Ilicalis kühnes Versprechen trifft auf harte Realität

Acun Ilicali, der türkische Medienmogul, der Hull City im Januar 2022 übernommen hat, machte nie einen Hehl aus seinen großen Ambitionen für den Klub. Doch die jüngsten Leistungen und strategischen Entscheidungen deuten darauf hin, dass seine Vision zu einem Wunschtraum verkommen könnte.

Die anfängliche Euphorie

Nach seiner Ankunft versprach Ilicali innerhalb von zwei Jahren Premier-League-Fußball, investierte schwer in den Kader und verpflichtete einen Trainer mit Championship-Erfahrung. Die anfängliche Begeisterung ließ die Zuschauerzahlen steigen, und der Klub schielte in der Saison 2022/23 auf die Play-offs.

Doch die Spielzeit 2023/24 ist ein krasser Gegensatz. Hull City steht derzeit im Tabellenmittelfeld, mit inkonsistenten Leistungen und einer Abwehr, die in 27 Spielen 38 Gegentore kassiert hat. Die versprochene Offensivpower zeigte sich nur sporadisch.

Taktische und personelle Baustellen

Trainer Liam Rosenior, von Ilicali eingesetzt, tut sich schwer, einen stimmigen Spielstil zu implementieren. Die Tigers versuchen einen ballbesitzorientierten Ansatz – Platz fünf im Schnitt mit 56 % Ballbesitz –, aber ihnen fehlt die Durchschlagskraft im letzten Drittel, nur 31 Tore erzielt.

Die Kaderplanung wirkt planlos: 16 Neuzugänge im Sommer, ein aufgeblähter Kader ohne Zusammenhalt. Wichtige Verpflichtungen wie Scott Twine und Anass Zaroury zeigten nur Ansätze, während die Defensive löchrig bleibt.

Ilicalis Angewohnheit, Trainer zu feuern – er ist bereits beim zweiten Coach nach der Entlassung von Shota Arveladze – wirft Fragen zur langfristigen Planung auf. Der Klub beschäftigte in weniger als zwei Jahren drei Trainer, was die taktische Kontinuität stört.

Finanzielle Nachhaltigkeit vs. Ambition

Ilicalis Vermögen, geschätzt auf 200 Millionen Pfund, ist beachtlich, aber im Fußball nicht unbegrenzt. Seine Bereitschaft, in Ablösen und Gehälter zu investieren, könnte durch Financial Fairplay-Restriktionen auf die Probe gestellt werden. Hull City verzeichnete in der Saison 2022/23 einen Verlust von 20,5 Millionen Pfund, weitere hohe Ausgaben könnten Sanktionen nach sich ziehen.

  • Die Spielerfluktuation ist hoch: Hull tätigte im Sommer 2023 18 Neuzugänge – die meisten in der Championship.
  • Das Durchschnittsalter des Kaders beträgt 24,6 Jahre, was eher für Unbeständigkeit als für Reife sorgt.
  • Ilicalis öffentliche Aufstiegsforderungen erzeugen Druck, der kontraproduktiv wirken kann.

Wie geht es weiter für Hull City?

Bei noch 19 ausstehenden Spielen ist die Saison für Hull nicht verloren – nur fünf Punkte fehlen zu den Play-offs. Aber der Trend deutet auf einen Mittelfeldplatz hin. Ilicali muss sich zwischen Geduld mit Rosenior oder einem weiteren Trainerwechsel entscheiden, was den Fortschritt zurückwerfen könnte.

Das Januar-Transferfenster bietet die Chance, Abwehrschwächen zu beheben und einen knallharten Stürmer zu verpflichten. Allerdings müssen die Neuzugänge in ein taktisches Konzept passen, nicht nur dem Wunsch nach Glamour dienen. Wenn Ilicali sich nicht anpasst, könnte sein Premier-League-Traum tatsächlich ein Wunschtraum bleiben.

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