Tottenham baut nicht um – sie löschen Brände
Ange Postecoglou ist seit kaum einem Jahr bei Tottenham, und schon gleicht die Transferstrategie des Klubs einem panischen Hausbesitzer, der Eimer voller Sand auf ein Feuer wirft, dessen Ausbreitung er sich weigert zuzugeben. Die Verpflichtung von Andy Robertson vom FC Liverpool ist der jüngste Beleg.
Robertson-Transfer: Symptom, nicht Lösung
Robertson wird im März 31, sein Gehalt spiegelt seinen Liverpooler Höhepunkt wider. Tottenham bezahlt für vergangene Glanzleistungen, nicht für zukünftiges Potenzial. Das ist derselbe Klub, der 65 Mio. Pfund für den 29-jährigen Tanguy Ndombele und 55 Mio. für den formschwachen Richarlison ausgab. Es gibt kein Muster, keine Identität – nur impulsive Käufe.
Als Postecoglou kam, versprach er eine mutige neue Welt: hohes Pressing, offensive Außenverteidiger, jugendliche Energie. Stattdessen hat Spurs in 18 Monaten drei Linksverteidiger verschlissen – Destiny Udogie, Ben Davies, nun Robertson –, von denen keiner perfekt ins System passt. Robertson war vor fünf Jahren der beste Linksverteidiger der Welt. Genau das ist das Problem.
Die Daten sprechen für ein tieferes Übel
Betrachten Sie folgende Indikatoren eines Klubs ohne durchdachte Transferphilosophie:
- Seit 2019 verpflichtete Tottenham 23 erfahrene Feldspieler. Nur sechs haben ihren Marktwert gesteigert.
- Der Netto-Transferausgaben der letzten fünf Fenster betragen 270 Mio. Pfund – mehr als Arsenal –, dennoch stehen sie in der Premier League auf Platz 14.
- Das Durchschnittsalter des Kaders liegt bei 26,7 Jahren – der höchste Wert unter den "Big Six"-Klubs außer Manchester United.
Diese Zahlen erzählen die Geschichte eines Klubs, der in einem Teufelskreis kurzfristiger Lösungen steckt. Der Robertson-Deal ist die neueste Folge einer Serie, die Ivan Perisic (32), Eric Dier (28, dann mit neuem Vertrag) und den unerklärlichen Leihwechsel des 30-jährigen Arnaut Danjuma umfasst.
Das Gegenargument: Erfahrung und Führung
Befürworter werden argumentieren, Robertson bringe Siegermentalität mit: sieben Premier-League-Titel, eine Champions League, eine schottische Meisterschaft. Sie werden sagen, junge Mannschaften brauchen Ältere, und Postecoglous System verlange nach intelligenten Außenverteidigern, die nach innen rücken und Chancen kreieren können. Auf dem Papier kann Robertson das noch – seine Vorlagenwerte bei Liverpool blieben bis zu seiner Verletzung stark.
Doch das verfehlt den Punkt. Die Frage ist nicht, ob Robertson spielen kann, sondern ob seine Verpflichtung eine Strategie oder Panik darstellt. Tottenham hatte bereits zwei Linksverteidiger. Sie haben keinen zuverlässigen Mittelstürmer, keinen Sechser und keinen Torwart, der seinen Strafraum beherrscht. Sie gaben 100 Mio. Pfund für Mittelfeldspieler (Maddison, Bissouma, Sarr) aus und wirken dennoch löchrig in der Zentrale. Der Robertson-Deal ist eine kosmetische Reparatur an einem Haus, dessen Fundamente bröckeln.
Fazit: Postecoglous Vermächtnis hängt an diesem Sommer
Geht Tottenham mit Robertson als erstem Linksverteidiger und immer noch ohne kohärente Mittelfeldstruktur in die Saison 2025/26, werden sie erneut außerhalb der Top Sieben landen. Die Prognose: Bis Dezember 2025 wird entweder Postecoglou entlassen, oder Robertson sitzt auf der Bank, ersetzt durch einen jüngeren, hungrigeren Kandidaten. Tottenham kann nicht ständig das Gestern kaufen und das Morgen erwarten.
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