Liverpools Kreativitätskrise: Kein Torschuss gegen Arsenal deckt Iraolas Probleme auf

Liverpool erlebte gegen Arsenal einen historischen Tiefpunkt: Erstmals seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2003 – also in 442 Heimspielen der Premier League – gab die Mannschaft keinen einzigen Torschuss ab. Die 0:1-Niederlage offenbarte ein tieferes Kreativitätsproblem unter Trainer Andoni Iraola. Hier die vollständige Analyse.

  • Spiel: Liverpool 0:1 Arsenal (Premier League)
  • Historische Statistik: Erstes Premier-League-Heimspiel ohne Torschuss seit 2003 (442 Spiele)
  • Hauptproblem: 17 Schüsse mit nur 1,05 erwarteten Toren
  • Großchancen: Nur 7 in 9 Ligaspielen – zweitschlechtester Wert der Liga
  • Es geht weiter: Liverpool steht vor einer entscheidenden Serie, um in der Tabelle zu klettern

Die Zahlen

  • 442 – Premier-League-Heimspiele seit Beginn der Datenerfassung 2003; Liverpool hatte bis zum Arsenal-Spiel nie ohne Torschuss gespielt.
  • 17 – Schüsse gegen Arsenal, mit mageren 1,05 erwarteten Toren.
  • 140 – Schüsse in dieser Saison (fünfthöchster Wert der Premier League).
  • 9. – Rang bei den erzielten Toren; 11. bei den erwarteten Toren.
  • 39% – Anteil der Schüsse von außerhalb des Strafraums (vierthöchster Wert der Liga).
  • 8% – Anteil der Schüsse aus dem Fünfmeterraum (sechstniedrigster Wert).
  • 93% – Anteil von Dominik Szoboszlais Schüssen von außerhalb des Strafraums (ligahöchster Wert aller Spieler).
  • 7 – Großchancen in neun Spielen (zweitniedrigster Wert, zwischen Coventry und Hull).
  • 0,09 – Durchschnittliche erwartete Tore pro Schuss (einer der niedrigsten Werte der Liga).
  • 250 – Ballkontakte im gegnerischen Strafraum in dieser Saison (achter Platz der Liga).
  • 30 – Ballkontakte im gegnerischen Strafraum gegen Arsenal in der ersten Halbzeit (Premier-League-Rekord).
  • 27% – Zeit im Spielaufbau gegen tiefe Blöcke (höchster Wert der Premier League).
  • 22 – Von Florian Wirtz kreierte Chancen (zweiter Platz der Liga), aber 0 Großchancen.
  • 1,08 – Wirtz' erwartete Vorlagen (37. Platz der Premier League).
  • 5 – Spiele, in denen Liverpool in dieser Saison das erste Gegentor kassierte (nur fünf Teams lagen prozentual länger zurück).

Das Problem der Schusspositionen: Szoboszlai und die Fernschuss-Abhängigkeit

Liverpools Schusskarte erzählt eine Geschichte von Quantität statt Qualität. Trotz des fünften Platzes bei den Gesamtschüssen (140) steht die Mannschaft nur auf Rang neun bei den Toren und Rang elf bei den erwarteten Toren. Der Grund ist klar: Es werden zu viele Schüsse aus der Distanz abgegeben. Ligahöchste 39% der Abschlüsse kommen von außerhalb des Strafraums – nur Manchester United, Hull und Newcastle haben einen höheren Anteil, und alle drei stehen in der unteren Tabellenhälfte.

Im Gegensatz dazu kommen nur 8% von Liverpools Schüssen aus dem Fünfmeterraum – der sechstniedrigste Wert der Liga. Die beiden Teams mit dem höchsten Anteil aus dieser Zone? Spitzenreiter Arsenal (17%) und der zweitplatzierte Manchester City (13%). Die Korrelation ist offensichtlich: Nähere Schüsse bedeuten bessere Chancen.

Das Paradebeispiel für dieses Problem ist Dominik Szoboszlai. Der Ungar hat in dieser Saison 93% seiner Schüsse von außerhalb des Strafraums abgegeben – der höchste Prozentsatz aller Premier-League-Spieler. Von seinen 14 Versuchen war der einzige aus dem Strafraum sein verwandelter Elfmeter gegen Newcastle am ersten Spieltag. Seitdem hat er in der Liga nicht mehr getroffen.

