Manchester Citys Jugendprojekt ist tot. Lang lebe das Scheckbuch.

Pep Guardiolas Mannschaft steht kurz davor, 100 Millionen Pfund für einen Teenager von PSV auszugeben: Ayyoub Bouaddi, ein Spieler mit gerade einmal 34 Pflichtspielen. Das ist kein Ehrgeiz. Es ist ein Eingeständnis.

Die Akademie, die zum Mythos wurde

Citys Jugendabteilung sollte der Neid Europas sein. Von Sancho über Foden, Lavia bis Palmer – das Fließband spuckte Talente aus. Doch die Strategie hat sich geändert. Sie verkauften Cole Palmer für 42,5 Mio. und holten Jérémy Doku für 55 Mio. Sie ließen James McAtee auf der Bank schmoren. Jetzt, anstatt ihren Eigengewächsen Spielzeit zu geben, legen sie für einen niederländischen Teenager ein Vermögen hin.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit 2020 hat City über 200 Mio. mit Akademieverkäufen erlöst: Sancho, Brahim Díaz, Lavia, Palmer, Rogers. Doch nur Phil Foden und Rico Lewis wurden zu Stammkräften. Der Rest wurde mit Gewinn weiterverkauft. Der Bouaddi-Deal ist die endgültige Abkehr von der eigenen Talentproduktion.

Das Argument: Für Versprechen zu zahlen ist ein riskantes Spiel

  • Ayyoub Bouaddi hat 34 Senioreneinsätze. Die Ablöse von 100 Mio. entspricht mehr pro Spiel, als die meisten Stürmer pro Tor kosten.
  • Citys eigene Akademie hat ähnliche Talente hervorgebracht – Oscar Bobb, Micah Hamilton – aber sie werden verliehen oder verkauft.
  • Das ist ein Muster: 2023 gaben sie 100 Mio. für Raphinha (Barcelona) und 80 Mio. für Doku aus. Beides Flügelstürmer, eine Position, auf der man eigene Talente hätte entwickeln können.

Das Argument, Bouaddi sei ein Jahrhunderttalent, ignoriert die Bilanz des Klubs. Als sie Haaland holten, bekamen sie eine Maschine nachgewiesener Klasse. Als sie Grealish holten, einen bewährten Vorbereiter. Bouaddi ist eine Projektion – und Projektionen verkauft man anderen, nicht sich selbst.

Die Gegenrede: Was ist mit den Erfolgsgeschichten?

Man wird kontern: Citys Akademie ist ein Erfolg, weil sie die erste Mannschaft finanziert. Dass die Deals für Alajbegovic und Bouaddi das neue Modell sind, ist Augenwischerei. Junge Talente zu kaufen ist das Gegenteil einer Akademie-Philosophie. Entweder man vertraut auf eigene Scouting und Ausbildung, oder man lagert aus. City hat sich für Letzteres entschieden.

Der 35-Mio-Deal für Kerim Alajbegovic von Bayer Leverkusen, letzte Woche vereinbart, bestätigt den Trend. Der Spieler ist 18, mit 12 Pflichtspielen. City hortet Potenzial aus dem Ausland, während die eigenen Carrington-Absolventen zu Southampton und Brighton ziehen. Das ist keine Strategie, sondern eine Steuer auf einen Reputationswert.

Fazit: City wird das vor 2028 bereuen

Wenn Bouaddi 24 wird, hat City über 150 Mio. für Gehalt und Abschreibung ausgegeben. Er wird dann der vierte Flügelstürmer sein, während mindestens zwei aktuelle Akademie-Stars bei Champions-League-Konkurrenten beginnen. Die Entscheidung, spekulative ausländische Talente über die eigene Jugendarbeit zu stellen, ist ein Fehler, den der Spielplan offenbaren wird. Erwarten Sie, dass Oscar Bobb innerhalb von zwei Jahren für 50 Mio. verkauft wird – und City wieder über fehlende Identität klagt.

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