Evertons große Flucht ist eine Falle, die sie sich selbst gestellt haben
James Tarkowskis Ausgleich in der 91. Minute bei Bournemouth fühlte sich an wie Rettung, doch es war die neueste Episode eines Teufelskreises, der sicherstellt, dass Evertons Existenz in der Premier League ein langsames, qualvolles Ausbluten ist.
Das Theater der Schulden: Ein Jahrzehnt auf Pump
Everton hat seit 2016 fast 500 Millionen Pfund für Transfers ausgegeben und steht dennoch auf Platz 17 – zum dritten Mal in Folge nur knapp dem Abstieg entronnen. Die Lohnkosten verschlingen 89 Prozent des Umsatzes – der höchste Wert der Liga – während die Nettoverschuldung 400 Millionen Pfund übersteigt. Das ist kein Klub, der über sich hinauswächst; das ist ein Schwergewicht, das in seinem eigenen Überfluss ertrinkt.
Die Parallelen zum Kollaps von Leeds United sind frappierend. Leeds hat auf den Klassenerhalt in der Premier League gesetzt, sich gegen zukünftige Einnahmen verschuldet und ist abgestürzt, als die Wette fehlschlug. Evertons Schulden sind nicht hypothetisch; sie sind eine tickende Zeitbombe. Der Klub hat seine Kredite im vergangenen Jahr zweimal refinanzieren müssen, und die Kosten für das neue Stadion sind auf 760 Millionen Pfund angewachsen. Die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln (PSR) der Premier League sind Nebenschauplatz – die eigentliche Belastung sind die Zinszahlungen, die jährlich 30 Millionen Pfund verschlingen, Geld, das für bessere Spieler ausgegeben werden sollte.
Der Tarkowski-Trugschluss: Wie Heldentaten den strukturellen Verfall kaschieren
Tarkowskis Kopfball wurde als Beweis für Evertons Kampfgeist gefeiert. In Wahrheit war er Beleg für deren taktische Bankrotterklärung. Gegen Bournemouth hatte Everton 38 Prozent Ballbesitz, spielte 201 Pässe im Vergleich zu 489 der Gastgeber und brachte nur zwei Schüsse aufs Tor. Das ist kein System, das ist ein Befreiungsschlag. Der Ausgleich fiel nach einem Standard, einer Route, die Chaos statt Kontrolle erfordert.
Trainer David Moyes, im Januar verpflichtet, ist zum tiefen Verteidigen zurückgekehrt, doch das Personal passt nicht. Tarkowski und Jarrad Branthwaite mangelt es an Tempo für eine tiefe Linie, und die Mittelfeldspieler Idrissa Gueye und Abdoulaye Doucoure sind 35 bzw. 32 Jahre alt. Die Transferpolitik des Klubs war planlos: 45 Millionen für Alex Iwobi, 30 Millionen für Andre Gomes, 27 Millionen für Gylfi Sigurdsson – keiner von ihnen ist Stammspieler. Die besten Spieler in dieser Saison, Tarkowski und Torhüter Jordan Pickford, sind beide über 30 und bei einem Abstieg nur noch für einen Spottpreis zu verkaufen.
- Everton hat 12 der letzten 20 Spiele verloren, wenn es in Rückstand geriet.
- Der Expected-Goals-Wert (xG) von 28,4 ist der viertschlechteste der Liga.
- Die Tordifferenz von -17 ist schlechter als bei jedem Team außerhalb der unteren fünf.
Die PSR-Illusion: Regularien einzuhalten ist kein Neuaufbau
Die Anhänger des Klubs verweisen auf die Einhaltung der PSR als Beweis für umsichtiges Management. Aber eine Regel, die Verluste auf 105 Millionen Pfund in drei Jahren begrenzt, einzuhalten, während man 400 Millionen Pfund Schulden hat, ist wie ein Autofahrer, der damit prahlt, das Tempolimit einzuhalten, während der Tank fast leer ist. Die strengste Strafe der Liga, ein Zehn-Punkte-Abzug, war dennoch nur ein Schlag auf die Finger. Everton hat das Eigengewächs Harrison Armstrong für 1,5 Millionen Pfund verkauft, einen Spieler, der der kreative Kopf der ersten Mannschaft hätte sein können, um die Bücher auszugleichen. Moyes verteidigte den Zorn der Fans und sagte, "die Anhänger liegen nicht immer falsch" – ein vernichtendes Eingeständnis, dass selbst er weiß, dass der Kader ausgeschlachtet wird.
Das Gegenargument des Vorstands lautet: Der Klassenerhalt kauft Zeit, um junge Spieler zu entwickeln und die kommerziellen Einnahmen zu steigern. Aber die Zeit ist abgelaufen. Evertons Talente wie Anthony Gordon und Richarlison wurden verkauft, ihre Nachfolger kamen per Leihe oder ablösefrei. Die U21 des Klubs belegt Platz 23 in der Premier League 2, die U18 ist Schlusslicht der Nordgruppe. Es gibt kein Fließband für Talente, nur ein Karussell der Mittelmäßigkeit.
Das Urteil: Abstieg ist kein Unfall, sondern eine Konsequenz
Everton wird in dieser Saison drinbleiben – nicht weil sie es verdienen, sondern weil die letzten drei – Leicester, Southampton und Ipswich – noch schlechter sind. Aber die Rechnung ist unerbittlich. Die Gegner nach März heißen Liverpool, Arsenal, Chelsea und Manchester City. Die Tordifferenz wird bei mindestens -25 liegen. Das Überleben wird durch eine Ecke in der 92. Minute entschieden, nicht durch taktische Weiterentwicklung.
Bis Mai 2027 wird Everton ein Championship-Klub sein. Die Schulden werden sie zwingen, ihr Stadion mit Verlust zu verkaufen, und die Fallschirmzahlungen werden für Leihgeschäfte wie die von Dele Alli verschwendet. Der Tarkowski-Moment in Bournemouth wird nicht als Rettung in Erinnerung bleiben, sondern als der Tag, an dem der Klub beschloss, das Unvermeidliche hinauszuzögern. Wenn der Abstieg endlich kommt, wird er kein Schock sein, sondern ein Urteil.
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