Nottingham Forests Doppelsechs: eine taktische Zeitbombe

Mittelmäßigkeit im Tabellenmittelfeld ist kein Verbrechen, aber Nottingham Forests anhaltende Defensivschwäche im Mittelfeld ist eine selbst zugefügte Wunde, die auch durch hohe Sommerausgaben nicht leicht zu heilen ist. Die löchrigste Doppelsechs der Liga sabotiert leise die Hoffnungen auf den Klassenerhalt.

Die Anatomie eines fehlerha Fundaments

Nuno Espírito Santos Vorliebe für ein 4-2-3-1 verlangt eine disziplinierte, athletische Doppelsechs, um die Viererkette abzusichern und Konter einzuleiten. Doch Forests aktuelles Duo Ryan Yates und Ibrahim Sangaré bietet weder ausreichende Absicherung noch progressives Passspiel. Laut Opta belegt Forest Platz 16 in der Liga bei Tacklings im mittleren Drittel und Platz 18 bei Abfangpässen – das lässt die Innenverteidiger schutzlos zurück.

Historisch gesehen kombinieren Teams, die den Abstiegskampf überleben, einen Zerstörer mit einem tief stehenden Spielmacher – man denke an Danny Drinkwater und N'Golo Kanté bei Leicester. Forest fehlt sowohl ein echter Balleroberer als auch ein metronomer Passgeber in derselben Elf.

Die strukturelle Schwäche

Das Kernproblem: Yates und Sangaré besetzen ähnliche Zonen – beide bleiben gerne tief und gehen in Zweikämpfe, anstatt das Feld horizontal aufzuteilen. Das führt zu drei spezifischen Schwachstellen:

  • Anfälligkeit für schnelle Angriffe durch die Mitte: Gegner nutzen den Raum zwischen den beiden Mittelfeldspielern mit einem einfachen Pass in die Tiefe.
  • Unfähigkeit, Pässe auf den Zehner abzuschirmen: Kreative Spieler wie James Maddison oder Eberechi Eze tauchen in der Lücke auf und drehen sich unbedrängt.
  • Mangel an linienbrechenden Pässen zu den Stürmern: Forests Mittelfeldspieler kommen im Schnitt auf unter 5 progressive Pässe pro 90 Minuten, was Morgan Gibbs-White zwingt, sich fallen zu lassen – und seine Gefahr nimmt ab.

So ist Forests Abwehr bei Kontern ständig in Unterzahl – ein fataler Fehler in einer Liga, die von Umschaltmomenten lebt.

Das Gegenargument – und seine Haken

Manche argumentieren, Nuno priorisiere defensive Stabilität über Offensivdrang, und die begrenzte Kreativität der Doppelsechs sei ein bewusster Kompromiss. Aber wenn der vermeintliche Schutzschild nicht schützt – Forest hat 50 Gegentore aus dem Spiel heraus kassiert, zweitmeiste der Liga –, bricht der Deal in sich zusammen. Die Doppelsechs schützt weder, noch schafft sie Impulse. Sie ist eine taktische Todeszone, die Gegner längst mit einfachen Doppelpässen oder dritten Läufern umgehen.

Hinzu kommt: Forests Unfähigkeit, den Ball zu halten, verschärft das Problem. Mit einer Passquote von nur 73 Prozent im Mittelfeld gibt das Team den Ball zu leicht her und lädt so Gegner ein. Das ist nicht Pragmatismus, sondern Lähmung.

Fazit: Nuno muss sich entscheiden

Bis April wird Nuno entweder einen von Yates oder Sangaré für einen beweglicheren Abräumer wie Danilo fallen lassen, oder Forest steckt im April fest im Tabellenkeller, wenn der Spielplan grausam wird. Die Beweislage deutet darauf hin, dass die Doppelsechs im Abstiegskampf nicht koexistieren kann – ohne ein radikales taktisches Umdenken, das Nuno bisher verweigert.

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