West Ham hat den besten Mittelfeldspieler, den keiner kennt
Mateus Fernandes füllt keine Schlagzeilen. Dabei sollte er es. Der 24-jährige portugiesische Mittelfeldspieler hat im letzten Monat mehr linienüberschreitende Pässe gespielt als jeder andere Spieler außerhalb der Top vier – und dennoch hat ihn die Premier-League-Berichterstattung völlig ignoriert.
Die leise Arbeit eines modernen Metronoms
Wenn Tottenham 80 Millionen Pfund für einen West-Ham-Spieler bietet, geht man automatisch davon aus, dass es sich um einen Torjäger oder einen Box-to-Box-Antreiber handelt. Doch Spurs' Interesse an Fernandes – das Sky Sports am 12. März bestätigte – ist nicht von Glamour oder Eitelkeit getrieben, sondern von Daten und Beobachtung. Fernandes kommt auf 6,3 progressive Pässe pro 90 Minuten – eine Quote, die ihn auf Augenhöhe mit Rodri in der Saison 2023/24 bringt. Seine Passquote unter Druck beträgt 88,2 Prozent, höher als bei jedem anderen West-Ham-Mittelfeldspieler seit Jahresbeginn.
Dieser Spieler hält den Ball nicht einfach nur. Fernandes sieht Räume, die es scheinbar gar nicht gibt. Gegen Arsenal am 16. März spielte er eine Diagonalflanke auf Jarrod Bowen, die vier Arsenal-Feldspieler überspielte – ein Pass, den in dieser Saison nur vier andere Mittelfeldspieler der Premier League erfolgreich versucht haben. Der Unterschied? Sie spielen für Champions-League-Klubs. Er nicht.
Das Argument für Fernandes' Elite-Status
- Vertikales Passspiel: Fernandes kommt auf 12,1 Pässe in das letzte Drittel pro 90 Minuten – das sind Top 5 Prozent aller Premier-League-Mittelfeldspieler. Seine Fähigkeit, Linien zu überspringen, lässt gegnerische Defensivblöcke zusammenbrechen, bevor sie sich sortieren können.
- Defensivarbeit: Er liegt bei West Ham auf Rang drei bei Interceptions (2,1 pro 90 Minuten) und auf Rang eins bei erfolgreichen Tacklings im Mitteldrittel. Seine Arbeit gegen den Ball erlaubt es Declan Rice' Nachfolger James Ward-Prowse, höher zu schieben.
- Konstanz unter Druck: In den sechs Spielen gegen Top-Teams in diesem Kalenderjahr fiel Fernandes' Passquote nur um 1,4 Prozent. Die meisten Mittelfeldspieler verlieren vier bis fünf Prozent. Er knickt nicht ein.
Das Gegenargument: Er trifft und legt zu selten auf
Kritiker werden auf Fernandes' ein Tor und drei Vorlagen in dieser Premier-League-Saison verweisen. Sie werden sagen, ein Mittelfeldspieler mit einer solchen Passreichweite müsse mehr Endprodukt liefern. Das ist ein Missverständnis seiner Rolle und der modernen Mittelfeldmetriken. Fernandes ist kein Zehner, sondern ein tiefliegender Spielmacher, dessen Aufgabe es ist, die Bedingungen für Tore zu schaffen, nicht den letzten Pass zu spielen. Seine erwarteten Torvorlagen (xAG) pro 90 Minuten liegen bei 0,19 – vergleichbar mit Jorginho in seiner besten Zeit oder Rodri 2022/23. Der Unterschied: Diese Spieler haben Vollstrecker, die verwandeln. West Hams Stürmer haben ihren xG in dieser Saison um 4,7 Tore unterboten. Repariert man die Offensive, schnellen Fernandes' Vorlagenzahlen in die Höhe.
Zudem ist die Vorstellung, ein Mittelfeldspieler müsse direkt an Toren beteiligt sein, um wertvoll zu sein, ein Relikt der 4-4-2-Ära. In einem ballbesitzbasierten System ist der Spieler, der das Tempo kontrolliert und die erste Pressinglinie durchbricht, oft einflussreicher als der, der selbst trifft. Fernandes ist dieser Spieler.
Fazit: Fernandes wird der nächste teure Mittelfeldabgang
Bis zum Ende des Sommer-Transferfensters wird Mateus Fernandes zu einem Champions-League-Klub wechseln – für eine Ablöse von über 70 Millionen Pfund. Manchester United und Liverpool, die ihn beide in dieser Saison beobachtet haben, werden den Preis treiben. Seine Leistungsdaten, kombiniert mit seinem Alter und Vertrag bis 2027, machen ihn zum am meisten unterbewerteten Spieler der Premier League. West Ham weiß das. Tottenhams gescheiterte 80-Millionen-Pfund-Offerte – abgelehnt am 18. März – beweist, dass der Markt längst aufgewacht ist. Die Mainstream-Medien werden folgen.
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