Profit and Sustainability Rules sind kein System der Gerechtigkeit; sie sind die feudale Steuer der Premier League.

Die letzten beiden Spielzeiten haben Punktabzüge von einer theoretischen Abschreckung zu einer operativen Realität werden lassen. Everton verlor sechs Punkte wegen überhöhter Verluste. Nottingham Forest wurden vier Punkte für dasselbe Vergehen abgezogen. Leicester City, neu aufgestiegen, wartet nervös. Doch während diese Klubs über Abschreibungspläne und zulässige Abzüge schwitzen, geben die Clubs mit Staatskapital weiter Geld aus, als wären die Regeln mit unsichtbarer Tinte geschrieben.

Die Kluft zwischen Buchstaben des Gesetzes und der Macht der Bilanz

Manchester Citys 115 Anklagepunkte sind noch nicht verhandelt. In der Zwischenzeit haben die Titelverteidiger Rekordeinnahmen von 712 Millionen Pfund gemeldet, angetrieben durch kommerzielle Deals, von denen Konkurrenten vermuten, dass sie durch Related-Party-Transaktionen aufgebläht sind. Ob die Ermittlungen der Liga Schuld nachweisen oder nicht, die Optik ist verheerend. City kann zwei Schlüsselspieler durch Langzeitverletzungen verlieren und einfach nachkaufen: im Winter holte man Máximo Perrone für 8 Millionen Euro, eine vernachlässigbare Summe für einen Klub mit den höchsten Gehältern der Liga. Everton hingegen musste Richarlison verkaufen, um die Bücher auszugleichen, bevor sie jemanden kaufen konnten.

Was die PSR tatsächlich bestraft

Die Regeln sollen die langfristige Überlebensfähigkeit der Klubs schützen, aber in der Realität zementieren sie die bestehende Hierarchie. Drei spezifische Verzerrungen im aktuellen System:

  • Stadioneinnahmen begrenzen organisches Wachstum: Klubs wie Crystal Palace oder Brentford können kein 60.000-Sitzer-Stadion aus dem Hut zaubern. Ihre Spieltagseinnahmen sind fix, während die kommerziellen Einnahmen der Top-Klubs durch globale Partnerschaften exponentiell wachsen, die kleinere Klubs nicht erreichen können. PSR gleicht dieses Spielfeld nicht aus; es friert es ein.
  • Related-Party-Sponsoring schafft ein paralleles Finanzuniversum: Newcastles 25-Millionen-Pfund-Deal mit Sela, einem Unternehmen mit Verbindungen zum saudi-arabischen Staatsfonds, könnte nach Fair-Value-Regeln angefochten werden, aber der Präzedenzfall von Citys Etihad-Deal zeigt, dass Klubs Wege finden, überhöhte Summen zu rechtfertigen. Der Bewertungsprozess der Liga ist undurchsichtig und uneinheitlich.
  • Punktabzüge treffen die Klubs, die es versuchen: Nottingham Forests Abzug kam, nachdem sie schwer in 22 Neuzugänge in zwei Transferfenstern investiert hatten. Die Strafe kam schnell. Chelsea hingegen amortisierte unter der Todd-Boehly/Clearlake-Ära die Kosten von 600 Millionen Pfund an Transfers über Achtjahresverträge, um innerhalb der PSR-Grenzen zu bleiben. Diese Lücke wurde inzwischen geschlossen, aber der Schaden – ein Kader, der gegen den Geist der Regeln zusammengestellt wurde – ist angerichtet.

Das Gegenargument: Regeln sind Regeln, wer sie bricht, zahlt

Es ist verlockend zu argumentieren, dass PSR nur ein regulatorischer Rahmen sei, neutral auf alle angewandt. Everton und Forest haben die Regeln gebrochen, also wurden sie bestraft. Wenn City schuldig gesprochen wird, droht ihnen Schlimmeres. Aber diese Perspektive ignoriert die strukturelle Asymmetrie. Die Staatsclubs haben Rechtsabteilungen, die jahrelang Anklagen bekämpfen können, und kommerzielle Strukturen, die auf Abruf Einnahmen generieren. Kleineren Klubs fehlt diese institutionelle Schlagkraft. Wenn eine unabhängige Kommission Everton Punkte abzieht, tut sie dies im Wissen, dass der Klub in der Premier League noch nie einen operativen Gewinn erzielt hat. Wenn sie City untersucht, nimmt sie es mit einem von den VAE unterstützten Unternehmen auf. Das Verfahren ist dasselbe; die Ressourcen sind es nicht.

Das Fazit: Der nächste prominente Abzug trifft einen Traditionsklub, kein Staatsprojekt

Meine konkrete Prognose für die nächsten zwölf Monate: Aston Villa wird der nächste Klub sein, dem ein Punktabzug droht, nicht Manchester City. Villas ambitionierte Ausgaben unter Unai Emery – netto 500 Millionen Pfund in vier Transferfenstern – haben ihre PSR-Grenzen ausgereizt. Mit den Champions-League-Einnahmen vor der Brust könnten sie gerade noch durchkommen, aber die Gefahr ist real. City hingegen wird seine 115 Anklagepunkte mit einer Geldstrafe und einem zur Bewährung ausgesetzten Abzug beilegen, da der Nachweis systematischen Betrugs schwierig ist. Die Regeln werden dann verschärft, aber nur für die nächste Welle von Herausforderern. Die finanzielle Bastille wurde gestürmt, aber die Einzigen, die befreit wurden, waren die, die bereits die Schlüssel hatten.

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