Einkaufen für die Rettung, kaufen ins Vergessen

Manchester City hat in diesem Sommer mehr Geld ausgegeben als jeder andere Klub Europas, doch von einer Identität sind sie weiter entfernt denn je unter Pep Guardiola. Der Scheckblock hat den Bauplan ersetzt.

Von La Masia zum Einkaufszentrum

Einst als Goldstandard für die Entwicklung von Talenten gefeiert, gleicht Citys Akademie nun einem Zuliefersystem für andere Klubs. Jadon Sancho, Brahim Diaz und Romeo Lavia gingen, weil der Weg in die erste Mannschaft versperrt war. Der Klub gab dafür über 200 Millionen Pfund für Spieler wie Savinho, Abdukodir Khusanov und Vitor Reis aus – vielversprechende Talente, die Jahre brauchen werden, genau das, wofür die Akademie gedacht war.

Das ist nicht das City von 2016, als Guardiola einen Kern aus Hart, Kompany, Silva und Aguero erbte. Diese Achse basierte auf organischem Wachstum und klugen Käufen. Jetzt kauft City das Potenzial, das es einst selbst hervorbrachte.

Die Zahlen lügen nicht – sie geben nur Geld aus

Citys jährliche Ausgaben seit 2021 übersteigen eine Milliarde Pfund brutto. 38 Profis stehen im Kader, viele mit teuren Verträgen, aber ohne Integration in die erste Mannschaft. Das ist keine Strategie, das ist Horten.

  • Für 40 Millionen gekauft, spielte Kalvin Phillips nur 13 Ligaspiele, bevor er an West Ham verliehen wurde.
  • Matheus Nunes, ein 53-Millionen-Transfer, stand in zwei Saisons nur 14 Mal in der Startelf.
  • Jack Grealish, Rekordeinkauf für 100 Millionen, hat seine Form von Aston Villa nie konstant bestätigt.

Der Klub verteidigt diese Deals als "Kaderbreite", doch Tiefe ohne Integration ist Ballast – ein Kader voller Talente im Rotationsmodus, stagnierend und unerfüllt.

Doch was, wenn sie recht haben?

Verteidiger verweisen auf die Triple-Saison 2022/23 als Rechtfertigung. Sie argumentieren, dass die Bank mit Mahrez, Grealish und Alvarez jeden Titel sicherte. Stimmt, aber dieser Kader wurde durch Akademie-Absolventen wie Phil Foden und Rico Lewis ergänzt. Die aktuelle Einkaufsstrategie ist anders: Sie priorisiert Marktchancen über taktische Passung.

Zudem bedeuten die Financial-Fairplay-Regeln, dass jeder Einkauf durch Verkäufe gegenfinanziert werden muss. Citys Kreislauf – junge Spieler kaufen, verleihen, mit Gewinn verkaufen – ist ein tragfähiges Modell für die Bilanz, aber es baut kein Team auf. Es baut ein Portfolio auf.

Die Vernachlässigung der Akademie ist nicht nur ein fußballerischer Fehler, sondern auch ein philosophischer. Citys Jugendsystem sollte die Seele des Klubs sein, das Gegengewicht zu den Milliarden aus Abu Dhabi. Jetzt ist es ein Nachgedanke.

Wenn das Laufband stoppt

Bis Juni 2026 wird City seit Guardiolas Amtszeit über 1,5 Milliarden Pfund für Transfers ausgegeben haben, ohne dass dabei etwas herauskommt außer einem aufgeblähten Kader und sinkenden Erträgen in der Champions League. Der Titel entgleitet, die Akademie-Absolventen gehen, und die Kabine ist gespalten zwischen Söldnern und Aufstrebenden.

Konkret prognostiziere ich: City wird 2026 das Viertelfinale der Champions League verpassen und in der Premier League erstmals seit 2010 weniger als 75 Punkte holen. Sie werden ihren Fehler erkennen, aber erst nachdem Lescotts Prophezeiung erfüllt ist: Das Geld geht aus, und die Identitätskrise ist perfekt.

Eingeordnet unter: Meinung | LA Premier League Startseite