Brentfords Pressing ist eine in Daten verpackte Lüge
Beobachtet man Brentford 90 Minuten lang, sieht man ein Team, das mehr läuft als fast jedes andere in der Premier League. Ihr PPDA (Pässe pro defensiver Aktion) gehört mit rund 8 oder 9 regelmäßig zu den besten der Liga – das deutet auf ein wildes, koordiniertes Pressing hin. Dennoch kassieren sie im Schnitt 1,7 Gegentore pro Spiel, und ihr erwartete Gegentore pro Schuss (xGA) ist der höchste Wert der Liga. Etwas stimmt nicht.
Die Pressing-Falle
Die Zahlen sind echt: Brentford macht mehr intensive Sprints als alle bis auf zwei Teams. Aber ihr Pressing ist eine billige horizontale Jagd – sie verengen nie die Räume. Sie treiben Gegner zu den Flügeln, aber versperren nicht die Halbräume. Vergleicht man sie mit Brighton unter De Zerbi, die mit einer vertikalen, koordinierten Form pressen und so Ballgewinne im Zentrum erzwingen. Brentford erzwingt nichts. Ihr Pressing ist eine Show, keine Funktion.
- Bei der 0:2-Niederlage gegen Wolverhampton lösten sie das Pressing in der ersten Halbzeit 14 Mal aus, erzielten aber null hohe Ballgewinne. Wolves umging es mit einfachen Diagonalpässen auf den jeweils anderen Außenverteidiger.
- Gegen Aston Villa ließen sie 23 Schüsse zu – die meisten in einem Spiel in dieser Saison – trotz eines PPDA von 7,2. Das Pressing war hektisch, aber löchrig und hinterließ eine Autobahn im Mittelfeld.
- Bei der 2:3-Niederlage gegen Burnley eroberten sie den Ball trotz 62 intensiven Läufen nur einmal im letzten Drittel. Burnleys Struktur hielt, Brentfords Energie verpuffte.
Das Mittelfeld: Ein strukturelles Desaster
Die Ursache ist ein Mittelfeld, das keine Passwege zustellen kann. Christian Nørgaard, Jensen und Janelt bilden ein Trio, das Schatten jagt. Ihr Schnitt an Interceptions pro 90 Minuten beträgt 1,3 – niedriger als bei jedem anderen Team der unteren Tabellenhälfte. Ohne einen echten Sechser, der den Raum scannt und absichert, ist das Pressing eine Solo-Nummer, kein System. Jedes Team mit einem passsicheren Spieler wie Douglas Luiz oder João Palhinha kann sie auseinandernehmen. Die Daten bestätigen: Brentfords Defensivaktionen sind zwar hoch im Volumen, aber minderwertig, mit einer Defensivzweikampfquote von nur 54 % – der schlechteste Wert der Liga nach Luton.
Die Ergebnisse sagen, sie sind sicher – vorerst
Das Gegenargument: Brentford steht auf Platz 14, sechs Punkte vor den Abstiegsrängen, mit einer nicht katastrophalen Tordifferenz. Der Angriff um Ivan Toney und Bryan Mbeumo kaschiert die Defensivanfälligkeit. Doch die zugrundeliegenden Zahlen deuten auf eine unvermeidliche Regression hin. Ihre xGD (erwartete Tordifferenz) liegt bei -12,6, der viertschlechteste Wert der Liga, und sie haben in acht Spielen drei oder mehr Tore kassiert. Nur Sheffield United ist noch schlechter. Der Formanstieg ist eine Fata Morgana: Sie holten knappe 1:0-Siege gegen Abstiegskonkurrenten mit xG-Margen unter 0,5. Dies ist kein Team, das Spiele kontrolliert; es schnappt sich Ergebnisse am Rande des Zusammenbruchs.
Das Urteil: Brentford überlebt nächste Saison nicht
Thomas Franks Treue zu einem Pressing, das keine Räume komprimiert, wird sein Untergang sein. Ohne einen Umbau im Mittelfeld – insbesondere einen Abräumer, der das Spiel liest – wird das strukturelle Loch sie verschlucken. Erwarten Sie, dass Brentford nächste Saison als 18. endet, und Frank bis Weihnachten geht, wenn das Pressing-Paradox entlarvt wird: eine vergoldete Statistik, die ein taktisches schwarzes Loch verbirgt.
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