Everton: Punktabzüge sind die falsche Strafe

Die Finanzwächter der Premier League haben endlich die Zähne gezeigt, doch der eigentliche Biss ist nicht der Acht-Punkte-Abzug gegen Everton – es ist der Feuerverkauf, den diese Abzüge ausgelöst haben. Die Toffees sind zu einem Laboratorium für eine neue Ära des Klubmanagements geworden, in der das Ausgleichen der Bücher ein brutalerer Sport ist als alles, was auf dem Rasen gespielt wird.

Das Wettrüsten der Abschreibungen

Zwei Jahrzehnte lang haben die Spitzenklubs der Premier League ihre Bilanzierung als Waffe eingesetzt, indem sie Transferausgaben über absurde Vertragslaufzeiten streckten, um die Regeln zu erfüllen. Chelseas 45-Millionen-Deal für Mykhailo Mudryk über acht Jahre? Das ist nicht visionär – das ist eine finanzielle Zeitbombe. Everton, das den gleichen Traum mit weit weniger Mitteln verfolgte, versuchte, sich an einem High-Stakes-Pokerspiel mit einem Paar Zweien zu beteiligen.

Das Ergebnis: ein Verlust von 125 Millionen Pfund über drei Jahre, der die Profitability and Sustainability Rules der Liga verletzte und einen Abzug einbrachte, der eher wie eine Spende an das Gesundheitswesen wirkt denn wie eine Abschreckung. Doch hier liegt der paradoxe Dreh: Der Punktabzug ist eine Finte. Die eigentliche Strafe, die Evertons Entwicklung bestimmt, ist der erzwungene Verkauf ihrer liquidesten Vermögenswerte.

Das Everton-Modell: Heute verkaufen, um morgen zu leben

Als das Urteil fiel, verkaufte Everton nicht nur – sie schickten Jarrad Branthwaite für 70 Millionen Pfund zu Manchester United und Jordan Pickford für 50 Millionen zu Chelsea. Das sind keine fußballerischen Entscheidungen; sie sind Akte finanzieller Verzweiflung und haben einen Preis, der weit schwerer wiegt als jede Tabellenposition.

  • Mittelfeld-Aderlass: Der Verkauf von Amadou Onana für 55 Millionen an Newcastle gleicht zwar die Bücher aus, raubt dem Team aber seine körperliche Präsenz.
  • Jugend-Exodus: Lewis Dobbins Wechsel für 15 Millionen zu Aston Villa und Tom Cannons Transfer für 10 Millionen zu Leicester bedeuten, dass man die Zukunft des Vereins für ein paar Millionen verkauft.
  • Leih-Vampirismus: Der Verlust von Demarai Gray und Alex Iwobi, selbst wenn sie nur verliehen werden, raubt kreative Tiefe – genau die, die einen Klub im Abstiegskampf hält.

Der Klub ist nun eine Hülle, abhängig von Leihgaben und Schnäppchen aus der zweiten Reihe. Das Stadion könnte man bei diesem Tempo in 'Ruinen von Goodison' umbenennen.

Verteidigung: 'Punkte als Theater'

Verteidiger des Systems werden argumentieren, Everton habe Entscheidungen gehabt. Sie hätten Gehälter kürzen und ein nachhaltigeres Modell wie Brighton oder Brentford verfolgen können. Sie hätten sich mit dem Platz im Mittelfeld abfinden und in Infrastruktur statt in die Jagd nach europäischem Ruhm mit immer weiter steigenden Gehältern investieren können.

Aber dieses Argument ignoriert die strukturelle Ungleichheit, die in der Premier League eingebaut ist. In dem Moment, in dem ein Klub wie Everton nach den Top Sechs greift, ist er zum Spekulieren gezwungen – denn die Übertragungserlöse sind allein ein falsches Versprechen. Wenn das Glücksspiel scheitert, wie es beim katastrophalen Scouting unter Marcel Brands und dem Missmanagement von Farhad Moshiri der Fall war, bestrafen die PSR-Regeln der Liga nicht die rücksichtslosen Besitzer; sie bestrafen die Mannschaft, die Fans und die langfristige Überlebensfähigkeit des Klubs. Punktabzüge sind Theater – die wahre Strafe ist zuzusehen, wie die besten Spieler einer nach dem anderen gehen, nur um durch Leihgaben ersetzt zu werden.

Fazit: Prognose für Everton 2026

Everton wird diese Saison überleben, aber die Wunden werden eitern. Bis 2026 wird Dominic Calvert-Lewin der letzte verbliebene Stammspieler aus dem Kader von 2022 sein, der Klub wird erneut einen Rekordverlust melden, und die Premier League wird einen weiteren Punktabzug verhängen – diesmal nur als Auftakt zur Zwangsverwaltung. Der einzige Ausweg ist eine Übernahme durch einen Staatsfonds, doch der neue 'Fit-and-Proper-Persons-Test' der Liga scheint genau das blockieren zu wollen. Die Finanzregeln der Premier League haben ein System geschaffen, in dem die Reichen nicht zu fassen sind, die Armen nicht konkurrieren können und die Mittelschicht leise ausgelöscht wird. Everton ist der Kanarienvogel im Kohlebergwerk – und er singt bereits sein Todeslied.

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