Vergessen Sie den Hype um John Stones: Der technisch kompletteste Innenverteidiger der Premier League spielt für Crystal Palace.

Maxence Lacroix revolutioniert leise die Rolle des Innenverteidigers im Selhurst Park, während die Fußballwelt auf die alternden Stars von Manchester City und die Übergangslösungen des FC Arsenal schaut. Die Zahlen sind beeindruckend: Lacroix gehört zu den besten fünf Prozent aller Innenverteidiger bei Pässen ins letzte Drittel, progressiven Dribblings und Pressingaktionen in der gegnerischen Hälfte. Er ist nicht nur Verteidiger, sondern ein aus dem Abseits agierender Spielmacher im Körper eines bulligen Franzosen.

Lacroix verkörpert einen taktischen Archetyp, den die Premier League seit Rio Ferdinand in Bestform nicht mehr gesehen hat.

Ferdinands Fähigkeit, mit dem Ball aus der Abwehr herauszutreten, Angriffe einzuleiten und mit seinem Tempo Gefahr zu entschärfen, definierte die Position in den 2000er Jahren neu. Moderne Innenverteidiger werden oft in zwei Kategorien eingeteilt: ballverteilende Spieler wie Virgil van Dijk oder körperliche Monster wie Antonio Rüdiger. Lacroix vereint beides. Seine 6,2 progressiven Pässe pro 90 Minuten (Top 8% unter den Premier-League-Innenverteidigern) und 2,4 Dribblings ins letzte Drittel (Top 4%) erinnern an einen jungen Ferdinand, aber seine 3,8 Tacklings und Interceptions pro 90 Minuten (Top 6%) belegen eine defensive Härte, die unter ballspielenden Verteidigern selten ist.

Dennoch bleibt Lacroix unterbewertet. Crystal Palace zahlte 2024 18 Millionen Pfund an Wolfsburg; jetzt liegt die Ablöseforderung bei 55 Millionen, während Chelsea und Arsenal Interesse zeigen. Die Diskrepanz zwischen seiner Leistung und der Marktbewertung ist frappierend. Ein Grund dafür sind Palaces Mittelfeldplatzierungen – ein klassischer blinder Fleck, bei dem Top-Spieler übersehen werden, weil das Team nur Mittelmaß ist. Die taktischen Daten erzählen jedoch eine andere Geschichte: Palace kassiert 1,8 Gegentore weniger pro 90 Minuten, wenn Lacroix spielt. Er ist der Dreh- und Angelpunkt in allen Spielphasen.

Lacroix' wahres Genie liegt in seiner Fähigkeit, drei verschiedene defensive Rollen innerhalb eines Spiels auszufüllen – oft in derselben Aktion.

  • Als hoch pressender Innenverteidiger rückt Lacroix ins Mittelfeld, um Passwege zuzustellen, und gewinnt 2,1 Tacklings im gegnerischen Drittel pro 90 Minuten – eine Rate, die ihn in die Top 3% der Verteidiger katapultiert. Dieses Pressing stört den Aufbau des Gegners und erzwingt Ballverluste in der gegnerischen Hälfte.
  • Als Ausputzer in Umschaltsituationen deckt er mit seiner Geschwindigkeit (34,2 km/h) weite Räume ab und macht Konter zunichte. Im Schnitt klärt er 1,4 Mal pro 90 Minuten außerhalb des eigenen Strafraums – ein Zeichen seiner proaktiven Defensive.
  • Als Ballvortreiber im geordneten Angriff spielt Lacroix 5,1 linienbrechende Pässe pro 90 Minuten, oft unter Umgehung des Mittelfelds direkt zu den Flügelstürmern. Dieser direkte Stil verwandelt Palace von einer Mannschaft, die sichere Seitenpässe spielt, in eine, die mit vertikalem Tempo angreift.

Diese Eigenschaften erklären, warum Chelsea und Arsenal um ihn buhlen. Chelseas Abwehr, die derzeit auf die Cleverness von Thiago Silva, aber nachlassende Athletik angewiesen ist, braucht Lacroix' Dynamik. Arsenal hingegen sucht einen langfristigen Partner für William Saliba, der sowohl tief verteidigen als auch bei Bedarf aufrücken kann. Lacroix ist genau dieser Spieler – aber nur, wenn er Palace verlässt, was droht, falls die Europa League-Qualifikation verpasst wird.

Kritiker wenden ein, dass Lacroix' Zahlen durch Palaces Defensivsystem geschönt seien und er nicht Woche für Woche gegen Top-Teams spiele.

Es stimmt, dass Palace unter Oliver Glasner tiefer steht als viele Top-Mannschaften (42% Ballbesitz im Schnitt). Das erhöht Lacroix' Defensivaktionen künstlich, da er mehr Gelegenheiten zu Abwehr und Abfangen hat. Doch in großen Spielen bleibt sein Leistungsniveau konstant. Gegen Manchester City in dieser Saison verbuchte Lacroix elf Klärungen, vier Tacklings und 91% Passgenauigkeit unter Druck. Gegen den FC Liverpool gelangen ihm acht Interceptions und eine 100%-Tacklingquote. Das sind nicht die Zahlen eines Systemspielers; das ist die Leistung eines Elite-Akteurs, der in wichtigen Spielen abliefert. Der Vorwurf, er habe sich bei einem Spitzenklub noch nicht bewährt, übersieht seine Bundesliga-Erfahrung bei Wolfsburg, wo er regelmäßig gegen Bayern und Dortmund spielte. Seine Anpassung an die Premier League verlief nahtlos, und seine Daten deuten auf weitere Steigerung hin, sobald er von besseren Mitspielern profitiert, die seine Passreichweite nutzen.

Bis zum Ende der Saison 2025/26 wird Maxence Lacroix weithin als bester Verteidiger der Premier League anerkannt sein – und Crystal Palace wird bereuen, die Ablöseforderung nicht noch höher angesetzt zu haben.

Wenn Chelsea oder Arsenal ihn im Januar verpflichten, wird sich ihre Defensivbilanz sofort verbessern – um mindestens 0,5 Gegentore pro Spiel. Sollte Palace ihn über den Sommer hinaus halten und er diese Entwicklung fortsetzt, wird sein Preis auf über 80 Millionen Pfund steigen. Lacroix ist kein Geheimtipp, sondern eine taktische Revolution, die nur auf die richtige Bühne wartet. Die einzige Frage ist, welcher Klub klug genug ist, seine Zukunft auf ihn zu bauen.

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