West Hams Mittelfeld wird ausgeraubt, nicht ausgespielt
West Ham verliert die Zweikämpfe im Mittelfeld nicht, weil es an Laufbereitschaft oder Qualität fehlt. Sie verlieren sie, weil Julen Lopetegui ein Mittelfeld gebaut hat, das mit einem einzigen gut platzierten Pass auseinandergerissen werden kann. Es ist kein Kollektiv. Es ist eine Ansammlung von Einzelspielern, die in den falschen Räumen stehen.
Die Grundordnung war nie das Problem – die Abstände sind es
Seit Lopeteguis Ankunft verteidigt West Ham gegen den Ball überwiegend in einem 4-2-3-1. Diese Formation ist nicht grundsätzlich falsch. Das Problem ist der Abstand zwischen der Doppelsechs. Wenn man zwei Sechser spielen lässt, müssen sie nah genug beieinanderstehen, um die Innenverteidiger abzuschirmen und die Außenseite des jeweils anderen abzudecken. Bei West Ham dehnt sich diese Lücke oft auf 15 bis 20 Meter aus – ein Krater auf Premier-League-Niveau.
Vergleichen Sie das mit den besten Mittelfeldern der Liga. Arsenals Declan Rice und Mikel Merino stehen bei der Verteidigung von Umschaltmomenten selten mehr als acht Meter voneinander entfernt. Manchester Citys Rodri und Mateo Kovacic – und nun Nico González – sind darauf getrimmt, auf Tuchfühlung zu bleiben. West Hams Sechser hingegen werden oft von gegnerischen Außenverteidigern nach außen gezogen und finden ihre zentrale Kompaktheit nie wieder.
Die Beweise liegen in den Überzahlsituationen
Die Gegner haben erkannt: Wenn man einen West-Ham-Sechser nach außen zieht, bleibt der andere im Zentrum allein. Deshalb kassiert West Ham so viele Chancen nach Rückgaben und zentralen Hereingaben. Es geht nicht um individuelle Fehler – es geht um eine strukturelle Einladung.
- Gegen Manchester City driftete Bernardo Silva immer wieder nach innen, um Edson Álvarez zu binden, wodurch Kevin De Bruyne zwischen den Linien frei stand. Citys zweites Tor fiel genau nach diesem Muster.
- Gegen Chelsea zog Cole Palmer Tomáš Souček an die Außenlinie, und Enzo Fernández kam völlig ungedeckt an die Strafraumkante zum Schuss, der an den Pfosten ging.
- Gegen Aston Villa kombinierten sich Youri Tielemans und Morgan Rogers im Halbraum, weil West Hams Sechser zu langsam nachschoben und Rogers freie Bahn auf die Viererkette hatte.
Das Gegenargument: Verletzungen und Personal
Das stählerne Argument von Lopetegui lautet, er habe nie seine Wunschbesetzung im Mittelfeld zur Verfügung gehabt. Álvarez war mal dabei, mal verletzt, James Ward-Prowse wurde verkauft, und Souček ist kein gelernter Sechser. Doch dieses Argument bricht zusammen, wenn man sich das Muster ansieht. Dieselben strukturellen Lücken zeigten sich, als Álvarez und Guido Rodríguez gemeinsam gegen Brentford und Everton starteten. Das Problem ist nicht, wer spielt – sondern wo sie stehen sollen.
Lopeteguis frühere Mannschaften bei Sevilla und den Wolves waren kompakt, weil die Sechser angewiesen wurden, in einem strengen vertikalen und horizontalen Korridor zu bleiben. Bei West Ham scheint diese Anweisung entweder zu fehlen oder ignoriert zu werden. Das Ergebnis ist ein Mittelfeld, das mit einem Pass überspielt werden kann und die Innenverteidiger schutzlos zurücklässt.
Fazit: West Ham kassiert binnen drei Spielen ein Tor nach zentraler Rückgabe
Wenn Lopetegui den Abstand zwischen seinen Sechsern nicht verkleinert und sie nicht darauf drillt, als Paar zu verschieben, wird West Ham weiterhin Tore nach zentralen Rückgaben und Schüssen von der Strafraumkante kassieren. Ich prophezeie, dass sie in ihren nächsten drei Premier-League-Spielen mindestens ein Tor direkt nach einer zentralen Rückgabe kassieren werden. Sollte das passieren, wird Lopeteguis Mittelfeldstruktur der Grund sein – und die Lösung sind keine Neuzugänge, sondern zehn Meter Disziplin.
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