Uefa-Bericht: Premier League dominiert den europäischen Transfermarkt
Die Uefa hat ihren Bericht zur europäischen Klub-Talent- und Wettbewerbslandschaft veröffentlicht. Demnach haben die Premier-League-Klubs in diesem Sommer schätzungsweise 4,6 Milliarden Euro (4 Milliarden Pfund) ausgegeben – mehr als die nächsten acht größten europäischen Länder zusammen. Andrea Traverso, Uefas Finanzdirektor, warnt, der Trend nähre die Sorge vor einem Zwei-Klassen-Markt.
- Gesamtausgaben: Premier-League-Klubs gaben in diesem Sommer schätzungsweise 4,6 Mrd. Euro (4 Mrd. Pfund) aus – mehr als die nächsten acht größten europäischen Länder zusammen.
- Durchschnittliche Ablöse: Englische Klubs zahlten rund 24 Mio. Euro (20,7 Mio. Pfund) pro Zugang, verglichen mit 4–5 Mio. Euro (3,4–4,3 Mio. Pfund) in anderen großen europäischen Ligen.
- Marktanteil: Englische Klubs waren an über 60 % aller Transfergeschäfte beteiligt.
- Inländische Transfers: Wechsel zwischen Premier-League-Klubs stiegen um 44 % auf 1,55 Mrd. Euro (1,33 Mrd. Pfund) – so viel wie die nächsten fünf Marktströme zusammen.
- Große Transfers: Deals über 50 Mio. Euro stiegen von 14 im Sommer 2024 auf 23 im Jahr 2025 und dann 35 im Jahr 2026, wobei 29 Premier-League-Klubs betrafen.
- Akademie-Verkäufe: Europäische Klubs erzielten schätzungsweise 6,8 Mrd. Euro (5,85 Mrd. Pfund) Gewinn aus dem Verkauf von Akademiespielern – ein Plus von 655 Mio. Euro (564 Mio. Pfund) gegenüber 2025.
Was gesagt wurde
„Die Transferwerte steigen weiter stark an, insbesondere im englischen Markt, was den künftigen Druck auf die finanziellen Ergebnisse der Klubs erhöht.“
„Diese Entwicklungen deuten auch auf eine zunehmende Konzentration von Talenten und eine wachsende Polarisierung des Marktes hin, mit der Entstehung eines klaren Zwei-Klassen-Systems.“
„Englische Klubs waren an mehr als 60 % der Deals beteiligt und zahlten durchschnittlich rund 24 Mio. Euro (20,7 Mio. Pfund) pro Zugang, verglichen mit nur etwa 4 Mio. Euro (3,4 Mio. Pfund) bis 5 Mio. Euro (4,3 Mio. Pfund) in den anderen großen europäischen Ligen. Das unterstreicht eine wachsende Lücke in der Kaufkraft.“
Traversos Äußerungen verdeutlichen die wachsende Nervosität innerhalb der Uefa angesichts der finanziellen Dominanz der Premier League. Die Zahlen zeigen, dass englische Klubs ihre europäischen Konkurrenten nicht nur überbieten, sondern dies mit zunehmender Geschwindigkeit tun. Die durchschnittliche Zugangsablöse ist etwa fünfmal so hoch wie in anderen großen Ligen.
Der Bericht warnt zudem, dass eine Korrektur der Transferwerte oder eine nachlassende Nachfrage der Käufer schwerwiegende Folgen für verschuldete Klubs haben könnte. Das aktuelle Ausgabenniveau sei langfristig möglicherweise nicht nachhaltig.
Die Zahlen
- Gesamtausgaben der Premier League: 4,6 Mrd. Euro (4 Mrd. Pfund)
- Durchschnittliche Zugangsablöse: 24 Mio. Euro (20,7 Mio. Pfund) für Premier-League-Klubs; 4–5 Mio. Euro (3,4–4,3 Mio. Pfund) für andere große europäische Ligen
- Anteil der Deals mit englischen Klubs: Über 60 %
- Inländische Premier-League-Transfers: 1,55 Mrd. Euro (1,33 Mrd. Pfund), ein Anstieg um 44 %
- Nächstgrößter Marktstrom: Bundesliga in die Premier League mit 690 Mio. Euro (594 Mio. Pfund)
- Deals über 50 Mio. Euro: 14 im Sommer 2024, 23 im Jahr 2025, 35 im Jahr 2026 (29 mit Beteiligung von Premier-League-Klubs)
- Gewinn aus Akademiespieler-Verkäufen: Schätzungsweise 6,8 Mrd. Euro (5,85 Mrd. Pfund) in ganz Europa, ein Plus von 655 Mio. Euro (564 Mio. Pfund) gegenüber 2025
- Multi-Club-Ownership-Deals: Gesamtablösen von 152 Mio. Euro (130,8 Mio. Pfund) bei einem geschätzten Marktwert von 159 Mio. Euro (136,8 Mio. Pfund)
- Premier-League-Ausgaben als % des Umsatzes: 56 %, gegenüber durchschnittlich 33 % im vor-Covid-Jahrzehnt
Analyse: Warum die Finanzmacht der Premier League den europäischen Fußball umgestaltet
Der Bericht zeichnet das Bild einer Premier League, die zur dominierenden Kraft auf dem Transfermarkt geworden ist. Mit Gesamtausgaben, die größer sind als die der nächsten acht Ligen zusammen, agieren englische Klubs in einer anderen finanziellen Sphäre. Das betrifft nicht nur die Topklubs: Die durchschnittliche Zugangsablöse von 24 Mio. Euro zeigt, dass selbst Premier-League-Klubs aus dem Mittelfeld traditionelle europäische Schwergewichte überbieten können.
