Die 1,8 Milliarden sind ein Schutzgeld, kein Geschenk
Das 1,8-Milliarden-Pfund-Angebot der Premier League an die EFL ist keine Großzügigkeit. Es ist Schutzgeld, gezahlt, um den unabhängigen Regulator in Schach zu halten, während die Top-Liga jene Reichtümer hortet, die den englischen Fußball erst zum globalen Produkt gemacht haben.
Keine Frage: Bei diesem Deal geht es weniger um die Rettung der unteren Ligen als um die Bewahrung des finanziellen Monopols der Premier League.
PSR macht das Vermögen der Besitzer zum einzigen Wettbewerbsvorteil
Die Profit-and-Sustainability-Regeln (PSR) wurden als Schutzschild gegen wilde Ausgaben verkauft. In der Praxis zementieren sie den Vorteil jener Klubs mit den tiefsten Taschen. Der Schuldenstand von Manchester United liegt nach einem weiteren 90-Millionen-Kredit und einem Sommer-Einkaufsrausch für 191,7 Millionen nun bei 1,15 Milliarden Pfund. Unter PSR ist das keine Krise, sondern eine Lizenz zum Geldausgeben.
Klubs ohne Staatsfonds im Rücken oder amerikanisches Private-Equity-Kapital müssen dagegen ihre besten Spieler verkaufen, nur um die Bilanz auszugleichen. Die Regeln bestrafen Ehrgeiz und belohnen ererbte Vorteile. Ein Blick auf den Sommer: Premier-League-Klubs gaben 4,6 Milliarden Euro aus, mehr als die nächsten acht europäischen Ligen zusammen. Das ist kein fairer Wettbewerb, das ist ein finanzielles Wettrüsten, in dem nur die Reichsten überleben.
Die 1,8 Milliarden der EFL, verteilt über sechs Jahre, sind ein Almosen im Vergleich zu den über 3 Milliarden, die Premier-League-Klubs allein in diesem Zeitraum an zentralen TV-Geldern erhalten. Es ist eine Geste, die Zeit kaufen soll, statt die strukturelle Ungleichheit zu lösen, die die Fußballpyramide zerstört.
Stadionerlöse sind das neue FFP-Schlupfloch
Der eigentliche Skandal sind nicht die Punktabzüge, sondern die kreative Buchhaltung, mit der sich Klubs regelkonform rechnen. Stadion-Namensrechte, Hotelverkäufe und Geschäfte mit nahestehenden Parteien sind die bevorzugten Werkzeuge der Finanzdoping-Klasse. Chelsea verkaufte zwei Hotels an eine Schwesterfirma, um 76,5 Millionen Pfund Gewinn auszuweisen und PSR-Verstöße zu vermeiden. Über Manchester City hängen 115 Anklagen, trotzdem wird munter weiter investiert.
Die Durchsetzung der Premier League ist selektiv und langsam. Everton und Nottingham Forest wurden für kleinere Verstöße mit Punktabzügen belegt, während die Giganten unbehelligt bleiben. Die Botschaft ist klar: Bist du reich genug, beugen sich die Regeln.
- Manchester United kann 90 Millionen leihen und in einem Sommer 191,7 Millionen ausgeben, bei 1,15 Milliarden Schulden.
- Chelsea kann Hotels an sich selbst verkaufen, um PSR-Gewinne zu erzielen – ein Trick, der kleineren Klubs verwehrt bleibt.
- Everton und Nottingham Forest wurden für deutlich kleinere Verstöße mit Punktabzügen bestraft – das System knechtet die Schwachen.
Das ist kein Financial Fair Play. Das ist finanzielles Überleben des Stärksten, wobei Stärke an der Bilanzsumme gemessen wird, nicht am Fußball-Sachverstand.
Der unabhängige Regulator ist die einzige echte Lösung
Die plötzliche Verhandlungsbereitschaft der Premier League mit der EFL ist kein Sinneswandel. Es ist ein kalkulierter Schachzug, um dem unabhängigen Regulator zuvorzukommen, dessen Befugnisse eine Umverteilung des Reichtums und eine Ausgabenobergrenze erzwingen könnten. Der gemeinsame Ruf nach FIFA-Reformen von Premier League, Bundesliga, La Liga und Serie A zeigt: Die Topklubs haben panische Angst vor Kontrollverlust.
Das sollten sie auch. Der Regulator könnte, mit echten Vollmachten ausgestattet, eine Gehaltsobergrenze verhängen, wirkliches Financial Fair Play durchsetzen und sicherstellen, dass das von der Premier League erwirtschaftete Geld gerechter verteilt wird. Die 1,8-Milliarden-Offerte ist ein verzweifelter Versuch, genau das zu verhindern.
Das Urteil: Ein Deal, der nichts ändert
Diese 1,8 Milliarden werden innerhalb weniger Jahre von Parachute Payments und Betriebskosten verschlungen. Sie werden nicht verhindern, dass Klubs in die Insolvenz rutschen. Sie werden keine wettbewerbsfähigere EFL schaffen. Sie werden das grundlegende Ungleichgewicht zwischen der Premier League und dem Rest nicht beheben.
Bis zum Ende der Saison 2027/28 werden mindestens zwei weitere EFL-Klubs Insolvenz anmelden, und der unabhängige Regulator wird zum Eingreifen gezwungen sein. Der Milliarden-Deal der Premier League wird als Fußnote in Erinnerung bleiben, nicht als Lösung. Der einzige Weg, den englischen Fußball zu retten, ist, das Kartell zu sprengen, nicht es zu subventionieren.
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