Xabi Alonso und der Chelsea-Umbau: Das Bayer-Leverkusen-Rezept

Mit der Verpflichtung von Xabi Alonso als Cheftrainer beginnt bei Chelsea eine neue Ära. Der Spanier, der Bayer Leverkusen von einem Mittelfeld-Team zum Titelanwärter formte, soll nun einen Kader wiederbeleben, der in der vergangenen Saison nur Zwölfter wurde. Sein Ansatz in Leverkusen liefert klare Lehren für den Umbau der Blues.

Alonsos taktische Philosophie: Ballbesitz mit Ziel

In Leverkusen ließ Alonso im 3-4-2-1-System spielen, das auf kontrolliertem Ballbesitz und Vertikalität basierte. Seine Mannschaft hatte im Schnitt 58 Prozent Ballbesitz in der Bundesliga, lag aber vor allem bei den Pässen ins letzte Drittel auf Platz zwei. Chelsea hingegen tat sich schwer, das Spiel effizient nach vorne zu bringen, und verlor sich oft in Querpässen im Mittelfeld.

Alonsos System lebt von einem tief stehenden Spielmacher, der das Tempo vorgibt. In Leverkusen übernahm Granit Xhaka diese Rolle und spielte unter Druck 90 Prozent seiner Pässe an. Chelsea hat mit Enzo Fernández eine ähnliche Option, dessen Passspiel zu Alonsos Anforderungen passt. Der Argentinier kann mit schnellen Seitenwechseln die Flügelspieler in Szene setzen.

Hohes Pressing und defensive Organisation

Ein weiteres Markenzeichen von Alonsos Leverkusen war das aggressive Gegenpressing. 15 Mal pro Spiel eroberten sie den Ball innerhalb von fünf Sekunden nach Ballverlust zurück – ligaweit Platz drei. Dieser aktive Ansatz verkürzte die Zeit des Gegners am Ball und führte zu Ballgewinnen in gefährlichen Zonen. Chelseas Pressing war zuletzt zusammenhanglos, Rang 14 bei Ballgewinnen in der gegnerischen Hälfte. Alonsos taktische Disziplin wird eine bessere Abstimmung der Stürmer fordern.

Defensiv kassierte Leverkusen nur 28 Gegentore in 34 Spielen – die zweitbeste Bilanz. Alonsos Dreierkette stand kompakt, die Schienenspieler gaben Breite, fielen aber bei Ballverlust in eine Fünferkette zurück. Chelseas Abwehr, die in der Vorsaison 47 Gegentore hinnehmen musste, braucht deutliche Verbesserung. Die Verpflichtung eines neuen Keepers – Robert Sánchez oder ein Neuzugang – wird entscheidend sein.

Lehren aus Leverkusen: Kaderumbau und Spielerentwicklung

Alonso übernahm eine Leverkusener Mannschaft, die Sechster geworden war, und formte sie innerhalb von zwei Spielzeiten zum Meisterschaftsanwärter. Er förderte Talente und belebte erfahrene Spieler neu. Jeremie Frimpong und Florian Wirtz blühten unter ihm auf – Wirtz erzielte wettbewerbsübergreifend 12 Tore und 17 Vorlagen. Chelseas Talente wie Cole Palmer und Noni Madueke könnten einen ähnlichen Weg gehen.

Eine wichtige taktische Anpassung in Leverkusen: Alonso ließ seine Außenverteidiger im Ballbesitz ins Mittelfeld einrücken, um zahlenmäßige Überlegenheit zu schaffen. Chelseas Reece James könnte in dieser Rolle glänzen, mit defensiver Stabilität und offensivem Drang. Alonsos Vorliebe für zwei Stürmer oder eine flexible Dreierspitze deutet darauf hin, dass die Blues nicht mehr allein auf Nicolas Jackson setzen werden.

Transfer-Fahrplan

Chelsea hat in den letzten drei Transferfenstern über eine Milliarde Pfund ausgegeben, der Kader bleibt aber unausgewogen. Alonso wird wohl einen erfahrenen zentralen Mittelfeldspieler (vergleichbar mit Xhaka) und einen torgefährlichen Stürmer fordern. Die Klubführung hat Trainer bislang großzügig unterstützt, doch Geduld ist nötig. Alonsos Ruf, Spieler zu verbessern, deutet darauf hin, dass kluge Transfers statt Blockbuster-Einkäufe den Sommer prägen könnten.

Finanziell muss Chelsea zudem die Financial Fair Play-Regeln einhalten, nach Verlusten von 121 Millionen Pfund. Das könnte die Ausgaben begrenzen – die Fähigkeit, vorhandene Talente zu fördern, wird umso wichtiger. Falls die Bosse auf Alonsos Urteil vertrauen, könnte ein gezielteres Vorgehen mehr Erfolg bringen als bisherige Streueinkäufe.

Ausblick: Langfristiges Projekt mit sofortigen Erwartungen

Alonsos Chelsea-Umbau wird Zeit brauchen, doch erste Anzeichen seiner Methoden sollten in der Vorbereitung zu sehen sein. Der Spielplan bietet einen Härtetest: In den ersten fünf Wochen warten Manchester City und Tottenham. Alonso muss seine Prinzipien schnell verankern, um einen erneuten Fehlstart wie in der Vorsaison zu vermeiden, als Chelsea drei der ersten sechs Spiele verlor.

Die Fans, unter Roman Abramowitsch an Erfolge gewöhnt, müssen ihre Erwartungen vielleicht zurückschrauben. Alonsos Projekt in Leverkusen brauchte 18 Monate, um voll zu greifen. In Chelsea herrscht eine ungeduldigere Atmosphäre, aber auch mehr Budget. Gelingt es ihm, seine taktischen Innovationen und sein Personalmanagement zu übertragen, könnten die Blues binnen zwei Spielzeiten in die Top Vier zurückkehren.

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