Die große Illusion der Premier League zerbricht an ihren eigenen Widersprüchen
Die Profit- und Nachhaltigkeitsregeln der Premier League wurden als Mechanismus für Fairness verkauft, ein ebenes Spielfeld, auf dem Ehrgeiz auf Verantwortung trifft. Doch die Realität ist härter: ein Zwei-Klassen-System, in dem staatliche Klubs regulatorische Schlupflöcher ausnutzen, während traditionelle Eigentümer gefesselt sind. Newcastle Uniteds Wandel unter dem Public Investment Fund Saudi-Arabiens ist das klarste Beispiel dafür, wie Financial Fairplay zum Schutzschild für die Reichen geworden ist.
Wenn Sponsoring zum Staatsapparat wird
2021 sorgte Newcastles umstrittene Übernahme durch PIF, gestützt vom saudischen Staatsfonds, für Aufsehen. Aber das eigentliche Spiel begann, als der Klub eine Reihe von Sponsoring-Deals mit saudischen Unternehmen bekannt gab. Das Trikotsponsoring über 25 Millionen Pfund pro Jahr von Sela, einem saudischen Event-Unternehmen, wurde sofort hinterfragt: War das ein marktüblicher Preis? Die Regeln für Transaktionen mit verbundenen Parteien der Premier League sollten genau das verhindern, doch die Deals wurden durchgewunken.
Vergleichen Sie das mit den Problemen des FC Everton. Die Toffees wurden mit einem Zehn-Punkte-Abzug bestraft, weil sie das FFP um 19,5 Millionen Pfund über drei Jahre verletzt hatten – eine Summe, die von den Werten der Newcastle-Deals in den Schatten gestellt wird. Der Unterschied? Evertons Geschäftspartner sind Dritte. Newcastles sind ein Instrument der Staatspolitik.
Die Zahlen, die die Farce entlarven
Die Finanzregeln der Premier League erlauben Klubs Verluste von bis zu 105 Millionen Pfund über drei Spielzeiten. Newcastle hat unter PIF seit 2021 über 400 Millionen Pfund für Transfers ausgegeben und bleibt dabei im Rahmen des Gesetzes. Wie? Durch überhöhte Sponsoring-Bewertungen, die Staatsvermögen in legitime Einnahmen verwandeln.
- Newcastles kommerzielle Einnahmen stiegen von 15 Millionen Pfund in der Saison 2020/21 auf 45 Millionen Pfund 2022/23, so Deloitte – ein Anstieg um 200 Prozent, fast ausschließlich getrieben von staatlichen Deals.
- Das Etihad-Sponsoring von Manchester City (67,5 Millionen Pfund jährlich) wurde trotz ähnlicher Bedenken als „fair" eingestuft und setzte einen Präzedenzfall, dem Newcastle folgte.
- Der neue Eigentümer des FC Chelsea, Clearlake Capital, kann das nicht nachahmen – ihr 30-Millionen-Pfund-Deal mit Infinite Athlete wird ständig hinterfragt, weil er auf Armeslänge ist.
Die Schablone ist klar: Klub kaufen, Sponsoring über Staatskontakte aufblähen und alle anderen ausstechen. FFP wird zum Gummistempel.
Das Gegenargument, das nicht zieht
Es gibt ein Gegenargument: Newcastles Ausgaben seien umsichtig, sie hätten Spieler gut verkauft, ihr Umsatzwachstum sei organisch. Doch die Beweise sprechen dagegen. Die Spieltagseinnahmen des Klubs liegen weiterhin bei rund 40 Millionen Pfund – niedriger als die von Leicester. Ihre weltweite Fangemeinde wächst, aber nicht so, dass eine Verdreifachung der kommerziellen Einnahmen in zwei Jahren erklärt wäre.
Kritiker verweisen auch auf die neuen Finanzkontrollen der Premier League – eine Ausgabenobergrenze im Verhältnis zu den Einnahmen. Aber das ignoriert das Schlupfloch: Wenn ein Staatsbesitzer Geld durch „faire" Sponsoring-Deals leiten kann, hebt sich die Obergrenze von selbst. Newcastles Umsatz von 250 Millionen Pfund in der letzten Saison, gegenüber 140 Millionen im Jahr 2021, ist das Produkt eines staatlichen Geldgebers, nicht kommerzieller Brillanz.
Newcastle wird innerhalb von fünf Jahren die Premier League gewinnen – und FFP wird das Vehikel sein, nicht das Hindernis
Die Premier League steht vor einer Wahl: ihre Regeln ehrlich durchsetzen – einschließlich einer gründlichen Überprüfung staatlicher Sponsoring-Deals – oder eine neue Ordnung akzeptieren, in der Staatsvermögen die Tabelle bestimmt. Aston Villa, Brighton, selbst Manchester United können nicht mit einem Klub konkurrieren, dessen Besitzer per Dekret Geld druckt. Das nächste Titelrennen wird nicht auf dem Rasen ausgetragen, sondern in Vorstandsetagen und Schiedsgerichten. Und wenn die Premier League nicht Rückgrat zeigt, ist Newcastles Aufstieg unausweichlich – ein Sieg nicht für den Sport, sondern für die Staatskunst.
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