Des Kaisers neue Pässe

Gary O'Neils Wolverhampton Wanderers sind ein Paradox: eine Mannschaft, die schön aufbaut, um dann spektakulär zu kollabieren. Sie haben die neunthöchste Passquote in der Premier League, aber den drittschlechtesten erwarteten Gegentorwert pro Spiel. Die 3-4-3-Formation, die auf dem Trainingsplatz so fortschrittlich wirkt, sabotiert leise ihre Überlebenschancen.

Das falsche Versprechen von Ballbesitz

Das Molineux-Projekt wurde als Post-Nuno-Evolution verkauft: Risiko im Ballbesitz, Struktur ohne Ball. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Seit O'Neil im August 2023 übernahm, haben Wolves pro Spiel 2,7 Schüsse aus schnellen Gegenstößen kassiert – der zweitschlechteste Wert der Liga. Nur Sheffield United war anfälliger für Umschaltmomente. Das ist kein Pech; es ist eine geometrische Unvermeidbarkeit der 3-4-3-Form.

Das System hat eine bekannte Schwachstelle: die Lücke zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger. In O'Neils Aufstellung sollen die beiden zentralen Mittelfeldspieler – meist João Gomes und Mario Lemina – die Kanäle abdecken, aber sie werden oft nach außen gezogen und hinterlassen einen riesigen zentralen Raum. Wenn der Gegner den Ball erobert, sehen die Wolves aus wie ein kaputtes Tor: Lücken überall.

Der strukturelle Rost unter der glänzenden Oberfläche

Die Ursache ist eine Formation, die von wenigen zu viel verlangt. Das 3-4-3 verlässt sich auf die Außenbahnen als primäre Breitengeber und defensive Absicherung. In O'Neils Version schieben sich Rayan Aït-Nouri und Nélson Semedo hoch und weit, oft die Dreierkette exponiert zurücklassend. Wenn der Ball verloren geht – und das passiert oft, weil Wolfs Pressing unorganisiert ist – sind die Innenverteidiger isoliert.

  • Wolves haben seit März 2024 22 Gegentore aus offenen Gegenstößen kassiert, die meisten der Liga. Beispiel: Aston Villas zweites Tor im Januar in Molineux – ein einfacher langer Ball über Semedos Kopf, und Ollie Watkins war mit einer Hektar Platz durch.
  • Ihr Mittelfeldduo ist statistisch eines der ineffektivsten der Liga bei Zweikämpfen. Lemina und Gomes gewinnen nur 46% ihrer kombinierten Bodenzweikämpfe – Platz 17 aller Mittelfeldduos.
  • Trotz kreativer Spieler wie Jean-Ricner Bellegarde und Pablo Sarabia produzieren Wolves nur 1,2 Schlüsselpässe pro Angriff – Platz 16 in der Liga – was auf sterilen Ballbesitz hindeutet.

Aber hat O'Neil nicht einfach Pech?

Das Gegenargument: Die Wolves wurden von Verletzungen dezimiert – Matheus Cunha, Sasa Kalajdzic sowie die langfristigen Ausfälle von Maximilian Kilman (verkauft) und Pedro Neto. Kein Trainer kann einen überzeugenden Angriff ohne Stürmer aufbauen. Stimmt. Aber die defensiven Schwächen bestanden bereits vor diesen Ausfällen. Selbst mit vollständigem Kader Anfang 2024 kassierten Wolves 1,9 xG pro Spiel. Das Problem ist systemabhängig, nicht personalabhängig.

Betrachten wir die Daten zur defensiven Formation: In O'Neils System beträgt der durchschnittliche Abstand zwischen Dreierkette und Mittelfeldduo 14,2 Meter – die größte Lücke der Liga. In diesem Raum entstehen Angriffe. Es geht nicht um bessere Spieler; es geht um eine Struktur, die nicht einlädt.

Das Urteil: Eine Formation, die O'Neil den Job kosten wird

Bis März 2026 wird Gary O'Neil nicht mehr Wolves-Trainer sein, wenn er nicht das 3-4-3 in seiner jetzigen Form aufgibt und zu einer Viererkette mit einem absichernden Sechser wechselt. Das System ist nicht unrettbar – aber es erfordert ein Maß an Athletik und Entscheidungsfindung, das der Kader der Wolves schlicht nicht besitzt. Bleiben die Ergebnisse auf dieser Spur, werden Wolves 2025/26 18., und O'Neils trügerischer Aufbau wird als taktische Fata Morgana in Erinnerung bleiben, die der Premier-League-Realität nicht standhielt.

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