Wolves sind kein schlechtes Team – sie sind ein Team mit einem fatalen Makel

Der Klassenerhalt der Wolves in der Premier League wird von einem Mittelfeld untergraben, das statistisch zu den schlechtesten der Liga gehört – doch einzelne Glanzmomente kaschieren einen strukturellen Kollaps, der nur auf seinen Ausbruch wartet.

Die Illusion der Kontrolle

In der Saison 2022/23 beendeten die Wolves die Spielzeit auf Platz 13 mit 41 Punkten, vor allem dank eines späten Aufschwungs unter Julen Lopetegui. Im Sommer verkauften sie Kapitän Ruben Neves für 47 Millionen Pfund zu Al-Hilal und Matheus Nunes für 53 Millionen Pfund zu Manchester City. Die Nachfolger – João Gomes, Tomás Doyle und Boubacar Traoré – waren jünger, günstiger und angeblich dynamischer. Doch ihnen fehlte die metronomische Präsenz eines Neves, der sechs Jahre lang der Herzschlag der Mannschaft war.

Unter Gary O'Neil pendelten die Wolves zwischen einem 3-5-2 und einem 4-2-3-1, doch das Mittelfeld wurde konstant überrannt. In der Saison 2023/24 kassierten sie 65 Gegentore – der neuntschlechteste Wert der Liga – und ihr Expected Goals Against (xGA) von 61,2 war der achthöchste. Die Unfähigkeit des Mittelfelds, die Abwehr zu schützen, war ein wiederkehrendes Thema. Im Januar 2024 verloren sie 3:0 zu Hause gegen Brighton, wobei das Mittelfeld der Seagulls um Gross, Gilmour und Baleba 62 Pässe im letzten Drittel spielte – der höchste Wert eines Auswärtsteams im Molineux in dieser Saison.

Passiv ohne Ballbesitz

Das Mittelfeld der Wolves ist passiv ohne Ballbesitz, langsam im Zulaufen und leicht zu überspielen. Die Zahlen zeichnen ein vernichtendes Bild:

  • Die Wolves liegen laut FBref in der Premier League bei den Pressures pro Spiel auf Rang 18 (142,3) – nur Sheffield United und Burnley sind schlechter.
  • Sie lassen Gegnern 12,4 Pässe pro Defensivaktion (PPDA) zu – der drittschlechteste Wert der Liga, ein Hinweis auf fehlende Pressingintensität.
  • Ihre Mittelfeldspieler gewinnen nur 48,2 Prozent ihrer Duelle – der viertniedrigste Wert der Liga.
  • Sie werden pro Spiel 9,8-mal ausgedribbelt – der fünfthöchste Wert der Liga.

Diese Statistiken offenbaren ein Mittelfeld, das weder effektiv presst noch tief steht, um die Viererkette zu schützen. Es ist ein Niemandsland, das Gegner mit Leichtigkeit ausnutzen. Bei einer 1:4-Heimniederlage gegen Manchester United im Februar 2024 fanden Bruno Fernandes und Kobbie Mainoo immer wieder Lücken zwischen den Linien und kamen zusammen auf 5 Key-Pässe und 2 Vorlagen.

Das Gegenargument und die Widerlegung

Das Gegenargument lautet, das Mittelfeld der Wolves sei jung und in der Entwicklung, und Spieler wie João Gomes und Boubacar Traoré hätten bereits Glanzmomente gezeigt. Gomes insbesondere war ein Lichtblick mit seiner Zweikampfhärte und seinem Ballvortrieb. Doch sich auf Einzelmomente zu verlassen, ist keine nachhaltige Strategie. Die Daten zeigen: Fehlt Gomes, kollabiert das Mittelfeld der Wolves vollständig. In den vier Spielen, die er 2023/24 wegen einer Sperre verpasste, kassierten die Wolves 10 Gegentore und holten nur einen Punkt. Zudem sind die strukturellen Probleme des Mittelfelds keine Frage des Alters, sondern der taktischen Anweisung. O'Neils Vorliebe für einen tiefen Block und Konterfußball bedeutet, dass das Mittelfeld oft isoliert wird und gezwungen ist, große Räume ohne Unterstützung zu decken. Das ist ein Trainerproblem, kein Personalproblem.

Fazit: Die Wolves steigen ab, wenn sie das nicht beheben

Die Wolves steigen ab, wenn sie im Januar-Transferfenster keinen defensiv kompetenten Mittelfeldspieler verpflichten. Konkret: Gelingt es ihnen nicht, einen Spieler zu holen, der bei Pressures, Interceptions und gewonnenen Duellen unter den Top 20 Prozent der Premier-League-Mittelfeldspieler liegt, werden sie unter den letzten drei landen. Die Beweislage ist eindeutig: Ihr aktuelles Mittelfeld ist eine tickende Zeitbombe, die unter dem Druck eines Abstiegskampfs explodieren wird. Die Zeit für Flickschusterei ist vorbei.

Rubrik: Taktikanalyse | LA Premier League Home