Man City in Mehrheit der 115 Anklagen schuldig – Premier League gewinnt Runde eins

Ein unabhängiges Gremium hat Manchester City in der Mehrheit der 115 Anklagen der Premier League für schuldig befunden. Das Urteil, das letzte Woche verkündet wurde, verschafft der Premier League einen frühen Vorteil im größten Disziplinarverfahren der Geschichte der höchsten englischen Spielklasse. City wird Berufung einlegen, und die Strafe ist noch unbekannt, sodass das Chaos weitergehen dürfte.

  • Urteil: Unabhängiges Gremium befindet City in der Mehrheit der 115 Anklagen für schuldig
  • Nächster Schritt: Manchester City wird Berufung einlegen
  • Strafe: Noch unbekannt
  • Verfahrensdauer: Details reichen 17 Jahre zurück
  • Schlüsselfiguren: Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan (Eigentümer), Khaldoon al-Mubarak (Vorsitzender), Garry Cook (ehemaliger Vorstandsvorsitzender), Simon Pearce (Direktor), Jorge Chumillas (ehemaliger Finanzvorstand)
  • Vorwürfe: Der-Spiegel-Vorwürfe über monetäre Zusatzleistungen an Abu-Dhabi-Sponsoren und Versuche, das Financial Fairplay zu umgehen

Die Schlüsselfiguren

Dr. Sulaiman Al-Fahim war das öffentliche Gesicht des Deals der Abu Dhabi United Group zum Kauf von Manchester City im Jahr 2008 und führte die Verhandlungen mit den damaligen Eigentümern. Später wurde er zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil er 5 Millionen Pfund von seiner Frau gestohlen hatte, um Portsmouth zu kaufen – einen Verein, dem er 2009 sechs Wochen lang gehörte.

Khaldoon al-Mubarak ist ein emiratischer Beamter, der mehrere hohe Positionen in der Regierung von Abu Dhabi innehat. Seit der Übernahme 2008 ist er Vorsitzender von Manchester City. Der 51-Jährige ist zudem Vorsitzender der City Football Group (CFG) – der Muttergesellschaft des Premier-League-Klubs.

Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan ist Vizepräsident und stellvertretender Premierminister der VAE und Mitglied der königlichen Familie von Abu Dhabi. Seit einer Übernahme für 200 Millionen Pfund im Jahr 2008 ist er Eigentümer von Manchester City. Der Spiegel behauptete 2018, Scheich Mansour habe bestehende Verträge mit Sponsoren in Abu Dhabi mit finanziellen Zusatzleistungen versehen, um mehr Geld in den Klub zu investieren.

Garry Cook wurde im Mai 2008 unter den damaligen Eigentümern zum Vorstandsvorsitzenden von Manchester City ernannt. 2012 trat er zurück, nachdem ihm vorgeworfen wurde, der Mutter des Verteidigers Nedum Onuoha eine E-Mail geschickt zu haben, in der er sie verspottete, weil sie sagte, sie sei von Krebs gezeichnet.

Simon Pearce ist seit 2008 Mitglied des Verwaltungsrats von Manchester City und leitender Berater der Executive Affairs Authority – der Regierungsbehörde von Abu Dhabi, die den Präsidenten der VAE, Mohamed bin Zayed Al Nahyan, berät. Er ist zudem stellvertretender Vorsitzender von Melbourne City FC – einem weiteren Klub der CFG.

Jorge Chumillas war Finanzvorstand von City. Der Spiegel behauptete, eine von Chumillas verfasste E-Mail eingesehen zu haben, die zeige, wie Clubvertreter diskutierten, wie ein Fehlbetrag von 9,9 Millionen Pfund im Jahr 2013 ausgeglichen und die FFP-Regeln umgangen werden könnten.

