Wolves – die gefährlichste Fata Morgana der Premier League

Wolves hat nur zwei der letzten 15 Spiele gewonnen. Doch die Ergebnisse schmeicheln. Die Statistiken zeichnen ein viel düstereres Bild: Der erwartete Gegentorwert (xGA) ist der drittschlechteste der Liga, die Defensivstruktur völlig zusammengebrochen. Das ist kein Ausrutscher.

Das Erbe der Verwirrung: Zehn Trainer, keine Identität

Seit der Rückkehr in die Premier League 2018 ist Wolves von Nuno Espírito Santos Dreierkette-Pragmatismus über Bruno Lages flüssiges 4-3-3, Julen Lopeteguis Ballbesitzfußball, Gary O‘Neils destruktives Spiel und nun Vítor Pereiras hektisches Pressing gebeutelt. Jeder Trainer hat das System des Vorgängers eingerissen – der Kader ist ein Flickenteppich taktischer Anweisungen.

Opta-Daten zeigen: Die Anzahl defensiver Aktionen pro Spiel schwankt extrem – von den meisten Tacklings der Liga unter Nuno bis zu den wenigsten unter O‘Neil. Seit 2020 wurden über 200 Millionen Euro für Spieler ausgegeben, doch nur zwei Verteidiger – Max Kilman und Conor Coady – haben mehr als 60 Einsätze absolviert. Die Abwehrkette wird jedes Jahr neu aufgebaut, und das Fundament ist Sand.

Das strukturelle Loch: Warum das Mittelfeld die Wurzel allen Übels ist

Wolves‘ zentrales Mittelfeld ist ein Vakuum. Joao Gomes und Mario Lemina rackern zwar, sind aber Box-to-Box-Läufer, keine Ballverteiler. Die Passquote im Mitteldrittel beträgt 78 % – die schlechteste aller Premier-League-Teams. Kein Mittelfeldspieler kommt auf mehr als 1,5 Torschussvorlagen pro Spiel. Die Folge: Wolves umgeht das Mittelfeld komplett und schlägt 40 % aller Angriffe lang – Höchstwert in der Liga.

  • Wolves belegt Rang 19 bei Pässen in den Strafraum (23 pro Spiel).
  • Rang 18 bei progressiven Dribblings aus dem Mittelfeld.
  • Das Pressing im Mitteldrittel ist das schlechteste der Liga – Gegner können zehn Pässe spielen, bevor Druck kommt.

Diese Mittelfeld-Lücke zwingt die Stürmer, tief zu kommen, um Bälle zu bekommen. Matheus Cunha bleibt isoliert und frustriert. Der Brasilianer hat seit Pereiras Amtsübernahme 12 Chancen kreiert – mehr als jeder Mitspieler – aber meist aus Halbräumen, nicht aus gefährlichen Zonen.

Hat Vítor Pereira die Abwehr nicht gefestigt?

Pereiras Befürworter verweisen auf drei Zu-Null-Spiele in seinen ersten sieben Ligaspielen. Die Gegner: Leicester (ohne Jamie Vardy), Southampton (schwächster Angriff der Liga) und Burnley (kaum Torchancen). Gegen stärkere Gegner – Brighton, Nottingham, Newcastle – kassierte Wolves zwei Gegentore pro Spiel. Der xGA-Wert unter Pereira ist sogar gestiegen (1,9 pro Spiel) im Vergleich zu 1,7 unter O‘Neil. Die Zu-Null-Spiele sind eine Fata Morgana.

Prognose: Wolves rutscht in den Abstiegskampf – wenn das Mittelfeld nicht bis Februar geflickt wird

Wolves wird nicht über Platz 16 hinauskommen. Restprogramm: Auswärtsspiele bei Arsenal, Tottenham und Manchester City – alles Teams, die die Mittelfeld-Lücke ausnutzen werden. Holt Pereira im Januar keinen echten Sechser (wie Sander Berge oder einen alten João Moutinho), droht Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag. Das taktische Chaos ist strukturell – und die Uhr tickt.

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