Die Ballbesitz-Fata Morgana im Molineux
Gary O'Neil hat Wolverhampton Wanderers in eine Ballbesitz-Mannschaft verwandelt. In dieser Saison kommen sie auf durchschnittlich 54 Prozent Ballbesitz – ein Anstieg von 48 Prozent in der vergangenen Spielzeit unter Julen Lopetegui. Doch diese Statistik ist ein grausamer Scherz, der eine taktische Katastrophe verbirgt.
Zahlen, die täuschen
Wolves belegt Platz sechs bei den Pässen pro Spiel, aber nur Platz 17 bei den Torschüssen. Sie lassen den Ball in der eigenen Hälfte quer laufen, laden den Gegner ein, setzen sich unter Druck und verlieren ihn dann in gefährlichen Zonen. Nur drei Teams haben mehr Gegentore nach Ballverlusten im eigenen Drittel kassiert. Das System gleicht einem Hochseilakt ohne Sicherheitsnetz.
O'Neils Spielaufbau nutzt eine 2-3-5-Formation mit einrückenden Außenverteidigern. Das Problem: Weder Rayan Aït-Nouri noch Matt Doherty sind natürliche zentrale Mittelfeldspieler. Sie bekommen den Ball mit dem Rücken zum Tor, geraten in Panik und spielen zurück. Das ist kein kontrollierter Ballbesitz – es ist strukturiertes Zögern.
Drei spezifische Schwachstellen
- Die Innenverteidiger (Dawson, Kilman) haben die höchste Passquote der Liga, aber den niedrigsten Anteil an progressiven Pässen. Sie spielen sicher, um die Statistiken aufzubessern.
- João Gomes und Mario Lemina besetzen dieselben Räume, bilden eine Doppelsechs, die keine vertikale Anspielstation bietet. Der Ball erreicht nie die Stürmer.
- Matheus Cunha lässt sich fallen, um den Ball zu holen, und hinterlässt eine leere Zone, in die gegnerische Innenverteidiger vorrücken und Linien durchbrechen können.
Das Gegenargument: Es ist ein Arbeitsprozess
O'Neil könnte argumentieren, dass Ballbesitz eine anfällige Abwehr vor direkten Angriffen schützt. Doch die Zahlen widerlegen das: Wolves kassiert 1,7 Gegentore pro Spiel – genauso viele wie in der Vorsaison. Der Ballbesitz reduziert nicht die Anzahl der gegnerischen Schüsse – er verlagert sie nur. Gegner pressen hoch, gewinnen den Ball und erzielen Tore aus zentralen Positionen. Das System löst das Abwehrproblem nicht, es verlagert die Gefahr nur in wertvollere Zonen.
Zudem fehlt die Durchschlagskraft: Wolves zwingt Gegner selten dazu, tief zu verteidigen. Der Expected-Goals-Wert pro Schuss liegt bei 0,09 – einer der schlechtesten Werte der Liga. Sie sammeln Pässe, aber keine Gefahr.
Fazit: Abstieg, wenn O'Neil nicht anpasst
Wolves' nächste sechs Spiele umfassen Liverpool, Arsenal und Aston Villa. Beharrt O'Neil auf dieser falschen Struktur, stehen sie Weihnachten in den Bottom Three. Die Prognose: O'Neil wird die 2-3-5-Formation innerhalb von vier Spielen aufgeben und zu einem direkten Konterstil zurückkehren. Tut er das nicht, steigen Wolves ab. Das Ballbesitz-Modell ist eine taktische Lüge, die sie den Premier-League-Status kosten wird.
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