Sunderlands Mittelfeld ist eine tickende Zeitbombe

Die jüngsten Siege des AFC Sunderland sind eine Fata Morgana. Das Mittelfeld ist strukturell kaputt – ein Umstand, den Momente individueller Klasse und die Fahrlässigkeit der Gegner verschleiern. Die Blase wird platzen, und wenn sie platzt, stürzen die Black Cats in einen Abstiegskampf, für den sie nicht gerüstet sind.

Historischer und taktischer Kontext

In der Saison 2015/16 wurde Leicester City Meister mit einem Mittelfeld, das Ballbesitz abgab, aber mit verheerender Effizienz konterte. N'Golo Kanté und Danny Drinkwater bildeten ein Duo, das mehr war als die Summe seiner Teile. Dem aktuellen Sunderland-Mittelfeld fehlt diese Geschlossenheit. Die Black Cats sind weder eine ballbesitzdominante Mannschaft noch eine Konter-Maschine. Sie stecken dazwischen – ein taktisches Niemandsland, das Druck einlädt und Chancen hervorbringt.

Man betrachte nur den Stellenwert der Mittelfeldkontrolle in der modernen Premier League. Teams wie Manchester City und Arsenal dominieren durch strukturierten Ballbesitz, während Liverpool und Tottenham mit koordiniertem Pressing agieren. Sunderland macht weder das eine noch das andere. Das Mittelfeld ist passiv gegen den Ball und verschwenderisch mit ihm. Das Ergebnis: eine Mannschaft, die Territorium und Chancen in alarmierendem Tempo hergibt und auf Verteidigung in letzter Not und Glanzparaden des Torwarts angewiesen ist.

Die These

Das Kernproblem ist die Unfähigkeit des Mittelfeld-Trios, Räume zu kontrollieren. Oft wird nur zugeschaut, Gegner spazieren durch die Linien. Das ist kein neues Problem – es zieht sich durch die gesamte Saison. Der jüngste Sieg gegen Bournemouth war lobenswert, legte die Schwächen aber offen. Sunderlands Mittelfeld wurde über weite Strecken überrannt, und nur die fahrlässige Chancenverwertung der Cherries hielt das Ergebnis respektabel.

  • Beispiel 1: Gegen Brighton ließ Sunderlands Mittelfeld 18 Torschüsse zu, zehn davon aus zentralen Zonen. Der fehlende Druck auf den Ball war eklatant.
  • Beispiel 2: Bei der Niederlage gegen Arsenal wurde das Mittelfeld mit erschreckender Leichtigkeit überspielt. Die Gunners brachten zwölf Pässe aus zentralen Mittelfeldzonen in den Strafraum.
  • Beispiel 3: Sunderlands Mittelfeldspieler rangieren in der Premier League in den letzten drei Plätzen bei den Pressing-Aktionen pro 90 Minuten – ein Beleg für die passive Herangehensweise ohne Ball.

Gegenargument und Widerlegung

Das Gegenargument lautet, Sunderlands Mittelfeld sei jung und entwickle sich, die jüngsten Ergebnisse zeigten Fortschritt. Es stimmt, dass Talent im Kader steckt und die Resultate besser wurden. Doch die zugrundeliegenden Zahlen erzählen eine andere Geschichte. Sunderlands erwartete Gegentore (xGC) aus zentralen Zonen gehören zu den schlechtesten der Liga. Das Mittelfeld verbessert sich nicht – es wird von der Verschwendung der Gegner und einem inspirierten Torwart gerettet. Das ist nicht nachhaltig. Gegen bessere Teams werden diese Chancen verwertet.

Zudem ignoriert das Argument der Jugend das Fehlen einer kohärenten taktischen Struktur. Jugend ist keine Entschuldigung für wiederholte Positionsfehler und mangelnde Pressing-Abstimmung. Ohne klares Spielmodell entwickeln diese Spieler nicht die Instinkte, die auf diesem Niveau nötig sind. Der Trainerstab muss einen Teil der Verantwortung tragen, weil er keine geschlossene Mittelfeldstrategie vermittelt.

Fazit und Prognose

Sunderlands Mittelfeld wird sein Verhängnis. Bis Saisonende werden die Black Cats mehr Gegentore aus zentralen Zonen kassiert haben als jedes andere Premier-League-Team. Das wird teuer – und sie werden unter den letzten fünf landen. Die Warnsignale sind da; es liegt am Management, zu handeln, bevor es zu spät ist.

Rubrik: Taktik-Analyse | LA Premier League Startseite