Scott McTominay ist seit letzter Saison der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Premier League – und das ist kein Kompliment für Manchester United

Der Schotte hat seit August 2023 zwölf Premier-League-Tore erzielt, mehr als jeder andere zentrale Mittelfeldspieler der Liga. Dennoch setzt ihn Trainer Erik ten Hag konsequent als defensiven Abräumer oder Einwechselspieler ein. Das ist kein Zufall, sondern eine taktische Blindstelle.

Die Geschichte des „Shadow Strikers“ im Mittelfeld ist voll von Außenseitern, die ihre Nische fanden

Von Frank Lampard beim FC Chelsea bis zu Aaron Ramsey bei Arsenal: Die Kunst des spät einlaufenden Mittelfeldspielers war einst eine gepflegte Spezialität. McTominays Expected Goals (xG) pro 90 Minuten von 0,18 platzieren ihn im 90. Perzentil aller Premier-League-Mittelfeldspieler. Lampards Bestwert lag bei 0,22, Ramseys bei 0,16. McTominay agiert auf absolutem Topniveau, doch sein Team behandelt ihn wie einen Lückenbüßer.

Ein Blick auf die Daten: McTominay kommt auf durchschnittlich 2,3 Schüsse pro 90 Minuten, davon 1,1 im Strafraum. Zum Vergleich: Manchester Citys Julian Alvarez – ein gelernter Stürmer – kommt auf 2,5 Schüsse pro 90 Minuten. McTominays Abschlusseffizienz von 22 Prozent liegt über der jedes United-Stürmers im selben Zeitraum.

Manchester Uniteds Mittelfeld-Struktur unterdrückt McTominays größte Stärke

Ten Hags System verlangt von seinen Achtern entweder aggressives Pressing oder tiefes Stehen, um die anfällige Abwehr zu schützen. McTominay soll beides tun, aber niemals frei umherschweifen. Die Folge: Ein Spieler, der nur in chaotischen Phasen trifft – wenn er die Anweisungen ignoriert –, anstatt durch kluge Taktik.

  • In der Saison 2023/24 erzielte McTominay sieben Tore in 27 Einsätzen, viele davon als Joker. Seine Minuten-pro-Tor-Quote (152) war besser als die von Rasmus Højlund (171) und Marcus Rashford (198).
  • Von seinen zwölf Ligatoren seit letzter Saison entstanden zehn durch Läufe hinter den Stürmer – die klassische Shadow-Striker-Bewegung. Nur eines fiel nach einer Standardsituation.
  • Wenn McTominay als Zehner startet (selten), zeigt seine durchschnittliche Position, dass er mehr Zeit im Strafraum verbringt als Bruno Fernandes. United erzielte in diesen Spielen 1,8 Tore pro Partie, im Vergleich zu 1,2, wenn er defensiver agiert.

Die Beweislage ist eindeutig: McTominay ist eine Torgefahr, wenn man ihm Freiheiten gibt, doch Ten Hags taktischer Konservatismus fesselt ihn.

Das Gegenargument – McTominay fehle die technische Klasse für eine offensivere Rolle – hält einer Überprüfung nicht stand

Kritiker verweisen auf seine Passquote (83 Prozent) und Ballbehauptung unter Druck. Doch seine Passgenauigkeit im letzten Drittel liegt bei 79 Prozent, und seine progressiven Pässe pro 90 Minuten (4,1) sind gleichauf mit James Maddison. Das eigentliche Problem ist nicht die Fähigkeit, sondern die Rolle. McTominays Defensivarbeit – Tacklings (1,8 pro 90), Interceptions (0,9) – ist solide, aber nicht herausragend. Ten Hag priorisiert defensive Stabilität über offensive Impulse aus dem Mittelfeld, weshalb er auf das biedere Duo Casemiro und Christian Eriksen setzt.

Doch die Zahlen zeigen: United kassiert nur 0,1 Tore mehr pro Spiel, wenn McTominay als Achter statt als Zehner spielt. Das defensive Opfer ist vernachlässigbar, der offensive Gewinn enorm.

McTominay wird Old Trafford im Sommer verlassen und für einen Mittelfeldklub 15 Tore erzielen – und Ten Hags Unfähigkeit zur Anpassung beweisen

Juventus zeigt laut aktuellen Berichten Interesse. Wechselt er nach Italien, ist eine Renaissance ähnlich wie bei Ramsey bei Juventus zu erwarten – bis zur Verletzung. In der Premier League könnten Klubs wie Aston Villa oder West Ham ihn entfesseln. Meine Prognose: In seiner ersten vollen Saison außerhalb von Manchester United wird McTominay mindestens zwölf Ligatore erzielen – mehr als in jeder einzelnen Spielzeit unter Ten Hag.

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