Die Zeitleiste: von der Übernahme zu den Anklagen

Ein blauer Mond geht auf

Die Ankunft von Robinho bei Manchester City für eine britische Rekordablöse am 1. September 2008 war ein Statement der Abu Dhabi United Group an dem Tag, an dem sie sich bereit erklärte, den Klub aus den Händen von Thaksin Shinawatra zu nehmen. Der Wechsel des Brasilianers veränderte das Gesicht des englischen Fußballs für immer. Real-Madrid-Präsident Ramon Calderon sagte über den 24-Jährigen: „Er ist ein großartiger Junge, aber schlecht beraten.“

Phil McNulty, Chef-Fußballautor von BBC Sport, schrieb, die neuen Eigentümer hätten „die etablierte Ordnung der Premier League mit einer Demonstration finanzieller Feuerkraft niedergewalzt, die Manchester United verblüffte und Chelsea geschunden und gedemütigt zurückließ“.

Dr. Sulaiman Al-Fahim sagte: „Wir haben wirklich tiefe Taschen. Unser Ziel ist es, diesen Fußballklub zu einem der besten nicht nur in England, sondern auch in der Welt zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es keine Grenzen.“

Doch als City im Sommer 2009 mehr als 100 Millionen Pfund investierte, Carlos Tevez von den Nachbarn Manchester United und Emmanuel Adebayor von Arsenal verpflichtete, wurde die UEFA zunehmend besorgt über die Finanzen ihrer Klubs. Von fast 650 Erstligisten in 53 Mitgliedsnationen stellte ein UEFA-Bericht fest, dass mehr als die Hälfte mit Verlust arbeiteten.

FFP hielt Einzug in den Fußballwortschatz. UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino sagte: „Die Regeln besagen im Grunde: ‚Du kannst nicht mehr ausgeben, als du erwirtschaftest.‘ Sie werden diejenigen belohnen, die nach den Regeln spielen und ein solides und nachhaltiges Geschäftsmodell haben.“ Der damalige Präsident Michel Platini sagte, die ab 2011 geltenden neuen Gesetze würden „finanzielles Doping“ ausmerzen.

Die Ernennung von Mark Hughes zum City-Trainer lag drei Monate vor den neuen Eigentümern, doch im Dezember 2009 war es Zeit, den Stecker zu ziehen. Sie hatten den Waliser in 18 Monaten mit Talenten im Wert von 200 Millionen Pfund unterstützt, trotz gescheiterter Angebote für John Terry, Samuel Eto’o und Kaka.

Roberto Mancini, der Hughes‘ letzten Auftritt von der Tribüne aus verfolgte, ersetzte ihn sofort und begann seine Amtszeit mit einem Boxing-Day-Sieg gegen Stoke City. City wurde von Tottenham Hotspur von der Champions-League-Qualifikation verdrängt. Angesichts von Gerüchten, City könnte sich von Mancini trennen, beteuerte Vorsitzender Khaldoon al-Mubarak, sein Job sei sicher. Mancini sagte: „Ich bin kein Magier und ich habe keinen Zauberstab.“

Laut dem Bericht von Der Spiegel von der Website Football Leaks, betrieben vom portugiesischen Whistleblower Rui Pinto, hatte Mancini ein zweites Einkommen. In einem angeblichen Versuch, die bevorstehenden FFP-Regeln der UEFA zu umgehen, wird behauptet, Mancini habe einen lukrativen Vertrag als Berater für Al Jazira Sports and Cultural Club in der Arabian Gulf League erhalten, der Scheich Mansour gehört, im Wert von 1,75 Millionen Pfund für mindestens vier Arbeitstage pro Jahr – mehr als sein jährlicher Basisvertrag bei City. Mancini hat ebenso wie Manchester City stets jegliches Fehlverhalten bestritten.

Nach einer weiteren sommerlichen Talentzufuhr von über 100 Millionen Pfund, mit Edin Dzeko, Mario Balotelli, Yaya Toure, David Silva und James Milner sowie den Verteidigern Jerome Boateng und Aleksandar Kolarov, besiegte Mancini United im FA-Cup-Halbfinale und beendete im Mai 2011 die Trophäendurst der Citizens. Stunden nachdem United seinen 19. Meistertitel geholt hatte und City erstmals für die Champions League qualifiziert war, besiegte Mancinis Team Stoke im Wembley-Stadion und gewann den ersten großen Titel seit dem League Cup 1976.

