Manchester City kauft sich in die Enge – und die Akademie zahlt die Rechnung.

Der finanzielle Gigant der Premier League hat den teuersten Kader aller Zeiten, doch das Jugendförderprogramm – einst der Neid Europas – spielt nur noch eine Nebenrolle. Citys Transferstrategie, ein Sammelsurium aus teuren Stars und spekulativen Wetten, verdrängt die Eigengewächse und untergräbt die Identität des Klubs.

Die goldene Generation, die nie kam

2017 gewann Citys U23 die UEFA Youth League mit Phil Foden, Jadon Sancho, Brahim Díaz und Tosin Adarabioyo. Vier Jahre später ist nur Foden ein fester Bestandteil der Profis. Sancho, Díaz und Adarabioyo wechselten für Spielpraxis zu anderen Klubs – ein vernichtendes Urteil über Citys Durchlässigkeit.

Danach schafften nur Rico Lewis und Cole Palmer den Sprung aus der Akademie. Palmer, nach einem 42,5-Millionen-Euro-Verkauf jetzt beim FC Chelsea, ist genau der Spieler, um den City sein Team hätte aufbauen sollen. Stattdessen verkaufte man ihn und holte Jérémy Doku für 55 Millionen. Die Zahlen zeigen einen Philosophiewechsel: Von 2016 bis 2021 gab City 1,2 Milliarden Euro für Transfers aus; die Akademie-Absolventen kamen auf gerade einmal 142 Premier-League-Einsätze. Im gleichen Zeitraum brachte Erik ten Hag das Ajax Amsterdam mit einem Bruchteil des Budgets 17 Eigengewächse in den Profikader.

Die Gießkannen-Strategie

Citys jüngste Deals atmen Panik im Gewand von Ambition. Givairo Read jagen, einen 18-jährigen Rechtsverteidiger von Feyenoord mit 34 Profiminuten, während Matheus Nunes – ein 53-Millionen-Einkauf – auf der Bank schmort – das zeigt einen Klub, der sich selbst nicht sicher ist, wohin die Reise geht.

  • Die Read-Jagd: Bayern München zog sich zurück, mit Verweis auf Zweifel an der Spielreife des Talents. City, unbeirrt, ist bereit 20 Millionen Euro für ein Talent zu zahlen, das Kyle Walker vielleicht nie ernsthaft herausfordert.
  • Die Barco-Saga: Valentín Barco zu Straßburg ausleihen, dann fest verpflichten, ohne eine klare Rolle – typisch für Citys Angewohnheit, Talente zu horten, die in der Reserve versauern.
  • Die Nunes-Narretei: Ein 53-Millionen-Mittelfeldspieler, der einen absteigenden Ilkay Gündogan nicht verdrängen kann – Citys Kader ist aufgebläht mit teuren Platzhaltern.

Diese Aktionen sind nicht nur verschwenderisch; sie blockieren Talente aus der Jugend. James McAtee – ausgeliehen an Sheffield United – kann sich keinen Weg in Pep Guardiolas Team vorstellen, solange Nunes und Matheus Luiz die Mittelfeldplätze besetzen. Die Botschaft ist klar: Externe haben immer Vorrang.

Identität gegen Titel eingetauscht

Verteidiger werden argumentieren, City sei nie ein Akademie-Klub gewesen. Stimmt – aber früher war man klüger. Unter Pellegrini bekamen Talente wie Kelechi Iheanacho und Jason Denayer ihre Chancen. Guardiola fordert trotz seiner Genialität sofortige Erfolge. Die 115 Anklagepunkte wegen Financial Fairplay schweben über dem Klub, und doch gibt City weiter Geld aus, als würde es Zeit kaufen.

Das Gegenargument: Titel zählen. City hat vier der letzten fünf Meisterschaften gewonnen. Doch dieses Modell ist nicht nachhaltig. Wenn das Urteil zu den Financial-Fairplay-Regeln kommt, könnte City mit Einschränkungen rechnen – und ohne eine verlässliche Jugendförderung wäre man gezwungen, Stars zu verkaufen, um einen Neuanfang zu finanzieren. Die Klubs, die City in der Jugendarbeit überholt haben – Chelsea, Manchester United, Arsenal – ernten jetzt die Früchte.

Fazit: Citys stille Pipeline tickt wie eine Zeitbombe

Bis 2027, wenn City seinen derzeitigen Kurs beibehält, werden null Akademie-Absolventen in der Startelf stehen. Foden wird 27 und sucht vielleicht das Weite; Lewis bleibt maximal Ersatz. Chelsea – mit sechs Eigengewächsen in der ersten Mannschaft – wird City überholt haben. Der Klub, der einst den Kern der goldenen Generation Englands hervorbrachte, wird ein Museum gekaufter Talente sein. Die Ironie: Citys Finanzkraft baut eine Zukunft, die sie sich nicht leisten können.

Eingeordnet unter: Meinung | LA Premier League Startseite