Der Punktabzug ist keine Strafe – sondern eine Lizenzgebühr für die Reichen
Als der FC Everton in der vergangenen Saison mit zwei separaten Punktabzügen von insgesamt acht Zählern belegt wurde, nickte die Fußballwelt anerkennend. Endlich setzt die Premier League ihre Profitability and Sustainability Rules (PSR) durch. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das System als Farce: Es bestraft die Verzweifelten, während die Reichen sich schlicht freikaufen.
Der Mythos der gleichen Durchsetzung
Evertons Vergehen waren real: Sie gaben über drei Jahre 19,5 Millionen Pfund zu viel aus. Nottingham Forest beging einen ähnlichen Verstoß. Beiden wurden Punkte abgezogen. Derweil stehen gegen Manchester City 115 Anklagepunkte im Raum – vor allem wegen finanzieller Falschdarstellung über ein Jahrzehnt – und sie bleiben ungeschoren, indem sie mit ihrer hochkarätigen Rechtsabteilung jedes Urteil verzögern. Das PSR-Regime erwischt nur die Klubs, die zu klein sind, um sich effektiv zu wehren. Stand 2025 hat City schätzungsweise 50 Millionen Pfund allein für Anwaltskosten ausgegeben – eine Summe, die für die meisten Vereine einen FFP-Verstoß darstellen würde.
Wie das System die Elite begünstigt
Die PSR erlaubt Verluste von 105 Millionen Pfund über drei Jahre, aber mit erlaubten Zuschlägen für Infrastruktur, Akademieausgaben und Frauenfußball können Top-Klubs diesen Betrag effektiv verdoppeln. Chelsea nutzte unter Todd Boehly langfristige Amortisationsverträge, um Ablösesummen auf acht Jahre zu strecken – bis die Premier League diese Gesetzeslücke schloss, allerdings erst, nachdem Chelsea bereits über eine Milliarde Pfund für Spieler ausgegeben hatte. Die Regeländerungen sind nur dann rückwirkend, wenn es dem Establishment nützt. Die Elite setzt ausgeklügelte juristische und buchhalterische Strukturen ein, um Sanktionen in schlichte Betriebskosten zu verwandeln. Punktabzüge sind eine Steuer auf die Armen.
- Evertons neues Stadion am Bramley-Moore Dock, das 760 Millionen Pfund kostet, sollte ein Triumph sein – doch es wurde teilweise durch Schulden finanziert, die dann den PSR-Verstoß verschärften. Sie wurden dafür bestraft, dass sie in ihre Zukunft investierten.
- Manchester Citys Etihad Campus kostete 200 Millionen Pfund, doch durch Related-Party-Deals mit Sponsoren aus dem Abu-Dhabi-Umfeld deklarierten sie ihn als Einnahme – ein Vorgehen, das nun untersucht wird.
- Chemie-Akademie-Verkäufe wie die von Mason Mount und Conor Gallagher generierten unter PSR-Regeln reinen Gewinn, obwohl der Verein 2023 allein über 250 Millionen Pfund für Beraterhonorare ausgab.
Das Gegenargument, das nicht sticht
Verteidiger des Systems argumentieren, die Regeln seien klar und den Vereinen bekannt. Sie sagen, Punktabzüge seien verhältnismäßig und dass Evertons zwei separate Anklagen bewiesen, dass das System funktioniere. Doch das ignoriert die strukturelle Ungleichheit. Ein Verein wie Everton kann sich die elitären Anwaltsteams nicht leisten, die City helfen, Anklagen zu umgehen. Die unabhängige Kommission der Premier League gab selbst zu, dass Evertons Verstoß „nicht vorsätzlich" war – dennoch wurden Punkte abgezogen. Unterdessen beinhalten Manchester Citys 115 Anklagepunkte Vorwürfe der bewussten Irreführung von Aufsichtsbehörden – ein weit schwerwiegenderes Vergehen. Die Diskrepanz in Geschwindigkeit und Härte ist kein Bug, sondern ein Feature eines Systems, das das Establishment schützen soll.
Das Urteil: eine konkrete Prognose
Bis zum Sommer 2026 wird die Premier League den Fall Manchester City mit einer Geldstrafe von maximal 50 Millionen Pfund und einem zur Bewährung ausgesetzten Punktabzug beilegen – eine symbolische Strafe, die es ihr erlaubt zu behaupten, das System funktioniere. Everton hingegen wird an neue Besitzer verkauft, die sofort mit einem neuen PSR-Problem konfrontiert werden, weil die Schulden des Klubs mit dem Wegfall einer Abstiegsklausel kollidieren, die sie derzeit schützt. Die Elite wird sich immer freikaufen können. Die PSR ist ein Hütchenspiel, und die Medien klatschen Beifall für die leeren Becher.
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