Fehlende Kreativität: Wirtz' Probleme und Iraolas Dilemma

Iraola ist grundsätzlich kein Gegner von Distanzschüssen. Seine Bournemouth-Mannschaft hatte in der vergangenen Saison mehr Schüsse von außerhalb des Strafraums als jedes andere Premier-League-Team, und er ermutigte Antoine Semenyo, Marcus Tavernier und Lewis Cook, ihr Glück zu versuchen. Wahrscheinlich glaubt er, bei Liverpool ähnliche Spielertypen zu haben – Szoboszlai ist das beste Beispiel.

Doch das Problem der Schusspositionen ist auch ein Kreativitätsproblem. Liverpool hat Mühe, den Ball in gefährlichen Positionen zu den Angreifern zu bringen. Die 250 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum in dieser Saison bedeuten Rang acht in der Liga – nicht schlecht, aber auch nicht elite. Und die Zahl der kreierten Großchancen erzählt eine verheerende Geschichte: nur sieben in neun Spielen, zweitschlechtester Wert zwischen den Aufsteigern Coventry und Hull. Das trotz fast 500 Millionen Euro, die in den letzten zwei Jahren in die Offensive investiert wurden.

Die kreative Last sollte auf Florian Wirtz liegen, der letztes Jahr teuer verpflichtet wurde, um der Spielmacher zu sein. Wirtz liegt ligaweit auf Rang zwei bei den kreierten Chancen (22), hat aber noch keine einzige von Opta definierte Großchance kreiert. Zum Vergleich: Pascal Groß, der einzige Spieler vor ihm mit 24 kreierten Chancen, hat sieben Großchancen. Wirtz liegt zudem auf Rang 37 bei den erwarteten Vorlagen (1,08), was die begrenzte Qualität seiner kreierten Chancen unterstreicht.

Liverpool braucht eindeutig mehr von seinem 116,5-Millionen-Euro-Spielmacher, doch auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Das Arsenal-Spiel war das fünfte Mal in dieser Saison, dass Liverpool das erste Gegentor kassierte. Nur fünf Teams – Crystal Palace, Sunderland, Ipswich, Newcastle und Coventry – lagen prozentual länger zurück. Der Spielstand ist entscheidend: Wenn Liverpool zuerst kassiert, können sich die Gegner tief und kompakt stellen und ihre Führung verteidigen. In der Folge verbrachte Liverpool 27% seiner Zeit im Spielaufbau gegen tiefe Blöcke – der höchste Wert der Premier League. Es ist naturgemäß schwieriger, hochwertige Chancen zu kreieren, wenn die Gegner viele Spieler hinter dem Ball haben. Liverpool gewann nur eines der fünf Spiele, in denen es zuerst kassierte, aber alle drei, in denen es zuerst traf.

Was gesagt wurde

„Iraola ist kein Gegner von Distanzschüssen. Seine Bournemouth-Mannschaft hatte in der vergangenen Saison mehr Schüsse von außerhalb des Strafraums als jedes andere Premier-League-Team. In einem Gespräch mit Sky Sports vor zwei Jahren erklärte er, dass er Antoine Semenyo, Marcus Tavernier und Lewis Cook wegen ihrer Distanzschussqualitäten ermutigte, ihr Glück zu versuchen."

— Sky-Sports-Analyse zu Iraolas taktischem Ansatz

Diese Einsicht ist bezeichnend: Iraola fördert Distanzschüsse aktiv, wenn er den Fähigkeiten seiner Spieler aus der Distanz vertraut. Bei Liverpool glaubt er wohl, dass Szoboszlai und andere in dieses Profil passen. Doch die Daten legen nahe, dass dieser Ansatz nach hinten losgeht. Der Mangel an Kreativität führt dazu, dass Verlegenheitsschüsse zur Regel werden statt einer bewussten taktischen Entscheidung. Wenn Iraola keinen Weg findet, seine Angreifer in bessere Positionen zu bringen, wird die Abhängigkeit von Fernschüssen Liverpools Offensivproduktion weiter untergraben.