Die Entstehung eines Zwei-Klassen-Systems, wie Traverso es beschreibt, hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Wettbewerbsgleichgewicht. Die Talentkonzentration in England könnte die Wettbewerbsfähigkeit von Ligen wie La Liga, Serie A und Bundesliga schwächen und europäische Wettbewerbe berechenbarer machen. Der 44-prozentige Anstieg inländischer Transfers deutet zudem darauf hin, dass Premier-League-Klubs zunehmend bei ihresgleichen nach Talenten suchen, was die Preise weiter in die Höhe treibt und das Geld im englischen Spiel hält.
Die Abhängigkeit von Akademieverkäufen zur Bilanzierung ist ein weiterer wichtiger Trend. Bei einem Gewinn von 6,8 Mrd. Euro nutzen Klubs Eigengewächse faktisch als finanziellen Puffer. Das könnte Anreize schaffen, die Entwicklung junger Spieler über Einsatzchancen in der ersten Mannschaft zu stellen, wohl wissend, dass ein Verkauf reinen Gewinn bringt.
Diskussionspunkte
- Riskiert die Kaufkraft der Premier League, europäische Wettbewerbe zu einem Spaziergang zu machen? Der Uefa-Bericht legt nahe, dass ein Zwei-Klassen-System bereits Realität ist.
- Sollte es eine Gehaltsobergrenze oder eine Luxussteuer geben, um die englische Dominanz einzudämmen? Der Bericht deutet Bedenken hinsichtlich der finanziellen Nachhaltigkeit an, empfiehlt aber keine konkreten Maßnahmen.
- Werden Akademieverkäufe zum Schlupfloch für Finanzregeln? Klubs nutzen sie offensichtlich, um reinen Gewinn zu erzielen, was den Markt weiter verzerren könnte.
- Wird die Blase platzen? Traverso warnt vor einer Korrektur der Transferwerte, und da 56 % des Umsatzes für Transfers ausgegeben werden, sind viele Klubs anfällig.
Wie es weitergeht
Der Uefa-Bericht wird in die laufenden Diskussionen über Financial Fairplay und Wettbewerbsgleichgewicht einfließen. Der Verband dürfte von europäischen Ligen unter Druck gesetzt werden, die wachsende Ungleichheit anzugehen. Premier-League-Klubs werden sich unterdessen weiter an ihre eigenen Finanzregeln halten müssen. Das nächste Transferfenster wird zeigen, ob sich dieser Ausgabentrend fortsetzt. Eine nachlassende Käufernachfrage könnte für hochverschuldete Klubs unmittelbare Konsequenzen haben.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel haben Premier-League-Klubs im Sommer-Transferfenster ausgegeben?
Premier-League-Klubs gaben in diesem Sommer schätzungsweise 4,6 Mrd. Euro (4 Mrd. Pfund) aus, so der Uefa-Bericht – mehr als die nächsten acht größten europäischen Länder zusammen.
Was ist Uefas Sorge am Transfermarkt?
Die Uefa befürchtet die Entstehung eines Zwei-Klassen-Systems: Englische Klubs zahlen durchschnittlich 24 Mio. Euro pro Zugang, verglichen mit 4–5 Mio. Euro in anderen großen Ligen. Das führt zu Talentkonzentration und finanziellen Risiken.
Wie viel Gewinn erzielten europäische Klubs mit Akademiespieler-Verkäufen?
Europäische Klubs erwirtschafteten schätzungsweise 6,8 Mrd. Euro (5,85 Mrd. Pfund) Gewinn aus dem Verkauf von Akademiespielern – ein Anstieg um 655 Mio. Euro (564 Mio. Pfund) gegenüber 2025.