Manchester Uniteds Akademie: Prunkstück, das keiner nutzt

Manchester Uniteds Jugendakademie ist ein Museumstück. Sie produziert exzellente Exponate, die niemand anfassen darf. Der Klub gibt 600 Mio. Euro für Transfers aus, während Eigengewächse auf Leihstationen vor sich hin dümpeln oder gewinnbringend verkauft werden. Das ist keine Inkompetenz. Es ist Strategie.

Eine Geschichte der Vernachlässigung im Traditionsmantel

Seit dem Rücktritt von Sir Alex Ferguson 2013 haben 27 Akademieabsolventen ihr Debüt im ersten Team gefeiert. Nur Marcus Rashford und Scott McTominay wurden zu Stammkräften. Der Rest – von James Wilson bis Angel Gomes – wurde verheizt oder unter Wert verkauft.

Im Vergleich zu Barcelonas La Masia oder Ajax' Jugendsystem: Diese Klubs bauen auf ihre Eigengewächse. United betrachtet die Akademie als Einnahmequelle: Ein Garner oder Tuanzebe für ein paar Millionen verkauft, dann 80 Mio. Euro für einen Jadon Sancho ausgegeben, der floppt. Die Zahlen sind vernichtend. Seit 2013 hat United rund 100 Mio. Euro mit Akademieverkäufen eingenommen, aber über 1,5 Mrd. Euro für Neuzugänge ausgegeben. Das wirkt wie bankrotte Geschäftsführung.

Das Argument: Status vor Substanz

Uniteds Transferstrategie priorisiert klangvolle Namen vor Passgenauigkeit. Man kauft den Star, nicht den Spieler, der ins System passt. Das ergibt eine Ansammlung individuell talentierter Teile, die kein stimmiges Puzzle ergeben.

  • Paul Pogba – kam für Weltrekordsumme, nie konstant, ging ablösefrei.
  • Romelu Lukaku – 75 Mio. Euro, zwei Saisons, für 65 Mio. an Inter verkauft. Eine Leihgebühr als Transfergewinn getarnt.
  • Harry Maguire – 80-Mio.-Innenverteidiger, der in einer hohen Kette nicht bestehen kann. United holte dann einen Trainer für hohes Pressing (Erik ten Hag) und einen anderen Innenverteidiger (Lisandro Martínez).
  • Antony – 86-Mio.-Flügel mit einem Trick, null Vorlagen in seiner zweiten Saison. Die Definition eines Panikkaufs.

Das sind keine Einzelfälle. Es ist ein Muster. United kauft Spieler nach Vermarktbarkeit und PowerPoint-Folien der Marketingabteilung. Die Fußballabteilung muss dann teure eckige Pflöcke in runde Löcher zwängen. Die Akademie schaut derweil von der Seitenlinie zu.

Gegenargument und Erwiderung

Das Gegenargument ist bekannt: United ist eine globale Marke, muss etablierte Stars kaufen, und Akademiespieler erreichen selten dieses Niveau. Doch das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Alejandro Garnacho und Kobbie Mainoo bewiesen 2023/24, dass Eigengewächse gedeihen können, wenn man ihnen vertraut. Garnacho traf per Fallrückzieher bei Everton, Mainoo dominierte das Mittelfeld an der Anfield Road. Beide waren einst Akademie-Altlasten.

Das eigentliche Problem: Uniteds erste Elf hat keine Identität. Seit Fergusons Abschied gab es fünf feste Trainer mit völlig unterschiedlichen Philosophien. Die Akademie schult für einen Stil – der Trainer will einen anderen. Die Jugendpipeline ist nicht wegen mangelnden Talents blockiert, sondern wegen fehlender Kontinuität. Bei Liverpool wurden Trent Alexander-Arnold und Curtis Jones mit klarer taktischer Perspektive entwickelt. In United weiß ein 17-Jähriger nicht, ob sein künftiger Boss 4-2-3-1 oder 3-4-3 spielen lässt.

Die jüngsten Schritte des Klubs bestätigen die Krankheit. Berichten zufolge jagt United einen 45-Mio.-Mittelfeldspieler und Sam Johnstone, einen 31-jährigen Torwart. Warum nicht Dan Gore aus der Akademie befördern oder Radek Vítek eine Chance geben? Weil Johnstone – ein ehemaliges United-Eigengewächs, die Ironie – zu holen sicherer ist. Es schützt den Job des Trainers. Aber es zerstört die langfristige Gesundheit des Klubs.

Fazit / Prognose

Bis 2026 werden Marcus Rashford, Scott McTominay und alle anderen Akademieabsolventen im ersten Team Old Trafford verlassen haben. Der Klub wird ein Museum teurer Fehlschläge sein, während Hannibal Mejbri und Omari Forson für Mittelklasse-Klubs der Premier League treffen. Die Glazers und Ineos werden dann eine Untersuchung in Auftrag geben, warum die Jugendabteilung nicht das erste Team füttert – und zu dem Schluss kommen, dass die Lösung heißt, weitere 100 Mio. Euro für einen Galaktischen auszugeben. Der Kreislauf geht weiter, bis der Klub aufhört, so zu tun, als sei die Akademie wichtig.

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