Analyse: Warum Liverpools Kreativitätsproblem tiefer reicht als die Chancenverwertung

Die Schlagzeilen-Statistik – kein Torschuss zu Hause zum ersten Mal in 442 Spielen – ist schockierend, aber kein Ausreißer. Sie ist der Höhepunkt eines systemischen Problems, das sich die ganze Saison über aufgebaut hat. Liverpools Offensivzahlen sehen oberflächlich betrachtet ordentlich aus: 140 Schüsse sind der fünfthöchste Wert der Liga. Doch die Qualität dieser Schüsse ist schlecht. Ein Durchschnitt von 0,09 erwarteten Toren pro Schuss ist einer der niedrigsten der Liga, was bedeutet, dass der durchschnittliche Liverpool-Schuss weniger als ein Zehntel Tor wert ist. Das ist ein Rezept für Underperformance.

Die Ursache ist eine Kombination von Faktoren. Erstens die Schusspositionen: zu viele von außerhalb des Strafraums, zu wenige aus dem Fünfmeterraum. Zweitens die Kreativität: Wirtz hat viele Chancen kreiert, aber keine davon waren Großchancen. Drittens der Spielstand: Das erste Gegentor zwingt Liverpool häufiger als jedes andere Team, tiefe Blöcke zu knacken – genau das Szenario, in dem die Mannschaft Schwierigkeiten hat. Alexander Isak hat vor dem Tor überperformt und sechs Premier-League-Tore aus Schüssen mit 4,35 erwarteten Toren erzielt, auch dank seiner Fähigkeit, schwierigere Chancen zu verwerten. Doch sich auf individuelle Brillanz zu verlassen, ist nicht nachhaltig.

Iraola braucht Lösungen, und zwar schnell. Ein stärkerer Start würde helfen – die Gegner zwingen, aufzurücken und Lücken zu lassen. Doch das tiefere Problem ist taktisch: Liverpool muss einen Weg finden, hochwertigere Chancen zu kreieren, sei es durch bessere Laufwege, durchdringendere Pässe oder einen Wandel des Ansatzes. Die 116,5 Millionen Euro für Wirtz sollten dieses Problem lösen, doch bislang ist das nicht gelungen. Die Uhr tickt.

Diskussionspunkte

  • Ist Dominik Szoboszlais Distanzschuss eine Waffe oder Verschwendung? Mit 93% seiner Schüsse von außerhalb des Strafraums fordert er die Torhüter nicht genug.
  • Florian Wirtz hat 22 Chancen kreiert, aber keine einzige Großchance – ist er der richtige Spielmacher für Liverpools System, oder braucht er mehr Unterstützung?
  • Liverpool hat fast 500 Millionen Euro in die Offensive investiert, aber nur sieben Großchancen in neun Spielen kreiert – ist die Transferstrategie fehlerhaft?
  • Sollte Iraola seine Fernschuss-Philosophie aufgeben, um den Ball häufiger in den Strafraum zu bringen?

Wie es weitergeht

Liverpool kehrt am nächsten Wochenende in der Premier League zurück, und Iraola muss einen Weg finden, die Kreativität seiner Mannschaft zu entfachen. Mit nur einem Sieg aus fünf Spielen nach einem Rückstand ist ein starker Start unerlässlich. Der kommende Spielplan bietet die Chance, Schwung aufzubauen, doch wenn die Probleme bei Schusspositionen und Kreativität nicht gelöst werden, wird Liverpool weiter Punkte verlieren. Der Druck auf den Trainer und seine Spieler wächst.

Häufig gestellte Fragen

Hat Liverpool gegen Arsenal wirklich keinen Torschuss abgegeben?

Ja, Liverpool gab erstmals in 442 Premier-League-Heimspielen keinen einzigen Torschuss ab – zurückreichend bis 2003.

Wie viele Großchancen hat Liverpool in dieser Saison kreiert?

Liverpool hat in neun Premier-League-Spielen nur sieben Großchancen kreiert – der zweitniedrigste Wert der Liga.

Warum gibt Liverpool so viele Schüsse von außerhalb des Strafraums ab?

Liverpool hat den vierthöchsten Anteil an Schüssen von außerhalb des Strafraums (39%) in der Premier League, teilweise wegen fehlender Kreativität, um den Ball in gefährlichen Positionen zu den Angreifern zu bringen.

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