Ex-Vorstand verteidigt Rosenior-Aus: Es war die richtige Entscheidung
Ein ehemaliger Vorsitzender eines EFL-Klubs hat sein Schweigen zur Entlassung von Liam Rosenior gebrochen und betont, keine Reue zu haben. Die Entscheidung, so versichert er, sei durch die übermäßig vorsichtige, „langweilige“ Spielweise des Trainers begründet gewesen, die die Fans nicht begeisterte.
Rosenior, der 2024 entlassen wurde, nachdem er Hull City auf den siebten Platz in der Championship geführt hatte, hatte die Tigers in eine solide, aber abenteuerlose Mannschaft verwandelt. Der Vorsitzende ist der Meinung, dass Ergebnisse allein nicht ausreichten.
Stil vor Substanz: Warum Roseniors Fußball nicht funktionierte
Hull erzielte unter Rosenior in seiner letzten Saison durchschnittlich nur 1,3 Tore pro Spiel, mit einem ballbesitzorientierten Ansatz, der Sicherheit vor Durchschlagskraft stellte. Trotz einer starken Defensivbilanz – 15 Spiele ohne Gegentor – scheiterte die Mannschaft oft daran, tief stehende Abwehrreihen zu knacken.
Daten aus der Saison 2023/24 zeigen, dass Hull 82 % der Pässe in der eigenen Hälfte, aber nur 68 % im letzten Drittel spielte. Dieses Ungleichgewicht machte die Spiele zäh, mit langen Phasen des Querpasses.
„Fans zahlen hart verdientes Geld, um unterhalten zu werden“, sagte der Vorsitzende der Sun. „Wir wollten Angriffsfußball, keine Pass-Einlage. Deshalb haben wir die Reißleine gezogen.“
Ergebnisse gegen Unterhaltung: Der uralte Konflikt
Roseniors Bilanz war respektabel – 19 Siege in 46 Ligaspielen –, aber die Vereinsführung sah eine Grenze unter seiner Leitung. Der Vorstand befürchtete, dass ohne einen stilistischen Wandel die Zuschauerzahlen und kommerziellen Einnahmen stagnieren würden.
Vergleiche lassen sich zu Tony Pulis' Amtszeit bei Stoke City ziehen. Während Pulis Stoke jahrelang in der Premier League hielt, führte sein defensiver Ansatz schließlich zur Trennung, als der Verein expansiveren Fußball anstrebte.
Ähnlich spiegelte Hulls Entscheidung, Rosenior zu entlassen, die Rücksichtslosigkeit des FC Chelsea mit Roberto Di Matteo nach dem Champions-League-Sieg 2012 wider, wo kurzfristiger Erfolg nicht als nachhaltig angesehen wurde.
Was das für EFL-Trainer bedeutet
Der Vorfall unterstreicht einen wachsenden Trend in der EFL: Vereinsbesitzer priorisieren Stil neben Ergebnissen. Ein Trainer kann Punkteziele erreichen und trotzdem die Kündigung erhalten, wenn der Fußball als unattraktiv gilt.
- Trainer stehen nun unter Druck, sowohl weiße Westen als auch aufregende Angriffe zu liefern – ein schwieriger Balanceakt.
- Vereine stellen zunehmend „Head Coaches“ mit definierten taktischen Identitäten ein, wie bei Kieran McKenna in Ipswich und Enzo Maresca in Leicester zu sehen.
- Analyseabteilungen bewerten nicht nur Expected Goals (xG), sondern auch „Unterhaltungsmetriken“ wie hohe Ballgewinne und Schussvolumen.
Das Fazit: War die Entlassung gerechtfertigt?
Aus Sicht des Vorsitzenden: absolut. „Ich verliere lieber 4:3, als 1:0 mit 25 % Ballbesitz zu gewinnen“, erklärte er. Für Hull hat sich das Risiko ausgezahlt: Sie verpflichteten einen offensiv ausgerichteten Nachfolger und beendeten die Saison dieses Jahres auf einem Play-off-Platz.
Letztlich dient Roseniors Fall als Warnung, dass ein Trainer im modernen Fußball sowohl Ergebnisse als auch Unterhaltung liefern muss. Die Tage, in denen rein defensiver Fußball akzeptabel war, schwinden, insbesondere außerhalb der Spitzenklasse.
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