende 2025 wird City weniger Schüsse versucht haben als jedes Guardiola-Team zuvor. Ihre Titelverteidigung in der Premier League wird im April enden. Die Ursache liegt nicht im Alter der Beine, sondern in einem Gehirn, das die Sicherheit überoptimiert hat. Der größte Taktiker des Fußballs hat einen wunderschönen Käfig gebaut – und sich selbst darin eingeschlossen.
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