Die Bestrafungsmaschine der Premier League trifft die Falschen
Die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln der Premier League sind kein Instrument für Fairness, sondern eine Charta des Status quo, ein Samtseil, das die Neureichen draußen hält, während das alte Geld im VIP-Bereich Champagner schlürft. Die jüngste Welle von Punktabzügen hat den wahren Zweck der Finanzregulierung offenbart: nicht für Wettbewerbsgleichheit zu sorgen, sondern die Dominanz derer zu festigen, die reich wurden, bevor die Regeln geschrieben wurden.
Von Portsmouth bis Everton: eine Geschichte selektiver Durchsetzung
Man betrachte das Schicksal von Everton. Zweimal wurden Punkte abgezogen, weil sie zu viel ausgaben, nun kämpfen sie ums Überleben, während die Top-6 in einem Meer aus kommerziellen Einnahmen schwimmen, das ihnen ihr globaler Markenwert garantiert – nicht ihr sportlicher Erfolg. Manchester City mit 115 Anklagepunkten gegen sich hat vier Meistertitel in Folge geholt, während die Ermittlungen sich durch Berufungsverfahren schleppen. Das System ist nicht blind; es hat Tunnelblick und konzentriert sich auf die Klubs, die die etablierte Hierarchie bedrohen.
Man vergleiche Evertons Strafe mit den 100-Millionen-Pfund-Verlusten, die Chelsea unter Roman Abramowitsch regelmäßig einfuhr – Verluste, die stets geschickt so strukturiert waren, dass sie Sanktionen vermieden. Oder man schaue auf Aston Villa, die viel Geld ausgegeben haben, um in die Top-6 zu kommen, nun aber ständig von Verstößen bedroht sind, während Tottenham, das nichts ausgibt und nichts gewinnt, für seine finanzielle Besonnenheit gelobt wird. Die Regeln wurden nicht geschaffen, um Klubs vor dem Bankrott zu bewahren; Portsmouth zum Beispiel wurden Punkte abgezogen und gingen trotzdem in die Insolvenz. Sie wurden geschaffen, um zu verhindern, dass Klubs über ihre Verhältnisse wachsen.
Die Einnahmen-Ungleichheit, die FFP zur Farce macht
Der Kernfehler ist, dass FFP-Kennzahlen an den Umsatz gekoppelt sind, und der Umsatz ist eine Funktion der Größe, nicht der Leistung. Große Klubs generieren enorme Summen aus Ticketverkäufen, TV-Geldern und Sponsoring, einfach weil sie seit Jahrzehnten groß sind. Manchester United kann Achter werden und verdient mit Trikotverkäufen immer noch mehr als ein Aufsteiger an Gesamtumsatz. FFP bestraft nicht exzessive Ausgaben; es bestraft Ausgaben, die nicht durch bereits vorhandene Einnahmen gedeckt sind.
- In der Saison 2022/23 betrugen allein die kommerziellen Einnahmen von Manchester City 400 Millionen Euro – mehr als der gesamte Umsatz der meisten Premier-League-Klubs.
- Evertons geplantes neues Stadion am Bramley-Moore Dock wird die Spieltagseinnahmen erhöhen, aber während des Baus sind sie gezwungen, ihre besten Talente zu verkaufen, um die Bilanzen auszugleichen.
- Brighton ist zum Vorbild für kluge Transfers geworden, aber ihr Modell funktioniert nur, weil sie an die großen Klubs verkaufen – ein Teufelskreis, der die Hierarchie aufrechterhält.
Das Gegenargument zerbricht bei näherer Betrachtung
Verteidiger des FFP argumentieren, dass es leichtsinnige Ausgaben verhindert und Klubs vor ihren eigenen Besitzern schützt. Sie verweisen auf Bury und Macclesfield, Klubs, die wegen Finanzchaos bankrottgingen, als Beweis, dass Regulierung nötig ist. Aber hier wird Missmanagement mit Ehrgeiz gleichgesetzt. Evertons Überausgaben waren kein Betrug, sondern der Versuch, mit Klubs zu konkurrieren, deren Einnahmen ein Vielfaches ihrer eigenen betragen. Die Regeln sorgen dafür, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nie kleiner wird, denn jeder Versuch, sie zu überbrücken, wird mit einem Punktabzug bestraft, der praktisch den Abstieg bedeutet.
Wenn die Premier League wirklich an finanzieller Stabilität interessiert wäre, würde sie eine Luxussteuer wie in der NBA einführen oder eine harte Gehaltsobergrenze. Stattdessen hat sie ein System, das die Herausforderer bestraft und die Etablierten schützt. Das Ergebnis ist eine Liga, in der dieselben sechs Klubs Jahr für Jahr die ersten sechs Plätze belegen, in der der Titelkampf ein Trauerzug ist und die einzige Spannung der Kampf gegen den Abstieg.
Das Urteil: Die Farce wird weitergehen
Ich prognostiziere, dass innerhalb der nächsten drei Spielzeiten ein Klub absteigen wird, der alle FFP-Regeln einhält, nur weil seine TV-Einnahmen nicht ausreichen, um mit dem Markt Schritt zu halten. Und ich sage voraus, dass kein Top-6-Klub jemals wegen finanzieller Verstöße absteigen wird, egal wie viele Anklagepunkte bewiesen werden. Die Premier League ist keine Meritokratie, sondern ein Kartell, und FFP ist sein Durchsetzungsarm. Je eher wir aufhören, so zu tun als ob, desto eher können wir anfangen, das Spiel zu reparieren.
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