Matheus Nunes ist kein Flop – er ist eine Geheimwaffe, die Guardiola nicht einsetzt

Manchester City zahlte 2023 53 Millionen Euro für Matheus Nunes und gab ihm seither gerade einmal 631 Premier-League-Minuten. Das ist keine Ablöse für einen Ergänzungsspieler. Das ist der Preis für einen Statement-Transfer. Doch Guardiola hat ihn so tief vergraben, dass Nunes zum Fußball-Geist geworden ist – kurz erblickt, nie voll gesehen. Das ist keine schlechte Verpflichtung. Das ist taktischer Amtsmissbrauch.

Das Mittelfeld, das nicht mehr funktioniert

Citys Mittelfeld hat an Biss verloren. Rodri ist unersetzlich, aber die Nebenleute – Kovacic, Silva, der alternde De Bruyne – bieten weder die Durchschlagskraft noch die defensive Stabilität von 2022/23. Kovacic kommt auf nur 0,8 progressive Dribblings pro 90 Minuten in dieser Saison, ein Rückgang von 1,4 beim FC Chelsea. De Bruynes Pressing-Intensität ist um zwölf Prozent gesunken. In diese Lücke tritt Nunes, ein Spieler, der bei Sporting 2,1 Dribblings und 1,8 Tacklings pro Spiel ablieferte – Ballvortrieb mit defensivem Einsatz kombiniert. Er ist der fehlende Hybrid.

Warum Nunes drei Probleme auf einmal löst

  • Umschaltverteidigung: Nunes gehört zu den besten 15 Prozent der Mittelfeldspieler in Sachen Pressingaktionen pro 90 Minuten (22,4) unter Premier-League-Akteuren mit über 500 Minuten. City hat in dieser Saison sechs Gegentore nach schnellen Gegenstößen kassiert – mehr als jedes andere Top-Sechs-Team. Nunes' Tempo im Rückwärtsgang würde dieses Loch stopfen.
  • Dribblings durch die Linien: Kein City-Mittelfeldspieler außer Rodri kommt auf mehr als 1,2 progressive Dribblings pro Spiel. Nunes brachte es bei Sporting auf 1,8. Er ist der einzige Spieler im Kader, der einen Gegner ausspielen und dann Foden oder Haaland freizügig in Szene setzen kann, ohne das Tempo zu drosseln.
  • Physische Präsenz: Mit 1,83 m und kräftiger Statur bringt Nunes die Box-to-Box-Stärke mit, die Bernardo Silva (1,73 m) und Kovacic (1,78 m) fehlt. Gegen das körperlich robuste Mittelfeld von Brentford verlor City 14 von 22 Kopfballduellen. Nunes gewinnt 56 Prozent seiner Kopfballduelle.

Die Ausreden halten nicht stand

Das Gegenargument: Nunes wirkte in seinen Einsätzen unsicher. Gegen Newcastle spielte er zwölf Fehlpässe, verlor viermal den Ball. Doch das ist das Symptom eines Spielers, der nur Kurzeinsätze in bedeutungslosen Partien bekommt, nicht Rhythmus. Guardiola hielt einst an einem schwächelnden Jack Grealish 18 Monate lang fest, bis der Knoten platzte. Nunes hat in dieser Saison genau einmal vier Startelfeinsätze in Folge in allen Wettbewerben gehabt. Kontinuität wird antrainiert, ist nicht angeboren. Ein Rennpferd kann man nicht nach ein paar Galoppsprüngen beurteilen.

Mein Urteil: Nunes startet im Champions-League-Viertelfinale

Bis April wird Guardiola keine Wahl mehr haben. Kovacics Verletzungsanfälligkeit (34 Spiele verpasst seit 2020) und Bernardos anhaltende Erschöpfung werden einen Wechsel erzwingen. Nunes wird im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales von Beginn an spielen – und entweder ein Tor vorbereiten oder selbst treffen. Tut er das nicht, scheidet City im Viertelfinale aus. Das ist das Risiko, wenn man einen 53-Millionen-Euro-Spieler ignoriert, der die Antwort auf das hartnäckigste taktische Problem des Teams sein könnte.

Kategorie: Meinung | LA Premier League Home