Forests neuer Trainer kann nicht reparieren, was der Vorstand kaputt gemacht hat
Oliver Glasner ist der fünfte Trainer von Nottingham Forest binnen eines Jahres – die Hoffnung ruht auf ihm, die Stabilität zu bringen, die dem Klub seit dem Aufstieg fehlt. Doch Stabilität setzt einen stimmigen Kader voraus, und Forests Einkaufspolitik glich einer ziellosen Mittelfeld-Durchschnittlichkeit. Glasners Ruf als Struktur-Trainer, den er sich in Wolfsburg und Frankfurt erarbeitete, wird an einem Kader zerbrechen, dem die grundlegende taktische Symmetrie fehlt.
Das Phantom eines Mittelfelds: Warum Forest das Zentrum verliert
Forests zentrales Mittelfeld ist ein schwarzes Loch. Trotz hoher Ausgaben für Morgan Gibbs-White und andere besitzt der Klub keinen natürlichen Sechser, der das Tempo bestimmen und die Abwehr abschirmen kann. In den letzten fünf Spielen schlossen Gegner durchschnittlich 82 Prozent ihrer Pässe durchs Zentrum ab – der schlechteste Wert in der Premier League in diesem Zeitraum. Zum Vergleich: Glasners Frankfurter Team presste Gegner zu hastigen Pässen und eroberte den Ball früh. Das Personal passt einfach nicht.
Roy Hodgson sagte einst, ein Team ohne echten Anker sei wie ein Schiff ohne Kiel. Forest hat Orel Mangala, Ibrahim Sangaré und Danilo als Sechser probiert, aber keiner hat die Positionsdisziplin oder das Passspiel, das Glasners System verlangt. Sangaré kam als Zerstörer von PSV, aber er verbucht nur 4,3 Balleroberungen pro 90 Minuten und wird 1,8 Mal pro 90 ausgespielt – schlechter als jeder Mittelfeldpartner.
Das Ungleichgewicht: Warum links und rechts nicht harmonieren
Glasners bevorzugtes 3-4-2-1 verlangt Schienenspieler, die angreifen und verteidigen können. Forest hat keine. Rechts ist Neco Williams engagiert, aber defensiv schwach – er gewinnt nur 48 Prozent seiner Zweikämpfe. Links ist Ola Aina defensiv solide, aber offensiv harmlos – null Vorlagen in 21 Einsätzen. Diese Asymmetrie zwingt die gesamte Mannschaft zu Verschiebungen, die Lücken reißen.
- Forests erwartete Gegentore auf Konter sind der fünftschlechteste Wert der Liga, weil die Schienenspieler zu weit aufgerückt sind.
- Das Team hat in dieser Saison zwölf Gegentore nach Flanken kassiert – eine direkte Folge der Außenverteidiger, die Läufer nicht verfolgen können.
- Glasners Frankfurt hatte links Filip Kostić, einen Schienenspieler mit elf Vorlagen in einer Bundesliga-Saison. Forest hat kein Äquivalent.
Aber was, wenn Glasner sich anpasst? Das Gegenargument
Manche werden argumentieren, dass Glasners taktische Flexibilität – er wechselt während eines Spiels oft zwischen Dreier- und Viererkette – diese Schwächen kaschieren kann. Sie verweisen auf seinen Erfolg in Frankfurt, wo er die Europa League mit einem Team ohne Star-Namen gewann. Aber jene Frankfurter Elf hatte ein klares Rückgrat: Torwart Kevin Trapp, Innenverteidiger Evan Ndicka, Mittelfeldspieler Djibril Sow und Stürmer André Silva. Forest fehlt dieses Gerüst. Die Abwehr wechselt ständig die Partner – 14 verschiedene Innenverteidiger-Kombinationen in dieser Saison. Kein Training der Welt kann Abstimmung ersetzen, wenn die Spieler ständig rotieren.
Zudem ist die Premier League weniger verzeihend als die Bundesliga. Tempo und Physis bestrafen selbst kleine Positionsfehler gnadenlos. Glasners hohe Abwehrlinie – in Deutschland erfolgreich – werden die Erling Haalands und Mohamed Salahs dieser Liga ausnutzen, wenn Forests Mittelfeld sie nicht schützt.
Fazit: Klassenerhalt, aber nur knapp – dann der Umbau
Glasner wird Forest in dieser Saison halten – aber nur knapp. Die zugrundeliegenden Zahlen zeigen, dass die Mannschaft nach erwarteten Punkten die 18. Kraft ist, aber sie haben genug individuelle Qualität in Brennan Johnson und Taiwo Awoniyi, um sich zu retten. Doch die strukturellen Mängel sitzen tief: Sie werden nicht über Platz 16 hinauskommen, und im Sommer muss der Klub mindestens drei Stammspieler ersetzen – einen linken Schienenspieler, einen Sechser und einen Innenverteidiger – sonst droht 2025/26 der Abstieg.
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