Das finanzielle Doping der Premier League findet ein neues Schlupfloch

Die Bestrafung von Everton und Nottingham Forest für kleine FFP-Verstöße, während die 115 Anklagepunkte gegen Manchester City ungelöst bleiben, ist keine Heuchelei – es ist ein Rauchvorhang. Der wahre Skandal ist, wie Klubs künftige Stadioneinnahmen und Spielertransfers als Sicherheiten für Kredite nutzen, die in den Profitability and Sustainability-Berechnungen nie auftauchen.

Die Schulden, die es nicht gibt

Nach den aktuellen PSR-Regeln zählen Kredite gegen zukünftige Einnahmen nicht als Ausgaben. Sie tauchen erst in den Büchern auf, wenn das Geld eingeht. Das erlaubt Klubs, jetzt auszugeben und später zu zahlen – ein Ponzi-System, bei dem jeder neue Eigentümer hofft, das Asset weiterzureichen, bevor die Schulden fällig werden.

Tottenhams Stadionneubau für 850 Mio. Pfund wurde durch Kredite finanziert, die gegen künftige Spieltagseinnahmen gesichert sind. Chelseas neuer Besitzer lieh Geld gegen Champions-League-Qualifikationsboni – eine Wette, die riskanter wird, je weiter der Klub in der Tabelle fällt.

Die Argumente gegen die aktuellen Eigentümermodelle

Die Premier League hat ein Umfeld geschaffen, in dem Klubs gegen künftige Einnahmen Kredite aufnehmen können, um jetzt Transfergebühren zu zahlen und diese dann über fünf Jahre abzuschreiben. Diese dreifache Hebelwirkung hat drei gefährliche Konsequenzen:

  • Klubschulden werden durch Zweckgesellschaften außerbilanziell versteckt, sodass PSR-Berechnungen eine gesunde Netto-Position zeigen, während der Klub tatsächlich zahlungsunfähig ist.
  • Stadion-Namensrechte und andere kommerzielle Deals werden zu überhöhten Preisen an verbundene Parteien vorab verkauft und dann als Sicherheit für weitere Kredite genutzt.
  • Eigentümerdarlehen, wie die 650 Mio. Pfund Glazer-Schulden oder die 450 Mio. Pfund strukturierten Kredite von Todd Boehly, werden als Eigenkapitalbeiträge eingestuft, sodass Klubs ausgeben können, als wären sie schuldenfrei, während die Last beim Klub bleibt.

Stellen Sie sich vor: Ein Klub verkauft seine künftigen Spieltagseinnahmen für zehn Jahre an eine Tochtergesellschaft, die demselben Mutterkonzern gehört – das ist ein Kredit, kein Umsatz. Aber die PSR behandelt es als Einnahme. Deshalb können Klubs wie Everton, deren neues Stadion 760 Mio. Pfund kostet, über drei Jahre Verluste von 371 Mio. Pfund melden und trotzdem behaupten, sie seien compliant.

Die Verteidigung des finanziellen Pragmatismus

Befürworter argumentieren, dies sei einfach ein raffiniertes Finanzmanagement. Sie verweisen auf Manchester Citys Erfolg mit Investitionen in digitale Marktplätze und stille Beteiligungen, um das Wachstum zu beschleunigen. Theoretisch macht die Kreditaufnahme gegen künftige Einnahmen Sinn, wenn die Zinsen niedrig sind und die TV-Rechte der Premier League garantiert sind.

Aber das setzt unendliches Wachstum voraus. Der nächste nationale TV-Vertrag der Premier League wird voraussichtlich stagnieren oder sinken. Klubs wie Nottingham Forest wetten 45 Mio. Pfund auf Lucas Bergvall, während ihre Ticketverkäufe nur 15 % der Kosten decken. Wenn die TV-Blase platzt, droht allen Klubs, die auf künftige Einnahmen Kredite aufgenommen haben, gleichzeitige Nachschussforderungen.

Die entscheidende Prognose

Bis 2027 werden mindestens drei Premier-League-Klubs Insolvenzverfahren einleiten müssen, wenn ihre außerbilanziellen Schulden fällig werden und die Erlöse aus Stadion-Namensrechten hinter den Prognosen zurückbleiben. Der erste wird ein Klub mit einem neuen Stadion sein, das durch Versprechen auf künftige Einnahmen finanziert wurde, und es wird nicht Everton sein – es wird Tottenham Hotspur sein.

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