Die 115 Anklagen der Premier League gegen Manchester City haben nichts mit Fairness zu tun. Es geht um Macht.
Als Khaldoon Al Mubarak diese Woche sein Schweigen brach, verteidigte er nicht die Bilanzen von City. Er stellte das Recht der Premier League infrage, überhaupt über den Klub zu richten. Das ist der eigentliche Kampf: nicht der Regelverstoß, sondern die Souveränität.
Die Premier League erschuf dieses Monster – und verlor die Kontrolle.
Seit 2008 hat City über 2 Milliarden Pfund für Transfers ausgegeben, finanziert durch den schier unerschöpflichen Reichtum Abu Dhabis. Doch die Premier League hat sie hereingebeten. Die Klubs stimmten der Übernahme zu. Die Sender verkauften das Produkt. Citys Aufstieg brachte globale Zuschauerzahlen. Jetzt, konfrontiert mit 115 Anklagen, will die Liga rückwirkend Regeln durchsetzen, deren Einhaltung sie jahrelang nicht kontrolliert hat. Das ist wie ein Vermieter, der illegale Umbauten eines Mieters zehn Jahre lang ignoriert und dann den Abriss fordert.
Die Anklagen betreffen die Jahre 2009 bis 2018, eine Phase, in der City drei Titel gewann. Das eigene Regelwerk der Premier League war bei Transaktionen mit verbundenen Parteien vage formuliert. Die FFP-Regeln der UEFA wurden 2020 vom Internationalen Sportgerichtshof gekippt. Citys Anwälte werden argumentieren, dass die Anklage der Liga auf treibendem Sand gebaut ist.
Citys Verteidigung ist eine Verfassungsklage, kein Dementi.
Khaldoons Statement war bezeichnend: „Der Klub wird seine Unschuld beweisen.“ Er sagte nicht: „Wir haben die Regeln eingehalten.“ Er sagte, das Verfahren sei fehlerhaft. City hat bereits das Schiedsgericht der Premier League angefochten. Sie haben die Unabhängigkeit der Disziplinarkommission infrage gestellt. Sie kämpfen nicht gegen die Anklagen, sie kämpfen gegen den Schiedsrichter.
- Präzedenzfall: 2020 hob der CAS die zweijährige UEFA-Sperre auf und urteilte, dass „die meisten der behaupteten Verstöße entweder nicht nachgewiesen oder verjährt waren“. Citys Juristen wissen, wie man prozedurale Schwächen ausnutzt.
- Macht: Citys Besitzer, Scheich Mansour, ist stellvertretender Premierminister der VAE. Der Klub ist ein geopolitisches Gut. Die Premier League ist ein Zusammenschluss ihrer Mitglieder. Wer knickt zuerst ein?
- Timing: Ein Punktabzug in dieser Saison würde den Titel an Arsenal oder Liverpool schenken. Citys Einspruch würde sich bis 2026 ziehen. So oder so steht die Glaubwürdigkeit der Liga auf dem Spiel.
Das Gegenargument: City hat betrogen, die Liga muss handeln.
Die Premier League wirft City vor, Zahlungen an Spieler und Trainer verschleiert, Sponsoringverträge aufgebläht und die Zusammenarbeit verweigert zu haben. Wenn das bewiesen wird, ist es nicht nur ein Regelverstoß – es ist Betrug. Die unabhängige Kommission der Liga arbeitet seit Jahren an diesem Fall. Sie als Hexenjagd abzutun, heißt, die Beweise zu ignorieren.
Aber hier liegt das Problem: Die Premier League hat genau diese Sponsoringverträge genehmigt. Sie hat Citys Bilanzen abgesegnet. Sie ließ den Klub in der Champions League spielen. Die Liga ist kein Opfer, sie ist Komplizin. Und jetzt will sie einen Klub rückwirkend bestrafen, weil er Schlupflöcher genutzt hat, die sie selbst geschaffen hat. Das ist keine Gerechtigkeit, das ist ein Machtanspruch jener Klubs, die Citys Reichtum fürchten.
Fazit: City entgeht dem Punktabzug, und die Premier League zerbricht.
Meine Prognose: Manchester City wird in dieser Saison keinen Punktabzug erhalten. Der Fall wird beigelegt oder in den langen Appeals-Prozess verschoben. Aber der Schaden ist angerichtet. Die Marke „Fairness“ der Premier League ist tot. Klubs wie Newcastle und Aston Villa werden eine neue Einigung fordern. Die Big Six werden mit einer Abspaltung drohen. Und City wird weiter gewinnen – auf und neben dem Platz. Die einzige Frage ist, wer zuerst einknickt. Ich sage: die Premier League.
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