„Dies könnte ein Wendepunkt für uns sein“, behauptete der Trainer, als City-Spieler ihr eigenes Banner „00 Jahre“ enthüllten. „Ein blauer Mond geht auf“, hieß es auf einem weiteren Banner der erwartungsvollen Fans.

AGUEROOOOO

Nach einem Sommer, in dem die erste Trophäe seit 35 Jahren gefeiert wurde, begann City, sich auf das Leben in der Champions League vorzubereiten, während die FFP-Regeln der UEFA griffen. Klubs mussten ihre Bücher über Dreijahreszyklen ausgleichen, beginnend mit 2011/12, mit der ersten Frist 2013. Mit Verlusten von 123,3 Millionen Pfund in der vorangegangenen Saison hätte City gegen die neuen Richtlinien verstoßen. Die Strafe für Nichteinhaltung? „Die Atombombe ist ein Ausschluss vom europäischen Wettbewerb“, drohte die UEFA.

Was gesagt wurde

„Wir haben wirklich tiefe Taschen. Unser Ziel ist es, diesen Fußballklub zu einem der besten nicht nur in England, sondern auch in der Welt zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es keine Grenzen.“

— Dr. Sulaiman Al-Fahim, Frontmann der Übernahme durch die Abu Dhabi United Group 2008

„Er ist ein großartiger Junge, aber schlecht beraten.“

— Ramon Calderon, Präsident von Real Madrid, über Robinho

„Die Regeln besagen im Grunde: ‚Du kannst nicht mehr ausgeben, als du erwirtschaftest.‘ Sie werden diejenigen belohnen, die nach den Regeln spielen und ein solides und nachhaltiges Geschäftsmodell haben.“

— Gianni Infantino, UEFA-Generalsekretär, über Financial Fair Play

„Ich bin kein Magier und ich habe keinen Zauberstab.“

— Roberto Mancini, Trainer von Manchester City, über seine Jobgarantie

„Dies könnte ein Wendepunkt für uns sein.“

— Roberto Mancini, nach dem FA-Cup-Sieg 2011

„Ein blauer Mond geht auf.“

— Banner der Manchester-City-Fans

„Die Atombombe ist ein Ausschluss vom europäischen Wettbewerb.“

— UEFA, Drohung für FFP-Verstöße

Diese Zitate umrahmen die Erzählung, die zur aktuellen Krise geführt hat. Al-Fahims Angeberei von „tiefen Taschen“ und „keine Grenzen“ setzte den Ton für eine Ära beispielloser Ausgaben. Calderons Spitze, Robinho sei „schlecht beraten“, deutet die Skepsis an, mit der Citys neuer Reichtum aufgenommen wurde. Infantinos und Platinis FFP-Regeln sollten solche Exzesse eindämmen, und die „Atombombe“ der UEFA zeigt die Tragweite. Mancinis Dementis von Fehlverhalten, vom Klub wiederholt, bleiben zentral für Citys Verteidigung.

Die Zahlen

  • 115 – Anklagen der Premier League gegen Manchester City
  • 17 – Jahre der Details in der Zeitleiste des Falls
  • 200 Mio. £ – Übernahmegebühr von Scheich Mansour 2008
  • 100 Mio. £+ – Citys Ausgaben im Sommer 2009
  • 200 Mio. £ – Talentunterstützung unter Mark Hughes in 18 Monaten
  • 123,3 Mio. £ – Citys Verluste in der Saison vor 2011/12
  • 9,9 Mio. £ – Fehlbetrag, den Chumillas laut Bericht ausgleichen wollte
  • 1,75 Mio. £ – Mancinis angebliches Al-Jazira-Beraterhonorar für vier Arbeitstage pro Jahr
  • 650 – Erstligisten in 53 UEFA-Mitgliedsnationen
  • 1976 – letzte große Trophäe vor dem FA Cup 2011

