West Ham ist zur Standard-Maschine geworden – und das macht sie schlechter

West Ham United hat in dieser Saison mehr Tore nach Standards erzielt als jedes andere Premier-League-Team. Gleichzeitig kreierte kein Team außerhalb der Abstiegszone weniger Chancen aus dem Spiel heraus. Das ist kein Zufall, sondern eine taktische Zwangsjacke.

Die Daten hinter der Abhängigkeit von ruhenden Bällen

Unter Julen Lopetegui hat West Ham die Spezialisierung auf Standards, die unter David Moyes begann, noch einmal forciert. In der vergangenen Saison erzielten nur Arsenal und Liverpool mehr Tore nach ruhenden Bällen. In dieser Spielzeit führen die Hammers die Liga bei Standardtoren an – James Ward-Prowse und Aaron Cresswell liefern präzise Flanken, Kurt Zouma, Tomas Soucek und Nayef Aguerd attackieren sie mit Gusto.

Doch der Preis ist hoch. West Ham liegt bei den Expected Goals (xG) aus dem Spiel heraus auf Rang 18 und bei den Torschussvorlagen aus dem Spiel heraus auf Rang 19. Die Angriffsmuster sind mechanisch geworden: Ecke gewinnen, den Strafraum fluten, auf den Kopfball hoffen. Wenn das scheitert, zieht sich das Team in einen tiefen Block zurück und lädt den Gegner ein. Das ist ein Rezept, um gegen andere Mittelfeldteams Ergebnisse zu erzwingen, aber es ist auch eine Decke für die eigenen Ambitionen.

Warum das ein Problem ist

Die Abhängigkeit von Standards ist nicht grundsätzlich schlecht. Arsenal nutzt sie mit großem Erfolg, kombiniert sie aber mit filigranen Spielzügen aus dem Spiel heraus. West Ham nicht. Dem Mittelfeld fehlt das Zusammenspiel, um organisierte Abwehrreihen zu knacken. Lucas Paquetá, der kreativste Spieler, ist oft links isoliert und muss drei Gegenspieler ausdribbeln, weil keine Läufe in die Tiefe erfolgen. Mohammed Kudus, ein 38-Millionen-Pfund-Neuzugang, wurde marginalisiert, seine Dribbelkünste verpuffen in einem System, das Flanken über Kombinationen stellt.

Diese Berechenbarkeit macht West Ham leicht zu verteidigen. Die Gegner wissen: Wer keine Ecken und Freistöße in gefährlichen Zonen zulässt, neutralisiert die Hauptwaffe der Hammers. Aus dem Spiel heraus hat West Ham in dieser Saison nur vier Tore aus dem Strafraum erzielt – Ligatiefstwert. Zudem spielte das Team die zweitwenigsten Pässe im letzten Drittel. Die Zahlen zeichnen ein klares Bild: Dies ist eine Mannschaft, die ohne ruhenden Ball nicht kreieren kann.

  • Standardtore: 11 (Platz 1 in der Premier League)
  • Tore aus dem Spiel heraus: 4 (Platz 19)
  • xG aus dem Spiel heraus pro 90 Minuten: 0,78 (Platz 18)
  • Chancen aus dem Spiel heraus: 62 (Platz 19)

Das Gegenargument: Pragmatismus zahlt sich aus

Verteidiger von Lopetegui werden darauf verweisen, dass West Ham auf Platz 10 steht, vor Teams wie Brighton und Bournemouth. Sie werden argumentieren, dass Standards ein effizienter Weg für einen Mittelfeldklub sind, um mit finanzstärkeren Rivalen zu konkurrieren. Das ist ein berechtigter Punkt: Moyes nutzte denselben Ansatz, um die Europa-Qualifikation und den Europa-Conference-League-Titel zu sichern. Doch Moyes hatte Declan Rice, der nach vorn trieb, und Saïd Benrahma, der dribbelte. Lopetegui hat beides nicht, und seine Versuche, sie durch ein starres 4-3-3 zu ersetzen, sind gescheitert.

Zudem verlangt der moderne Fußball mehr. Teams, die sich allein auf Standards verlassen, werden irgendwann entlarvt. Man fragt am besten Tony Pulis' Stoke City, das mit einem FA-Cup-Finale seinen Höhepunkt erreichte, aber innerhalb von fünf Jahren abgestiegen war. West Ham hat höhere Ambitionen: ein neues Stadion, ein 100-Millionen-Pfund-Trainingsgelände und das Ziel, in die Top Sechs vorzustoßen. Mit einem eindimensionalen Angriff ist das nicht zu schaffen.

Fazit: West Ham landet in der unteren Tabellenhälfte

Wenn Lopetegui nicht echte Spielmuster aus dem Spiel heraus einführt – mehr Unterlaufen, mehr Läufe des dritten Mannes, mehr Freiheit für Paquetá und Kudus –, wird West Ham in der Tabelle abrutschen. Die Standard-Blase wird platzen, wenn Ward-Prowses Flanken an Qualität verlieren oder gegnerische Torhüter lernen, ihren Strafraum zu beherrschen. Ich prophezeie: Platz 14 oder schlechter, weniger als 50 Saisontore, und Lopetegui wird bis Februar entlassen. Das ist eine konkrete, überprüfbare Prognose. Beobachten Sie die xG-Spalte aus dem Spiel heraus – sie wird ihr Verhängnis sein.

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