Newcastles 4-3-3 ist nicht, was es scheint
Für all die Lobeshymnen auf Eddie Howes transformative Arbeit bei Newcastle United bleibt ein struktureller Fehler hartnäckig verborgen: Ihr Aufbauspiel ist eine taktische Fata Morgana. Das 4-3-3 der Magpies wirkt progressiv, verdeckt aber eine Zerbrechlichkeit, die Spitzenteams ausnutzen werden.
Das Van-Hecke-Problem: Zwei unterschiedliche Entwicklungen
Bei der 0:1-Niederlage gegen Brighton im November 2024 absolvierte Newcastle nur 78% seiner Pässe im eigenen Drittel – der niedrigste Wert seit der Übernahme 2021. Zum Vergleich: Burnley schaffte unter Vincent Kompany in einer ähnlichen 4-3-3-Formation in der Vorsaison 92%. Der Unterschied ist strukturell, nicht personell. Während Burnley seine Außenverteidiger als zusätzliche Mittelfeldspieler einsetzte, bleiben Newcastles Außenverteidiger breit und lassen die Innenverteidiger isoliert. Gegen Brightons 4-4-2-Pressing absolvierten Dan Burn und Fabian Schär in den ersten 20 Minuten gerade einmal 12 Pässe zwischen sich, bevor sie zu langen Bällen griffen.
Die Botman-Abhängigkeit: Aufbauspiel aus einer Hand
Sven Botman ist Newcastles einziger linker Innenverteidiger, der sich mit dem Ball am Fuß wohlfühlt. Im September gegen Leicester, als die Foxes Botman aggressiv attackierten, sank Newcastles Passquote im Spielaufbau auf 71%. Die Lösung ist kein neuer Verteidiger, sondern ein umstrukturiertes Mittelfeld.
- Botman kommt bei unbedrängten Situationen auf 91% Kurzpassquote, aber nur auf 44%, wenn er von zwei Angreifern unter Druck gesetzt wird.
- Newcastles tiefster Mittelfeldspieler, Bruno Guimarães, bekommt im Schnitt acht Zuspiele pro Spiel von den Abwehrspielern; Rodri erhält bei City 15. Der Unterschied liegt nicht im Talent, sondern in der Positionierung.
- Wenn beide Außenverteidiger hoch schieben, entsteht eine 15-Meter-Lücke zwischen Innenverteidigern und Mittelfeld – ein gefundenes Fressen für Gegenpressing-Teams wie Tottenham.
„Aber Eddie Howe hat die Abwehr gefestigt“ – und andere Mythen
Manche argumentieren, Newcastle habe in der Vorsaison nur 32 Gegentore kassiert, der viertbeste Wert der Liga. Doch die erwarteten Gegentore (xGA) erzählen eine andere Geschichte: 44,7 xGA, der zwölfthöchste Wert. Diese Differenz von 12,7 ist nicht nachhaltig. Gegen Arsenal im September zogen die Gunners fünfmal von der Strafraumgrenze ab und trafen zweimal. Die Schusskarte zeigte ein klares Muster: Arsenal-Stürmer fanden Räume zwischen Newcastles Abwehr- und Mittelfeldlinie. Das ist ein taktisches Versagen, kein Zufall. Bei gegnerischem Pressing haben Schär und Burn außer Botman keine kurzen Anspielstationen, der dann doppelt gedeckt wird. Die Folge: verzweifelte lange Bälle, die den Ballbesitz verschenken.
Fazit: Strukturelle Anpassung oder tickende Zeitbombe?
Sollte Newcastle vor Januar auf eine hoch pressende Mannschaft wie Liverpool treffen, werden sie mindestens zwölfmal in gefährlichen Zonen den Ball im Spielaufbau verlieren, was direkt zu einem Gegentor führt. Bis zum Saisonende wird ihnen dieser Rückschritt im Spielaufbau einen Platz unter den ersten Sechs kosten und die Botman-abhängige Aufbaustruktur als schlecht gehütetes Geheimnis entlarven.
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