Der trügerische Schein des Klassenerhalts

Nottingham Forest ist drin geblieben. Das ist die Schlagzeile, der Erfolg, der im Vorstand und auf den Rängen gefeiert wird. Doch unter der Erleichterung verbirgt sich eine taktische Dysfunktion, die die meisten anderen Klubs versenkt hätte. Der Klassenerhalt hat nur eine unvermeidliche Abrechnung aufgeschoben.

Die Pressing-Lücke

In der modernen Premier League ist eine Mannschaft ohne kohärente Pressing-Struktur ein Team, das darauf wartet, auseinandergenommen zu werden. Forest landete auf Platz 16, doch die Defensivstatistiken erzählen eine düsterere Geschichte. Sie ließen über die Saison 1,8 Expected Goals pro 90 Minuten zu, der schlechteste Wert aller Teams außerhalb der unteren Drei.

Das Problem liegt nicht am Personal. Forest hat Mittelfeldspieler mit Energie – Ryan Yates, Danilo, Orel Mangala – aber es fehlt ein koordinierter Auslöser. Vergleichen Sie ihr kollektives Pressing mit dem von Sean Dyches Everton oder Thomas Franks Brentford, wo jeder Spieler seine Rolle im roten Bereich kennt. Forest presst als Einzelkämpfer, nicht als Einheit.

Die technischen Lücken im Umschaltspiel

Wenn Forest den Ball erobert, geht das Chaos weiter. Ihr Umschaltspiel ist reaktiv statt strukturiert. Daten von Opta zeigen, dass sie nur 38 % ihrer Vorwärtspässe nach einem Ballgewinn vollenden – Rang 18 in der Liga. Das ist nicht Feigheit, sondern ein Mangel an einstudierten Abläufen.

  • Bei Manchester City auswärts eroberte Forest den Ball zwölfmal im Mittelfeld, aber aus diesen Ballgewinnen resultierte kein einziger Torschuss.
  • Zu Hause gegen Bournemouth wurde ihr Pressing allein in der ersten Halbzeit 14-mal überspielt, was zu drei Gegentoren führte.
  • In den letzten sechs Spielen, als der Abstieg drohte, sank ihre Pressing-Intensität sogar – von 8,2 Pässen pro defensiver Aktion auf 6,9, der niedrigste Wert aller Teams in diesem Zeitraum.

Die Ursache ist taktisch. Weder Steve Cooper noch später Nuno Espírito Santo haben ein Zonen- oder mannorientiertes Pressing-System implementiert. Stattdessen verteidigt Forest in einem Mittelfeldblock, der zu einem tiefen Block zusammenfällt, Gegner einlädt und Druck zulässt. Sie überleben durch individuelle Paraden und Torwartspiele, nicht durch kollektive Organisation.

Der Gegenentwurf: Ist Pragmatismus eine Tugend?

Ein fairer Einwand ist, dass Forest ein Aufsteiger ist, der defensive Stabilität über Risiko priorisiert hat. Der Klassenerhalt ist die einzige Währung, die zählt. Aber das missversteht das moderne Spiel. Selbst Burnley unter Dyche – der Inbegriff defensiven Pragmatismus – hatte eine unerbittliche Pressing-Formation. Forests Ansatz ist nicht pragmatisch; er ist passiv.

Die Daten belegen dies. Forest ließ mehr Ballkontakte im eigenen Strafraum zu als jedes andere Team außer Sheffield United. Ihre durchschnittliche Abwehrlinientiefe betrug 38,2 Meter, die tiefste der Liga, was bedeutete, dass sie 15,4 Torschüsse pro 90 Minuten zuließen. Das ist keine Strategie; es ist eine Belagerungsmentalität aus taktischer Verwirrung.

Fazit: Die Abstiegsuhr tickt

Nächste Saison wird Forest auf Teams treffen, die diese Schwachstelle studiert haben. Erwarten Sie frühe Gegentore nach Ballverlusten im Mitteldrittel, wenn Gegner das Pressing ködern und durchbrechen. Forests Klassenerhalt war eine temporäre Gnadenfrist. Installiert Nuno nicht bis August ein diszipliniertes Pressing-System, steht Forest Weihnachten in den unteren Drei.

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