Wesley Fofana ist Chelseas wichtigster Spieler – und der Fehlschuss im Carabao Cup beweist es.

Als Wesley Fofanas Strafstoß auf dem Rasen von Anfield aufkam und wegprallte, war die Schlagzeile sofort gesetzt: Chelseas fragiler Franzose hatte seinem Team die Partie gekostet. Ein vorschnelles Urteil. Fofana war über 120 Minuten der beste Verteidiger auf dem Platz, und sein Fehlschuss war nur der Moment, in dem der Scheinwerfer endlich einen Spieler traf, der die ganze Saison im Schatten agiert hat.

Die Kunst des unsichtbaren Verteidigens

Es gibt eine lange Tradition von Abwehrspielern, deren Wert erst in ihrer Abwesenheit erkannt wird. Virgil van Dijks frühe Jahre beim FC Liverpool waren davon geprägt, was er verhinderte, nicht was er produzierte. Fofana gehört in diese Reihe. Seit seinem Wechsel zu Chelsea 2022 wurde seine Verletzungshistorie als Argument gegen ihn benutzt, doch wenn fit, ist er still und leise der zuverlässigste Baustein in Enzo Marescas Abwehrkette geworden.

In der vergangenen Saison kassierte Chelsea 1,2 Gegentore pro Spiel mit Fofana in der Startelf und 1,7 ohne ihn. Dieses Gefälle ist kein Zufall. Sein Tempo im Rückwärtslaufen erlaubt Chelsea eine höhere Abwehrlinie, sein Stellungsspiel erstickt Gegenstöße im Keim, und seine Spieleröffnung unter Druck gehört statistisch zur Ligaspitze. Dennoch wird er selten im selben Atemzug mit William Saliba oder Cristian Romero genannt.

Das Plädoyer für Fofana als Chelseas Abwehrpfeiler

Fofanas wahrer Wert liegt in den Details, die es nicht in die Highlights schaffen. Er ist der Anti-Gallas: ein Verteidiger, der den Ball gewinnt, ohne sich hineinzustürzen, der seinen Nebenmann absichert statt nach persönlicher Gloria zu jagen. Marescas System verlangt einen Verteidiger, der in breiten Zonen eins gegen eins verteidigen kann – eine Folge der eingerückten Außenverteidiger – und Fofanas Erfolgsquote in diesen Duellen ist Spitzenklasse.

  • Beim 1:1 in Anfield brachte Fofana 94 Prozent seiner Pässe an den Mann und klärte siebenmal, öfter als jeder andere Chelsea-Spieler.
  • Seine Zweikampfquote (78 Prozent) ist höher als die jedes Chelsea-Verteidigers, der in dieser Saison mehr als fünf Ligaspiele von Beginn an bestritten hat.
  • Als Fofana im November gegen Brighton zur Halbzeit ausgewechselt wurde, verdoppelten sich Chelseas erwartete Gegentore in der zweiten Halbzeit.

Und was ist mit den Fehlern?

Das Gegenargument liegt auf der Hand: Fofana leistet sich Fehler mit großer Öffentlichkeitswirkung. Sein verschossener Elfmeter in Anfield war der jüngste. Auch beim Gegentor gegen Newcastle im Oktober war er beteiligt. Doch Fußball ist kein Spiel der Null-Fehler; es ist ein Spiel der Nettobeiträge. Fofanas Fehler bleiben im Gedächtnis, weil sie selten sind – doch sie werden dadurch verstärkt, dass er in einem Team spielt, dessen Struktur die Verteidiger schutzlos lässt.

Chelseas Mittelfeld schirmt die Viererkette trotz aller technischen Qualität nicht effektiv ab. Fofana muss oft in Situationen verteidigen, in denen der Gegner im Umschaltspiel in Überzahl ist. Das ist ein systemisches Problem, kein individuelles Versagen. Fofana für die Folgen eines taktischen Bauplans verantwortlich zu machen, heißt das Spiel falsch zu lesen.

Das Fazit: eine Prognose

Am Ende der Saison wird Wesley Fofana als Chelseas wertvollster Verteidiger anerkannt sein, und seine Abwesenheit – sollte sie durch Verletzung oder Sperre eintreten – wird mit einem messbaren Rückgang von Chelseas Punkten pro Spiel einhergehen. Konkret: Startet Fofana in weniger als 25 Ligaspielen, wird Chelsea außerhalb der Top vier landen. Startet er in mehr als 30, qualifiziert sich das Team für die Champions League. Der Scheinwerfer wird ihn irgendwann finden; das smarte Geld ist bereits dort.

Rubrik: Meinung | LA Premier League Startseite