Des Kaisers neue finanzielle Kleider

Der 10-Punkte-Abzug für Everton wegen Verstoßes gegen das Financial Fairplay war keine Gerechtigkeit, sondern Theater. Die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln der Premier League sind eine Nebelkerze, die den Anschein von Wettbewerbsgleichheit erwecken soll, während sie den Status quo zementiert.

Historische Präzedenzfälle: Bestrafung der Ehrgeizigen

Everton reiht sich ein in eine lange Liste von Klubs – von Portsmouth bis Derby County – die bestraft wurden, weil sie versuchten, das Kartell aufzubrechen. Währenddessen gibt Manchester City bei 115 anhängigen Anklagepunkten weiter Milliarden aus, gewinnt Titel und zählt die Millionen aus Abu Dhabi. Es geht nicht um Fairness, sondern um selektive Durchsetzung.

Das System belohnt Klubs mit riesigen Stadioneinnahmen – die 74.000 Plätze von Old Trafford spülen mehr Geld in die Kassen als Goodison Parks 40.000. Doch das ist kein Zeichen guter Finanzführung, sondern ein struktureller Vorteil, der in den Regeln festgeschrieben ist.

Das Argument: FFP ist ein Kartell-Schutzschild

FFP verhindert kein finanzielles Missmanagement, es verhindert Herausforderer. Drei Punkte verdeutlichen dies:

  • Klubs mit den größten Stadien und höchsten kommerziellen Einnahmen – wie Manchester United und Arsenal – sind praktisch immun gegen FFP-Verstöße, weil ihre Einnahmen Verluste natürlicherweise auffangen.
  • Investitionen der Eigentümer sind gedeckelt, also müssen Klubs Vermögenswerte verkaufen, um zu konkurrieren. Doch der Verkauf von Eigengewächsen wie beim FC Chelsea ist nicht nachhaltig, sondern eine regulatorische Hintertür.
  • Die Regeln ignorieren Schulden, wenn sie als Darlehen der Eigentümer strukturiert sind (wie die 500 Mio. £ der Glazers), aber betrachten Ausgaben für die Jugendinfrastruktur als Aufwand – eine Abschreckung für langfristige Investitionen.

Das ist keine kluge Regulierung, sondern das Kartell, das die Zugbrücke hochzieht.

Das Gegenargument: „Regeln sind Regeln“

Befürworter des FFP argumentieren, dass Klubs in ihren finanziellen Mitteln leben müssen, dass zu hohe Ausgaben zur Insolvenz führen und dass die Regeln die Integrität der Liga schützen. Aber das ignoriert eine einfache Wahrheit: Die Premier League genehmigte Evertons Stadionbaupläne und bestrafte sie dann für die Verluste, die genau dieser Bau verursachte. Und während die Toffees Punkte abgezogen bekommen, wird Chelseas Milliardenausgabe unter neuem Eigentümer durch kreative Buchhaltung (Abschreibung über acht Jahre, Verkauf des Hotels an sich selbst) umgangen.

Die Regeln sind nicht neutral; sie sind eine Waffe gegen diejenigen, die es wagen, die etablierte Ordnung herauszufordern. Das eigentliche finanziellen Doping ist die Nutzung struktureller Vorteile durch die Reichen.

Fazit: Der nächste Klub, der bestraft wird

Everton wird nicht der letzte sein. Bis 2026 werden Brentford oder Brighton – Klubs, die darauf angewiesen waren, Spieler zu verkaufen, um die Bilanzen auszugleichen, und nun einem gedrückten Transfermarkt gegenüberstehen – die nächsten Opfer sein. Die Premier League wird die Regeln nicht durchsetzen, um Fairness zu gewährleisten, sondern um jeden Klub daran zu erinnern, dass die Obergrenze von den Big Six gesetzt wird. Das ist die einzige Wahrheit, die das FFP je erzählt hat.

Eingeordnet unter: Meinung | LA Premier League Home