Warum dieses Urteil für Citys Zukunft wichtig ist

Das Schuldurteil des unabhängigen Gremiums in der Mehrheit der Anklagen bringt Manchester City in beispielloses Terrain. Der sportliche Erfolg des Klubs – vom FA Cup 2011 bis zur Guardiola-Ära – wird nun von einem Fall überschattet, der in einem Ausschluss vom europäischen Wettbewerb enden könnte, wie die UEFA einst drohte. Der Berufungsprozess bedeutet, dass das endgültige Ergebnis Monate, wenn nicht Jahre dauern könnte, und lässt das Kräfteverhältnis der Premier League in der Schwebe.

Schlüsselfiguren wie Khaldoon al-Mubarak und Scheich Mansour sehen sich wegen ihrer Führung unter Druck. Das angebliche Beraterhonorar von 1,75 Millionen Pfund für Mancini und die E-Mail zum 9,9-Millionen-Pfund-Fehlbetrag sind nur zwei Details in einem komplexen Netz finanzieller Ingenieurskunst. Citys Verteidigung hat konsequent Fehlverhalten bestritten, doch das Urteil des Gremiums deutet darauf hin, dass die Premier League einen überzeugenden Fall aufgebaut hat.

Auf dem Platz könnte Citys Dominanz unter Pep Guardiola – dessen Jahre in der Quelle als „The Guardiola Years“ aufgeführt sind – anders in Erinnerung bleiben, wenn Sanktionen folgen. Die Trophäen kommen weiterhin, aber der juristische Druck ebenso.

Diskussionspunkte

  • Sollte Manchester City bei Bestätigung des Schuldspruchs mit Abstieg oder Punktabzug belegt werden, oder reichen eine Geldstrafe und ein Transferverbot für 115 Verstöße?
  • Das angebliche Beraterhonorar von 1,75 Millionen Pfund für Mancini und die E-Mail zum 9,9-Millionen-Pfund-Fehlbetrag – beweisen sie einen vorsätzlichen Täuschungsversuch gegenüber der UEFA oder sind es nur Buchhaltungspraktiken?
  • Da City Berufung einlegen wird: Ist der Sieg der Premier League in Runde eins bedeutsam, oder wird sich das Verfahren hinziehen, bis die Anklagen verjähren?
  • Beschmutzt dieses Urteil jede Trophäe, die City seit der Übernahme 2008 gewonnen hat, einschließlich des FA Cups 2011 und der Guardiola-Ära?

Was passiert als Nächstes

Manchester City wird gegen das Urteil des unabhängigen Gremiums Berufung einlegen. Die Strafe – die von einer Geldstrafe bis zu einem Ausschluss vom europäischen Wettbewerb reichen könnte – wird nach dem Berufungsprozess festgelegt. Die Premier League hat Runde eins gewonnen, aber die endgültige Entscheidung könnte Monate dauern. Citys nächstes Spiel und die Premier-League-Tabelle bleiben nebensächlich gegenüber dem juristischen Kampf, der die Zukunft des Klubs bestimmen wird.

Häufig gestellte Fragen

Wofür wurde Manchester City schuldig gesprochen?

Ein unabhängiges Gremium befand City in der Mehrheit der 115 Anklagen der Premier League für schuldig. Zu den konkreten Vorwürfen gehören angebliche Verstöße gegen FFP-Regeln und die Nichtkooperation mit der Premier League.

Wird Manchester City Berufung gegen das Urteil einlegen?

Ja, Manchester City wird Berufung einlegen. Der Klub hat stets jegliches Fehlverhalten bestritten, und der Berufungsprozess bedeutet, dass das endgültige Ergebnis und die Strafe unbekannt bleiben.

Welche Strafe könnte Manchester City drohen?

Die Strafe ist noch unbekannt. Die UEFA bezeichnete einst einen Ausschluss vom europäischen Wettbewerb als „Atombombe“ für FFP-Verstöße, aber das unabhängige Gremium der Premier League wird die Sanktion nach der Berufung festlegen.

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