Wie die Premier League mit ihren Regeln die eigene Elite schützt
Die Profit and Sustainability Rules (PSR) wurden als Schutz vor ruinöser Verschwendung verkauft. Doch sie sind längst zur Charta eines Kartells geworden – ein Mechanismus, mit dem die etablierte Elite die Leiter hochzieht und die Taschen der Aufstrebenden plündert.
Vom Financial Fair Play zur Farce
Die UEFA führte 2010 das Financial Fair Play ein, um Klubs davon abzuhalten, über ihre Verhältnisse zu leben. Schnell mutierte es zu einem Werkzeug der Traditionsklubs, um ihren Vorsprung zu zementieren. Manchester City, Paris Saint-Germain und Chelsea gerieten früh ins Visier, doch die wahren Opfer waren kleinere Klubs mit Ambitionen. Everton wurden 2023 zehn Punkte abgezogen, weil sie gegen die PSR verstoßen hatten – im Berufungsverfahren später auf sechs reduziert. Nottingham Forest erhielt vier Punkte für ähnliche Vergehen. Die ‚Big Six‘ hingegen geben weiter ein Vermögen für Transfers und Gehälter aus, ohne Sanktionen fürchten zu müssen. Die Regeln scheinen für die Vielen zu gelten, nicht für die Wenigen.
Die PSR der Premier League erlaubt Klubs Verluste von 105 Millionen Pfund über drei Jahre, doch diese Zahl ist irreführend. Sie klammert Ausgaben für Infrastruktur, Jugendarbeit und Frauenfußball aus. Reiche Klubs können Verluste durch den Verkauf von Akademiespielern mit reinem Gewinn auffangen – eine Lücke, die Chelsea in Höhe von Hunderten Millionen ausgenutzt hat. Klubs wie Everton und Forest fehlt dieser Luxus, also werden sie dafür bestraft, dass sie konkurrieren wollen.
Das Plädoyer gegen die PSR
Das erklärte Ziel der PSR ist Nachhaltigkeit. Doch die Regeln verhindern weder ein neues Portsmouth noch ein neues Bury. Sie verhindern nur, dass Klubs ihr eigenes Geld investieren. Wenn ein Eigentümer 200 Millionen Pfund in einen Klub pumpen will – warum sollte das illegal sein? Die Premier League ist ein privater Mitgliederklub, und seine Mitglieder haben dafür gestimmt, sich selbst zu schützen. Das Ergebnis ist eine Liga, in der die Top Sechs praktisch garantiert sind und der Rest um Krümel kämpft.
- Everton wurden zehn Punkte abgezogen, weil sie die PSR-Grenzen überschritten hatten – trotz des Baus eines neuen Stadions, das der lokalen Wirtschaft Hunderte Millionen einbringen wird. Die Strafe hätte sie fast den Klassenerhalt gekostet.
- Nottingham Forest wurden vier Punkte abgezogen, weil sie Spieler verpflichtet hatten, um in der Liga zu bleiben – die Definition von Ambition. Ihr Eigentümer Evangelos Marinakis hat schwer in den Klub und die Gemeinde investiert.
- Newcastle United, unterstützt von Saudi-Arabiens PIF, werden von der PSR ausgebremst, obwohl sie das Geld hätten, die Elite herauszufordern. Sie können sich nicht an die Spitze kaufen – und genau das ist der Punkt.
Die Regeln verzerren auch den Transfermarkt. Klubs sind gezwungen, Akademieabsolventen zu verkaufen, um die Bilanz auszugleichen – oft an reichere Rivalen. Chelsea hat Mason Mount, Tammy Abraham und Fikayo Tomori mit reinem Gewinn verkauft, während sie etablierte Stars kauften. Ein System, das Hortung belohnt und Entwicklung bestraft.
Das Gegenargument: Ohne Regeln herrscht Chaos
Verteidiger der PSR argumentieren, dass Klubs ohne Finanzkontrollen rücksichtslos ausgeben würden, was die Insolvenz und die Integrität der Liga gefährde. Sie verweisen auf den Zusammenbruch von Leeds United im Jahr 2004 und das Ende von Portsmouth 2010 als abschreckende Beispiele. Doch diese Klubs wurden schlecht geführt, nicht nur übermäßig finanziert. Eine bessere Lösung wären strikte Schuldenkontrollen und Gehaltsobergrenzen, die an die Einnahmen gekoppelt sind – nicht willkürliche Verlustgrenzen, die die Reichen bevorzugen. Die aktuellen Regeln dienen nicht der Nachhaltigkeit, sondern der Unterdrückung des Wettbewerbs. Wenn die Premier League sich wirklich um finanzielle Gesundheit sorgen würde, würde sie eine harte Gehaltsobergrenze und Umsatzbeteiligung einführen, wie es amerikanische Sportarten tun. Stattdessen wird an den Rändern herumgedoktert, während die großen Klubs ihren Griff festigen.
Fazit: Die PSR wird fallen – und zwar bald
Die Zeichen stehen an der Wand. Der Rechtsstreit von Manchester City gegen die Regeln für verbundene Parteigeschäfte, der später in diesem Jahr verhandelt wird, könnte die PSR weit aufreißen. Sollte City Erfolg haben, stürzt das gesamte Gebäude ein. Selbst wenn sie scheitern, wird der Druck von Klubs wie Newcastle, Aston Villa und Everton Reformen erzwingen. Meine Prognose: Innerhalb von drei Jahren wird die Premier League die PSR durch ein System ersetzen, das größere Investitionen erlaubt, möglicherweise mit einer Luxussteuer. Die Alternative ist eine Abspaltung in eine Super League oder rechtliches Chaos. Die Elite mag die Festung gebaut haben, doch die Barbaren stehen vor dem Tor – und sie haben Anwälte.
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